02.11.2025 – land und region

So, heute reden wir über ein Naturerlebnis, das in Deutschland fast so beliebt ist wie Parken in zweiter Reihe: Pilze sammeln. Kaum fallen die ersten Blätter, ziehen sie in Funktionsjacke, mit Messer, Beutel und Pilz-App in den Wald, als wäre der Wald das „Dschungelcamp für Menschen mit Niveau“.

Klar, alle sind plötzlich Experten. Da steht dann einer mitten in der Gegend, Gummistiefel aus dem Baumarkt, und sagt: „Ich sammle nur für den Eigenbedarf.“ Ja, Bruder, aber dein Eigenbedarf ist kein Container. Du darfst nur so viele sammeln, wie du selbst verarbeiten und essen kannst.

Leider wissen die meisten nicht mal, was ein Myzel ist. Das ist dieses unsichtbare Pilzgeflecht im Boden, aus dem die Pilze wachsen. Wenn du da also wie ein Waldelefant alles rausreißt, ist das für den Pilz, als würdest du im Endboss-Kampf deine Playstation samt Steckdosen aus der Wand reißen. Zack – dann is dunkel.

Und trotzdem graben sich jedes Jahr irgendwelche Naturromantiker durch den Waldboden, rupfen jeden Pilz raus, knipsen Selfies und erzählen dann im Internet was von „achtsamem Umgang mit der Natur“. Achtsam? Du hast gerade eine ganze Generation Pfifferlinge verwaist zurückgelassen.

Und bitte: Betretet keine Privatgrundstücke, keine Naturschutzgebiete und keine Flächen, auf denen ein Verbotsschild steht oder ein Zaun drumherum ist. Muss man das wirklich jedes Mal aufs Neue sagen? Ernsthaft?

Und dann diese Pilzsammler 2.0. Früher hat man den Opa gefragt, heute fragt man ein Handy, das schon bei WLAN-Problemen überfordert ist. Da steht dann einer mit leuchtendem Bildschirm im Regen und sagt: „Die App sagt, der ist essbar.“ Ja, und meine Waage sagt, ich bin athletisch. Spoiler: Beide lügen. Wenn du nicht zu hundert Prozent weißt, was du da in der Hand hast, stehen lassen. Sonst bist du am nächsten Tag Teil einer Statistik, die keiner lesen will.

Und jetzt kommen wir zum Punkt „Schonungen“. Da wird’s nämlich richtig wild. Und falls du auch nicht weißt, was das ist: Das ist ein Bereich im Wald, in dem sich junge Bäume ungestört entwickeln können. Und jetzt für alle, die nicht die hellste Kerze auf der Torte sind: Da hast du nix drin zu suchen. Leute, der Wald ist kein Erlebnispark. Nur weil du Eintritt frei hast, heißt das nicht, dass du auch alles plattlatschen darfst.

Und bitte: Alte, angefressene, matschige Dinger lässt man stehen. Junge Pilze lässt man wachsen. Und wenn du einen rausgedreht hast, dann schließ das Loch im Boden wieder, aus dem du ihn gezogen hast.

Also: Wenn du das nächste Mal mit deinem Körbchen losziehst, frag dich bitte, ob du wirklich Pilze sammeln willst und vor allem, ob du’s überhaupt kannst.

Aber wahrscheinlich nicht.

Autor:

Redaktion Land und Region
Christian Kluge

Fotos: Kluge Kommunikation

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