18.02.2026 – land und region

So, heute reden wir über das Dorfsterben. Und nein, nicht wegen Wölfen, Windrädern oder Hafermilch. Sondern wegen etwas viel Banalerem. Die Jugend geht. Und wir schaffen es seit Jahren, genau das nicht zu sehen. Stattdessen erzählen wir uns dieselbe beruhigende Geschichte: „Die wollen halt lieber Stadt. Clubs. Kaffee. Lifestyle.“ Ist praktisch. Dann liegt es wenigstens nicht an uns.

Und klingt schön einfach. Ist aber ungefähr nur so richtig wie: Die Kühe geben heute weniger Milch, weil ihre Yogalehrerin krank ist. Die meisten gehen nicht, weil sie das Dorf doof finden. Sie gehen, weil ihr Leben darin nicht vorkommt.

Versuch mal zwischen 16 und 19 hier zu bleiben.

Ausbildung? Drei Möglichkeiten. Und zwei davon sind praktisch dieselbe Richtung.
Eine davon Landwirt, was super ist, solange man auch Land hat.

Bus? Fährt. Morgens hin. Und abends vielleicht zurück. Dann muss sich dein Leben eben an den Fahrplan halten.

Internet? Reicht für die Wetter-App. Und Geduldstraining. Streaming schafft’s nicht und hinterm Kuhstall ist komplett Feierabend.

Wohnung? Entweder Kinderzimmer. Oder Einfamilienhaus.

Ärzte? Erreichst du mit dem Bus. Hatten wir Bus nicht gerade schon?

Und Angebote für junge Leute? Ja, wenn sie es selber organisieren

Und dann wundern wir uns ernsthaft, dass jemand studiert, arbeitet oder einfach dort lebt, wo das alles existiert? Das ist keine Landflucht. Das ist Funktionssuche. Ein Dorf stirbt nicht, wenn Häuser leer stehen. Ein Dorf stirbt, wenn keine 18-Jährige mehr einen Grund hat zu bleiben.

Ohne junge Menschen gibt es keine Vereine. Keine Feuerwehr. Keinen Nachwuchs im Betrieb. Keinen Hofübernehmer. Und irgendwann auch niemanden mehr, der den Alten „Moin“ oder „Grüß Gott“ sagt. Geschweige denn ihnen die Mülltonne rausstellt oder sie mit ins Dorfgemeinschaftshaus nimmt. Und dann passiert das Verrückte: Alle sagen, das Dorf hat seine Seele verloren.

Nein. Die Seele ist nicht gegangen. Die Perspektive ist gegangen und mit ihr die Menschen. Menschen ziehen nicht weg, weil sie das Dorf ablehnen. Sie ziehen weg, weil ihr Leben dort nicht vorgesehen ist. Ein Ort ohne Zukunft für 20-Jährige hat auch keine Zukunft für 70-Jährige.

Wir brauchen auf dem Land keine Diskussion darüber, ob das Wort „Heimatgefühl“ noch en vogue ist. Die Jugend braucht keinen Vortrag. Sie braucht einen Plan. Einen Masterplan. Und mit ihr das Dorf.

Ob der kommt?

Aber wahrscheinlich nicht.

Autor:

Redaktion Land und Region
Christian Kluge

Fotos: Kluge Kommunikation

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