08.04.2026 – land und region
So, heute reden wir über den Hamburger Wolf. Genauer gesagt: über einen Wolf, der durch die Gegend gezogen ist und eine Frau gebissen hat. Und dann? Er wurde eingefangen. Besendert. Und an Ostersonntag wieder freigelassen. Mit den Worten: „Auswilderung auf Bewährung.“ Ich musste den Satz zweimal lesen. Bewährung. Für einen Wolf.
Aber eigentlich reden wir hier gar nicht über den Wolf, sondern über politische Entscheidungen. Denn es gab noch diesen Satz: „Mit der Auswilderung haben wir für diesen Wolf nun eine rechtssichere Lösung gefunden, die die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger und das Tierwohl berücksichtigt.“ Jetzt mal ganz ruhig gefragt: Sicherheit für wen eigentlich? Und Tierwohl für was genau?
Ich kenne mich ein bisschen rund um Hamburg aus. Aber dass da jetzt plötzlich 100 Quadratkilometer Taiga sind, also menschenleere Wildnis, wäre mir neu. Da leben doch noch Menschen. Da stehen Weidetiere. Da gibt es Reiter. Spaziergänger. Und Kinder, die im Wald und auf den Wiesen spielen.
Aber wir können ja alle beruhigt sein: Der Wolf wird jetzt rund um die Uhr überwacht. Wenn er sich Siedlungen nähert, können Jäger eingreifen. Können. Das ist wie ein Rauchmelder, der sagt: „Wenn es brennt, schauen wir mal.“ Und wenn doch was passiert, sind am Ende die Jäger schuld. Da macht man es sich mal wieder verdammt einfach.
Und jetzt kommt der Punkt: Die Entscheidung wurde am grünen Tisch in der Stadt getroffen. Die Konsequenzen trägt das Land. Nämlich die, die draußen unterwegs sind. Die, die da leben. Die, die mit Weidetieren arbeiten. Die, die jeden Tag Verantwortung tragen. Und ich will gar nicht wissen, was das alles kostet. Aber ich frage mich schon: Wer fühlt sich dadurch jetzt eigentlich sicherer? Und welches Tierwohl ist bei den Weidetieren genau gemeint?
Und bevor jetzt wieder einige Schnappatmung bekommen und mich als Wolfshasser abstempeln: Nein, das Tier kann nichts dafür. Nein, der Wolf ist nicht schuld. Der Wolf macht, was ein Wolf macht.
Aber genau deswegen muss doch mal jemand hinschauen, wo die Betroffenheiten wirklich liegen. Jenseits der eigenen Tischkante. Hier zu sagen: Wir beobachten das mal. Auf Bewährung. Ich weiß nicht, wie es euch geht. Aber für mich fühlt sich das weniger nach Sicherheit an und mehr nach einem Wahlplakatslogan.
Vielleicht sollten wir langsam anfangen, die Dinge wieder klarer zu benennen. Ursache und Wirkung zusammenzudenken. Und dann Entscheidungen zu treffen, die sich nicht nur gut anhören, sondern sich auch draußen richtig anfühlen.
Aber wahrscheinlich nicht.
Autor:
Redaktion Land und Region
Christian Kluge
Fotos: Kluge Kommunikation