19.11.2025 – land und region

So, heute reden wir über Milch. Und zwar nicht über die, die verschüttet wird, sondern über die, die verramscht wird. A und L, so nennen wir hier mal ganz spontan die Schnäppchenbrüder dieser Geschichte, liefern sich gerade ein Preissenkungsgefecht auf der weißen Linie. Also bei Milch, Butter, Joghurt, Käse. Und die Frage ist: Wie tief kann man eigentlich sinken, bevor man merkt, dass der Boden Landwirtschaft heißt?

Milch kostet in Deutschland bald weniger als der Stoffbeutel an der Kasse – der, den du kaufst, um deine Schnäppchen heimzutragen und mit dem du dann kostenlos als mobile Werbefläche herumläufst.

Wie soll regionale Landwirtschaft funktionieren, wenn zwei Konzerne „Reise nach Jerusalem“ ohne Stuhl spielen? Da wird mit Milchpreisen jongliert, als wäre das ein Zahlenspiel, nicht die Existenz von Familienbetrieben.

Und während A und L sich gegenseitig unterbieten, tun sie so, als würden sie den Menschen was Gutes tun. „Preis runter, Entlastung für die Verbraucher!“ Ja, schön. Nur blöd, dass der Preis am Regal nicht vom Himmel fällt, sondern irgendwo bezahlt werden muss. Und wer zahlt ihn? Genau die, die ihn erarbeiten.

Wir gönnen jedem günstigere Lebensmittel – ehrlich. Die Kosten sind gestiegen, für alle. Aber nicht auf Kosten derer, die das Produkt überhaupt erst möglich machen.

Vielleicht sollten A und L mal bei ihren Weihnachtsangeboten anfangen: beim Kaffee, beim Lebkuchen, bei allem, was bald eh keiner mehr bezahlen kann. Damit man nach dem Adventskaffee mit Oma und Tante nicht das Gefühl hat, man müsste Peter Zwegat anrufen. Gott hab ihn selig.

Und jetzt stellen wir uns mal vor, A und L würden statt Preisschlacht einfach Haltung zeigen. Sie könnten sagen: „Wir garantieren unseren Landwirten einen Mindestpreis von 50 Cent pro Liter Milch. Und unsere Rabattspielchen zahlen wir aus unserem Gewinn.“ Aber gut, ich drifte ab, ins Traumland, wo Regenbogeneinhörner Glitzer pupsen.

Aber fair, transparent und ehrlich ist ja schon lange kein Programm mehr. Also lieber weitermachen, bis keiner mehr übrig ist, der überhaupt noch Milch liefert.

Milch ist kein Rabattartikel. Milch ist tägliche Handarbeit, Verantwortung, Tierpflege, Wetter, Risiko. Und ja, auch Stolz. Wer glaubt, man könne das endlos drücken, hat noch nie gesehen, wie viel Arbeit in einem einzigen Liter steckt.

Also, liebe A-und-L-Strategen: Führt euren Preiskampf doch einfach aus eurem Gewinn. Oder steht mal selbst um fünf Uhr morgens im Stall. Danach schmeckt euch der Preis vielleicht anders.

Aber wahrscheinlich nicht.

Autor:

Redaktion Land und Region
Christian Kluge

Fotos: Kluge Kommunikation

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