15.02.2026 – land und region

So, heute reden wir über einen Beruf, von dem viele erst hören, wenn die Kuh komisch läuft: den Klauenpfleger. Klingt erstmal nach Fußpflege. Ist es auch. Nur im 500-Kilo-Format und vierfacher Ausführung.

Der Klauenpfleger ist im Grunde eine Mischung aus Handwerker, Orthopäde und Reifenservice. Wenn die Kuh schief steht, weiß er sofort: vorne links zu viel Druck, hinten rechts zu lang, in der Mitte der Schwerpunkt verschoben. Der schaut auf eine Klaue und liest darin wie andere in der Packungsbeilage ihrer Hornhautcreme.

Und dann geht’s los. Flex an. Das klingt weniger nach Wellness und mehr nach Formel-1-Boxenstopp für Kühe. Und zwischendrin dieses messerscharfe Klauenmesser, geführt wie vom Schönheitschirurgen, nur dass der Patient dabei wiederkäut. Das ist Pediküre der Extraklasse, nur mit Gehörschutz.

Ohne den Job läuft übrigens gar nichts. Im wahrsten Sinne. Eine Kuh mit Schmerzen läuft weniger, frisst weniger, liegt falsch, wird krank. Tierwohl beginnt nicht beim Streicheln, sondern unten. Genauer gesagt 1 Zentimeter über dem Boden.

Das ist nicht einfach „Hornhaut kürzen und feilen, fertig“. Der schaut sich jede Klaue an wie ein Statiker ein Fundament. Gewicht, Winkel, Belastung alles muss passen, sonst läuft das Tier schief. Er korrigiert Fehlstellungen, entlastet kranke Stellen mit kleinen Klötzchen, behandelt Entzündungen und sorgt dafür, dass Schmerzen gar nicht erst entstehen. Im Grunde stellt er die Kuh wieder gerade hin, bevor sie selbst merkt, dass sie schief steht.

Am Ende sorgt er schlicht dafür, dass die Kuh einfach laufen kann. Und eine Kuh, die gut läuft, frisst besser, liegt richtig und gibt auch mehr Milch. Tierwohl beginnt manchmal mit Millimeterarbeit.

Viele da draußen haben immer eine Meinung zu Tierhaltung und Tierwohl wissen aber gar nicht, wie viele Berufe daran hängen. Es gibt Menschen, die verbringen ihren Tag damit, 40 Paar Rinderschuhe passend einzustellen. Als Maßarbeit. Am lebenden Objekt.

Fußpflege beim Menschen ist schon anspruchsvoll — Respekt an alle Podologen an dieser Stelle. Wirklich. Aber Klauenpflege ist Next Level. Ich bin mir aber ziemlich sicher: Manche Fußpflegerin dachte bestimmt schon mal, sie hätte eine Klaue vor sich. Nur ohne Wiederkäuen, dafür aber mit schlechterer Laune.

Am Ende des Tages ist der Klauenpfleger im Stall ungefähr wie der Heiler in der RP-Gruppe: Solange alles läuft, beachtet ihn keiner. Fehlt er, endet das Abenteuer sehr schnell. Ob das alle zu schätzen wissen?

Aber wahrscheinlich nicht.

Autor:

Redaktion Land und Region
Christian Kluge

Fotos: Kluge Kommunikation

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