15.03.2026 – land und region

Guten Tag, mein Name ist Bruno. Ich arbeite für die Landwirtschaft. Und ich kaufe im Supermarkt ein.“ So oder so ähnlich würde wahrscheinlich meine Vorstellung in einer Einkaufs-Selbsthilfegruppe klingen. Aber Spaß beiseite.

Heute ist Weltverbrauchertag. Das ist traditionell der Tag, an dem irgendjemand erklärt, wie Verbraucher „richtig“ einkaufen sollten.

Ich sage jetzt mal etwas Unpopuläres: Ich verstehe, warum viele im Supermarkt einkaufen. Nicht jeder hat einen Hofladen um die Ecke. Nicht jeder wohnt auf dem Land. Und nicht jeder hat Zeit, drei Dörfer abzufahren, um Eier, Milch und Kartoffeln einzusammeln.

Mehr regional. Mehr saisonal. Mehr nachhaltig. Mehr bewusst. Das hört sich alles gut an. Und ganz ehrlich: Die meisten Menschen denken dabei zuerst: „Ja klar. Wenn ich sonst nichts zu tun habe.“ Unser Alltag ist voll. Arbeit. Kinder. Termine. Haushalt.

Da ist der Supermarkt nicht das Problem. Er ist schlicht die Realität unseres Alltags. Und jetzt kommt der Teil, den manche vielleicht überraschend finden: Auch ich kaufe im Supermarkt ein. Ich beschäftige mich den ganzen Tag damit, wie Landwirtschaft in der Region und in unserem Land Zukunft hat. Aber auch ich stehe gelegentlich vor dem Kühlregal und denke: „Hoffentlich ist noch Pizza da.“

Manchmal aus Zeitgründen. Manchmal aus Bequemlichkeit. Und manchmal, weil ich abends um halb sieben einfach nur noch schnell etwas zu essen brauche. Und ja: Manchmal liegt in meinem Einkaufswagen auch etwas, bei dem die Kühe vor meiner Haustür wahrscheinlich kurz irritiert die Augenbrauen heben würden.

Ohne Supermärkte würde unser Alltag gar nicht funktionieren. Aber ich glaube trotzdem, dass beim Einkaufen jeder ein kleines bisschen mehr entscheiden kann, als er denkt. Nicht perfekt. Nicht immer. Aber ein bisschen. Zum Beispiel hier: Schaut beim Einkaufen einfach mal auf das Herkunftsland. Deutsche Milch. Deutsche Eier. Deutsches Fleisch. Deutsche Kartoffeln. Deutsche Äpfel.

Das ist keine Revolution. Aber es ist ein Anfang. Und vielleicht entdeckt man irgendwann auch noch etwas anderes: Eine Milchtankstelle. Einen Eierautomaten. Oder einen Hofladen, an dem man sonst immer vorbeifährt.

Dann nimmt man dort einfach ein Produkt mit. Nur eins. Vielleicht die Eier. Mehr muss es gar nicht sein. Denn das Ziel ist nicht, plötzlich alles perfekt zu machen. Das Ziel ist, überhaupt anzufangen. Und vielleicht ist genau das die Idee hinter diesem Weltverbrauchertag: Nicht alles sofort richtig machen. Sondern beim nächsten Einkauf einmal kurz innehalten und sich fragen: Wo kommt das eigentlich her?

Und falls jetzt jemand fragt, ob ich selbst immer perfekt einkaufe …

Aber wahrscheinlich nicht.

Autor:

Redaktion Land und Region
Christian Kluge

Fotos: Kluge Kommunikation, KI

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