28.01.2026 – land und region
So, heute reden wir über 2026. Das Jahr der Landwirtin. Ausgerufen von den Vereinten Nationen. Und bevor jetzt wieder einer sagt „Symbolpolitik“, schauen wir uns kurz die Realität an.
In Deutschland sind rund 35 Prozent aller Beschäftigten in der Landwirtschaft Frauen. Etwa 11 Prozent der Betriebe werden von Frauen geleitet. Rund 25 Prozent der Azubis im Agrarbereich sind weiblich. Und jetzt festhalten: Etwa 61 Prozent der Studierenden in Agrar-, Forst- und Ernährungswissenschaften sind Frauen. Mehr als die Hälfte. Die Zukunft sitzt also längst auf dem Schlepper, steht im Stall und sitzt im Hörsaal. Sie trägt nur selten Schnurrbart.
Und trotzdem tun manche immer noch so, als wäre Landwirtschaft ein Männerfilm mit Nebenrollen für Frauen. Spoiler: Ist sie nicht. Sie war es nie. Frauen halten seit Jahrzehnten Betriebe am Laufen, während andere sich noch über Zuständigkeiten streiten. Sie organisieren Höfe, führen Buchhaltung, treffen Investitionsentscheidungen, managen Tierwohl, Personal, Vermarktung, Direktverkauf, Familie und dürfen sich dann anhören: „Na, hilfst du deinem Mann?“ Nein, tun sie nicht. Sie führen den Laden.
Das Spannende ist ja: Je moderner Landwirtschaft wird, desto weiblicher wird sie auch. Strategie statt Bauchgefühl. Planung statt Stammtisch. Verantwortung statt Lautstärke. Während manche Männer immer noch glauben, Führung habe etwas mit Lautsein und breiten Schultern zu tun, zeigen Frauen, dass Überblick, Klarheit und Konsequenz deutlich wirksamer sind. Nicht härter. Aber besser.
Wenn heute 61 Prozent der Studierenden weiblich sind, dann ist völlig klar, wer die Landwirtschaft von morgen prägen wird. Die Frage ist nicht, ob Frauen mehr Verantwortung übernehmen. Die Frage ist, ob die Strukturen bereit sind, das auszuhalten. Oder ob man weiter so tut, als wäre das alles Zufall und temporär. Spoiler: Nummer 2 ist es nicht.
Deshalb ist es richtig und wichtig, dass die UN 2026 zum Jahr der Landwirtin erklären. Aber jetzt kommt der entscheidende Punkt: Ein Motto allein ändert nichts. Fototermine und Podiumsrunden mit Applaus reichen nicht, wenn 2026 mehr sein soll als ein schönes Schlagwort. Sonst bleibt es gut gedacht aber schlecht gemacht.
2026 ist deshalb kein nettes Themenjahr mit Blumenstrauß. Es ist eine Ansage. Landwirtschaft ohne Frauen ist Vergangenheit. Landwirtschaft mit Frauen ist Gegenwart. Und Landwirtschaft, die Zukunft haben will, kommt an ihnen nicht vorbei.
Ob das alle wahr haben wollen?
Aber wahrscheinlich nicht.
Autor:
Redaktion Land und Region
Christian Kluge
Fotos: Kluge Kommunikation