21.01.2026 – land und region

So, heute reden wir mal über das, was Landwirtschaft alles gleichzeitig sein soll und was mir bei der ganzen Berichterstattung rund um die Grüne Woche in Berlin so aufgefallen ist.

Gehen wir rein: Was soll Landwirtschaft jetzt eigentlich alles sein?
Sie soll sich dem Klimawandel anpassen, aber bitte nur mit Methoden, die genauso klingen wie früher. Innovation gern, aber bitte ohne neue Verfahren.

Sie soll arbeiten wie früher, mit Herz, Hand und Heimatgefühl, aber bitte 24 Stunden am Tag liefern, zuverlässig, billig und jederzeit verfügbar. Am liebsten als Flatrate. Ohne Aufpreis.

Sie soll Schnee räumen und Straßen frei machen, wenn sonst nichts mehr geht, aber bitte am Sonntag mit den Erntemaschinen von der Landstraße verschwinden, damit der Deeptalk im Cabrio nicht ins Stocken gerät.

Sie soll mit Weidehaltung Biodiversität fördern, aber bitte den Kuhfurz abstellen, der passt gerade nicht so gut ins große Weltklima. Kühe können sich ja auch mal benehmen.

Sie soll in Kreisläufen wirtschaften, aber bitte keine Gülle oder Mist ausbringen, denn nur ein geruchsneutraler Kreislauf ist ein guter Kreislauf. Bei uns Menschen klappt das ja auch hinter der Badezimmertür.

Sie soll Tiere draußen halten, aber bitte immer gut geschützt. Vor starker Hitze, böser Kälte, nassem Regen, zugigem Wind und allem, was draußen eben draußen ist. Am besten mit Dach, Wänden und Raumklima. Kurze Verständnisfrage. Nennt man das dann nicht Stall?

Sie soll das Land lebendig halten, aber bitte leise. Traktoren ja, aber nur als Kulisse. Und Arbeit gern, aber bitte nine to five.

Sie soll regional und saisonal produzieren, aber bitte jederzeit alles verfügbar halten, unabhängig von Jahreszeit, Wetter oder Realität. Und wenn sie das nicht kann? Ihr Problem. Andere können das ja auch.

Sie soll die höchsten Standards erfüllen und Verantwortung fürs große Ganze übernehmen, aber bitte nicht so mimimi sein, wenn uns das global plötzlich nicht mehr interessiert.

Und irgendwo zwischen all dem steht Landwirtschaft und macht weiter. Mit echten Tieren, echtem Boden, echtem Wetter und echten Entscheidungen. Landwirtschaft ist am Ende eines. Systemrelevante Lebensmittelproduktion. Ob das 2026 endlich alle verstehen?

Aber wahrscheinlich nicht.

Autor:

Redaktion Land und Region
Christian Kluge

Fotos: Kluge Kommunikation

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