10.06.2026 – land und region

So, ich erklär euch heute mal, wie wir künftig Ratten bekämpfen sollen. Spoileralarm: Mit Monitoring. Dokumentation. Protokollen. Also im Wesentlichen: Gar nicht. Zumindest nicht, bevor die Ratten da sind. Seit Ende April gilt nämlich vereinfacht gesagt: Rattengift darfst du als Privatperson nicht mehr einsetzen. Und vorbeugend sowieso nicht.

Was ungefähr so sinnvoll ist, wie einen Feuerlöscher erst zu kaufen, wenn das Wohnzimmer bereits brennt. Oder Kondome erst zu kaufen, wenn die Kinder schon Abitur machen. Aber gut. Vielleicht verstehe ich moderne Problemlösung einfach nicht mehr.

Der neue Ansatz: Erst das Problem bekommen. Dann das Problem beobachten. Dann das Problem dokumentieren. Dann das Problem bewerten. Und wenn alles gut läuft, darfst du irgendwann auch etwas gegen das Problem tun. Die Ratte findet das Konzept übrigens hervorragend.

Denn auf einem landwirtschaftlichen Betrieb gibt es: Futter. Wärme. Ställe. Also im Prinzip alles, was Ratten in Immobilienanzeigen als „traumhafte Lage mit Entwicklungspotenzial“ bezeichnen würden.

Früher war die Idee: „Ich halte die Population klein. Heute lautet die Idee: „Warte erstmal ab.“ Und Die Ratte? Hat in der Zeit bereits einen Familienbetrieb gegründet. Mit eigener Nachtschicht. Drei Generationen Nachwuchs. Betriebsrat. Azubis. Und einem Expansionsplan bis 2035.

Und ja. Rodentizide sind Gift. Darüber müssen wir nicht diskutieren. Und nein. Niemand möchte Schäden bei Greifvögeln. Füchsen. Oder der Umwelt. Alles berechtigte Themen. Wirklich. Nur gibt es einen kleinen Haken: Die Ratte interessiert das exakt null.

Während wir noch diskutieren, ob Formular 7b richtig ausgefüllt wurde, hat die Ratte bereits den Dachboden übernommen, die Cousins eingeladen und den Bebauungsplan für die nächste Generation genehmigt. Die Ratte hält sich nämlich an genau eine Vorschrift: Mehr Ratten.

Und ihr könnt mich dafür gerne haten. Aber bei Ratten führe ich keine Tierwohldiskussion. Nicht, wenn sie Lebensmittel verunreinigen. Nicht, wenn sie Krankheiten übertragen. Und nicht, wenn sie sich vermehren, als hätten sie einen staatlichen Förderbescheid bekommen.

Aber um mal etwas Positives zum Schluss zu sagen: Wenigstens ein Konjunkturprogramm scheint aktuell noch hervorragend zu funktionieren. Das für die Ratten.

Die Frage ist nur: Hilft das am Ende auch uns?

Aber wahrscheinlich nicht.

Autor:

Redaktion Land und Region
Christian Kluge

Fotos: Kluge Kommunikation

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