23.02.2026 – land und region
Für den Bremer Bauernverband ist es inakzeptabel, dass im Zuge des „Gesamtstädtischen Standortkonzepts Freiflächenphotovoltaik“ landwirtschaftliche Nutzflächen für Photovoltaikanlagen geprüft und ausgewählt werden sollen, ohne vorherige Einbindung der berufsständischen Vertretung.
Der Verband wurde darüber nicht offiziell informiert, sondern durch betroffene Landwirte. Ein solches Vorgehen setzt das über Jahre erarbeitete und notwendige Vertrauen massiv aufs Spiel. Wer über die Zukunft landwirtschaftlicher Flächen spricht, muss die Landwirtschaft insgesamt einbeziehen, nicht nur einzelne Betriebe und nicht erst im Nachhinein informieren.
Besonders kritisch ist die inhaltliche Ausrichtung der Planungen: Im Fokus stehen ausgerechnet intensiv bewirtschaftete Ackerflächen, teilweise Hochertragsstandorte, während Naturschutz-, Landschaftsschutz- und Moorflächen pauschal ausgeschlossen wurden. Gerade in einem Stadtstaat wie Bremen bedeutet dies eine unzumutbare, einseitige Belastung der Landwirtschaft und damit wird die Verantwortung für die Energiewende in Bremen einseitig auf die landwirtschaftliche Produktion verlagert.
Bremen verfügt bereits jetzt nur über sehr begrenzte Ackerflächen. Wer diese Flächen für Energieproduktion dauerhaft entzieht, greift direkt in die wirtschaftliche Grundlage der Betriebe ein, gefährdet Investitionen, verhindert Entwicklungsmöglichkeiten und verhindert Hofnachfolge. Landwirtschaft braucht klare, verlässliche Zukunftsperspektiven, keine schrittweise Flächenverdrängung durch die Hintertür.
Der Bremische Landwirtschaftsverband stellt klar:
Photovoltaik auf Ackerflächen und ertragsreichen Grünlandflächen lehnen wir ab.
Die Energiewende darf nicht zulasten der Lebensmittelproduktion organisiert werden. Absoluten Vorrang müssen versiegelte und urbane Räume haben – Dächer, Parkflächen, Gewerbe- und Verkehrsflächen. Hier erwarten wir zunächst ein belastbares Konzept, bevor überhaupt über landwirtschaftliche Nutzflächen gesprochen wird.
Ebenso fordern wir, dass Alternativen gleichwertig geprüft werden: Windenergie schafft regionale Wertschöpfung und kann Einkommen im ländlichen Raum sichern. Diese Option darf, aus welchen politischen Überlegungen auch immer, nicht ausgeblendet werden.
Dass gleichzeitig alle anderen Flächenkategorien geschont und pauschal ausgenommen werden, während die Produktionsflächen der Landwirtschaft zur Hauptkulisse der Energiewende werden sollen, ist nicht nachvollziehbar und den Landwirtinnen und Landwirten, die seit Jahren freiwillige Programme des kooperativen Naturschutzes tragen, nicht vermittelbar.
Die Nahrungsmittelproduktion ist weder Spielwiese noch Verfügungsmasse zur Gestaltung der Energiepolitik in Bremen. Der dauerhafte Entzug landwirtschaftlicher Flächen konterkariert zudem frühere politische Zusagen, wonach die verbliebenen Betriebe in Bremen ausdrücklich erhalten und gestärkt werden sollen.
Aktuell zählen mögliche Moorflächen ebenfalls zu den pauschal ausgenommenen Bereichen. Dabei liegt gerade hier mit Agri-PV auf wiedervernässten Moorstandorten ein Ansatz, Nutzung und Klimaschutz zu verbinden, statt weitere produktive Ackerflächen zu entziehen.
Die Landwirtschaft in Bremen beteiligt sich seit Jahren konstruktiv an freiwilligen Projekten im Natur-, Klima- und Gewässerschutz und ist das zentrale Gestaltungselement in vielen dieser Vorhaben. Diese Bereitschaft, sich auch weiterhin als verlässlicher Partner einzubringen, setzt jedoch voraus, dass ihre wirtschaftliche Grundlage respektiert wird.
Natur- und Klimaschutz gelingt nur mit der Landwirtschaft nicht durch ihre Verdrängung.
Dialog und Fairness waren in Bremen stets die Grundlage der Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft, Politik und Verwaltung. Auf dieser Basis konnten in den vergangenen Jahren zahlreiche gemeinsame Projekte entstehen. Wer diese Grundlage beim Thema Photovoltaik einseitig verlässt, stellt die Zusammenarbeit insgesamt infrage. Ohne gegenseitigen Respekt und echte Beteiligung kann es künftig keine verlässliche Kooperation geben.
Der Bremische Landwirtschaftsverband fordert daher die klare Beendigung von Planungen zur Errichtung von Photovoltaikanlagen auf landwirtschaftlichen Nutzflächen in Bremen. Die Energiewende muss auf geeigneten Flächen umgesetzt werden, nicht auf den Produktionsgrundlagen unserer Betriebe.
Unsere Landwirtschaft, unsere Zukunft.
Grüße gehen raus ins Land und die Region.
Autor:
Redaktion Land und Region
Christian Kluge
Fotos: mit KI bearbeitet, Kluge Kommunikation