25.01.2026 – land und region

So, heute reden wir mal weiter über Landwirtschaft. Nicht über die echte sondern über die, die in der Werbung lebt. Diese Landwirtschaft, die immer im Sonnenuntergang stattfindet. Mit Strohballen an der Fleischtheke, damit wir alle glauben: Das Schwein ist quasi freiwillig, perfekt zerlegt, direkt aus dem Stall in die Auslage gehüpft.

Warum liegt da eigentlich immer Stroh? Stroh liegt im Stall. Nicht im Supermarkt. Wenn man schon Stroh zeigen will, warum dann nicht da, wo es Sinn ergibt? Im Aktivstall. Bei den Tieren. Und nicht zwischen Hackfleisch und Bratwurst, als würde das irgendetwas erklären.

Oder nehmen wir Opa. Opa auf dem Trecker, Baujahr irgendwann zwischen Wirtschaftswunder und Schwarz-Weiß-Fernsehen. Opa liefert Kürbisse direkt in die Gemüseauslage. Das ist süß. Das gibt es auch. Aber eher als Beschäftigungstherapie für Opa, der den Nachbar-Hofladen beliefert. Das ist keine Lieferkette. Das ist ein Sonntagsausflug.

Wie sehen die Lieferketten den wirklich aus? Und warum sehen wir eigentlich nie die echten Helden im Lieferzirkus? Nämlich die Kollegen auf dem LKW. Die nachts fahren. Bei Schnee. Bei Hitze. Bei Stau. Ja oft mit Sonnenuntergang, aber nie ohne Verantwortung. Ohne die gibt’s nämlich keine Auslage. Egal wie romantisch der Trecker ist.

Und immer wieder der Klassiker auf den Verpackungen: Fachwerkhäuser. Holz, Balken, warmes Gegenlicht. Heimatgefühl pur. In der Realität kommt das Produkt aber aus einem internationalen Lebensmittelkonzern, produziert zwischen Zentralabfüllung und Logistikzentrum.

Landwirtschaft ist romantisch. Sie ist schön. Nicht mit einem Trecker aus den Fünfzigern, sondern mit einem modernen Schlepper mit Feldspritze im Sonnenuntergang. Das ist nämlich Realität. Das gibt es. Das ist echt. Und diese Landwirtschaft ist nicht weniger schön, nur weniger nostalgisch.

Wir dürfen uns nicht wundert, warum Menschen irritiert sind, wenn sie echte Landwirtschaft sehen. Mit Technik. Mit Ställen. Mit Logistik. Mit Verantwortung. Vielleicht ist das gar kein Kommunikationsproblem der Bauern. Vielleicht ist es ein Kommunikationsproblem der Werbung.

Denn wenn immer ein Bild gezeigt wird, das es so nicht gibt, dann ist das Chaos perfekt, sobald Realität ins Spiel kommt. Landwirtschaft ist nicht weniger schön als in der Werbung. Sie ist nur ehrlicher. Komplexer. Und wichtiger. Vielleicht sollte sie einfach mal so gezeigt werden, wie sie wirklich ist.

Aber wahrscheinlich nicht.

Autor:

Redaktion Land und Region
Christian Kluge

Fotos: Kluge Kommunikation

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