21.12.2025 – land und region
So, heute reden wir über Brüssel. Nicht über Bürokratie, sondern über die Bauerndemo. Über Traktoren, Stimmen, Wut und erstaunliche Einigkeit. Denn da standen sie. Franzosen. Belgier. Deutsche. Niederländer. Griechen. Quer durch Europa. Unterschiedliche Sprachen, gleiche Botschaft: Mercosur – so nicht. Wenn sich ein Berufsstand in ganz Europa einig ist, dann ist das kein Populismus. Dann ist das ein verdammt lauter Hilferuf.
Worum geht’s? Um Fleisch, Zucker und Agrarprodukte aus Südamerika, die in die EU sollen – billig, massenhaft und produziert mit Standards, die bei uns seit Jahrzehnten verboten sind. Antibiotika, die wir nicht dürfen und wollen. Hormone, die wir nicht einsetzen und wollen. Pflanzenschutzmittel, die hier lange Geschichte sind. Und dann stellt man europäische Bauern daneben und sagt: Seid wettbewerbsfähig.
Und Europäische Bauern kämpfen zusätzlich mit Umweltauflagen, mit Bürokratie, mit Mindestlohn, mit Dokumentationspflichten. Und auf der anderen Seite sagt die EU: Ach komm, importieren wir einfach billiger. Was interessiert mich mein dumme Geschwätz von gestern. Hauptsache, der Deal sieht auf dem Papier gut aus.
Das ist, als würde man zwei Boxer in den Ring schicken: Der eine mit Handschuhen, der andere mit Handschellen. Und danach erklärt man dem mit den Handschellen und den zugeschwollenen Augen, er müsse sich halt mehr anstrengen. Willkommen in der europäischen Agrarpolitik.
Und dann fragt man sich ernsthaft, warum Bauern auf die Straße gehen? Nochmal, damit es auch die letzten in der Kommentarspalte verstehen: Keine Gewalt. Punkt. Ich bin gegen Gewalt. Punkt. Aber wer friedlich demonstriert, weil ihm wirtschaftlich der Boden weggezogen wird, der ist kein Extremist. Der will gehört werden.
Reden setzt aber voraus, dass jemand zuhört. Und wenn Bauern aus ganz Europa nach Brüssel fahren und sagen: So geht das nicht, dann wäre der Mindeststandard, dass man wenigstens innehält. Aber was passiert? Man nickt. Und macht einfach genauso weiter.
Und jetzt die entscheidende Frage: Wenn selbst Berlin und Brüssel nicht reagieren, wenn ganz Europa Nein sagt, wer soll dann noch glauben, dass Landwirtschaft in dieser EU eine Zukunft hat?
Wer von unseren großen Politikern ernsthaft glaubt, der Frust der Bauern gehe über Weihnachten schon weg und lasse sich einfach aussitzen, der kennt weder Landwirtschaft noch Realität und dem sage ich ganz offen:
Aber wahrscheinlich nicht.
Autor:
Redaktion Land und Region
Christian Kluge
Fotos: Kluge Kommunikation