29.10.2025 – land und region
So, jeder von uns kennt diesen einen Typen, der auf deine Party kommt, deinen guten deutschen Wein wegzieht, aber als Dank den billigsten Fusel aus Übersee dalässt. Genau deswegen reden wir heute noch einmal über unseren deutschen Wein. Und nur damit keiner rumnölt und sagt: „Bruno, davon hast du doch keine Ahnung“, habe ich mir Infos von Christin Marie geholt. Die nennt sich bei Instagram „Die Weinfee“. Und nein, nicht weil sie ein Regenbogeneinhorn zu Hause hat, sondern weil sie Ahnung hat. Also: Folgt ihr mal, dann lernt ihr was über unseren großartigen deutschen Wein.
Deutscher Wein ist echt, er ist von hier, und er kostet, was ehrliche Arbeit kostet. Ein deutscher Winzer kann nicht unter vier bis fünf Euro pro Liter produzieren, in Steillagen oder Bio sogar deutlich mehr. Weil Pflege, Handarbeit, Pflanzenschutz, Nachhaltigkeit, Ernte, Verarbeitung, Lagerung, Flasche, Kork, Etikett, Karton, Versand, Steuern und Prüfnummern sich nicht einfach in Luft auflösen, nur weil mancher glaubt, Wein sei ein billiges Lifestyle-Accessoire.
Und während Winzer mit der Schere zwischen Rebstock und Realität kämpfen, greifen viele im Supermarkt reflexartig zum Billigwein. 2,99 €, 3,49 € – deutsches Etikett vorne drauf. Klingt lokal. Sieht nach Heimat aus. Ist aber oft importierte Tankware aus Chile, Australien oder China. Hier nur abgefüllt. Dann steht da „Abfüller in Deutschland“ und alle nicken zufrieden: „Oh, schön regional.“
Damit ein Wein für 2,99 Euro im Regal steht, darf der eigentliche Inhalt kaum mehr als fünfzig Cent wert sein. Flasche? Kostet. Kork? Kostet. Schraubverschluss? Kostet. Karton? Kostet. Etikett? Kostet. Transport? Kostet. Was bleibt für den Winzer? Richtig: fast nichts.
Aber die sollen bitte weiterhin kultige Weinberge pflegen, Landschaften erhalten, Tradition leben und dabei lächeln. Deutsche Winzer sitzen auf vollen Tanks, während im Laden austauschbarer Billigstoff verkauft wird, der gefühlt zweimal um den Globus gegondelt ist, bevor er für „regional“ gehalten wird.
Hinter jeder Flasche deutschen Wein steckt Boden, Wetter, Handarbeit, Kultur, Heimat, Geschichte. Alles Dinge, die man nicht in Container pumpen kann.
Aber wenn wir weiterhin so tun, als sei Wein ein Schnäppchenprodukt, dann verschwindet er aus unserer Landschaft. Dann fehlen Arbeitsplätze, Höfe, Familienbetriebe. Dann ist Wein keine deutsche Realität mehr, sondern nur noch ein Postkartenmotiv. So ein „Weißt du noch, früher…“-Bild, das keiner mehr echt erlebt.
Also: Wenn du das nächste Mal zur Weinflasche greifst, frag dich bitte: Will ich deutsche Winzerkunst, echte Landschaft, echte Arbeit oder nur irgendeinen Fusel.
Aber wahrscheinlich nicht.
Autor:
Redaktion Land und Region
Christian Kluge
Fotos: Kluge Kommunikation