08.02.2026 – land und region
So, heute reden wir über Glyphosat. Und zwar über das Mittel, das, wenn es nur flüsternd ausgesprochen wird, dazu führt, dass der Zeigefinger reflexartig Richtung Landwirtschaft zeigt. Das ist wie ein Gerichtsurteil ohne Verhandlung, ohne Beweise und mit schon unterschriebenem Schuldspruch. Und Fakten? Die kommen dann irgendwann später. Wenn überhaupt.
Jetzt gibt es neue Untersuchungen zu Glyphosat in Gewässern. Und die zeigen etwas, das so gar nicht ins gewohnte Narrativ passt. Dieser Rückstände entsteht offenbar nicht auf dem Acker sondern im Abwassersystem. Vereinfacht gesagt: Bestimmte Waschmittelzusätze können sich in Kanalisation und Kläranlage chemisch verändern. Und dabei entsteht Glyphosat.
Woher man das weiß? Weil die Nachweise gleichmäßig übers Jahr auftauchen.
Nicht nur dann, wenn überhaupt gespritzt wird. Und sie finden sich sogar in Gewässern, weit weg von landwirtschaftlichen Flächen. Wenn die Quelle hauptsächlich vom Acker käme, würden die Werte vor allem im Frühjahr und Herbst steigen also dann, wenn das Mittel überhaupt eingesetzt wird. Tun sie aber nicht. Und genau das macht die Sache spannend.
Jahrelang war die Gleichung simpel: Glyphosat im Wasser gleich Landwirtschaft schuld. Das passte ins Bild. Ein Täter. Eine Story. Fertig. Das war die bequemste Form der Wahrheit, schnell verurteilt, sauber einsortiert und bloß nicht weiter gefragt. Jetzt zeigt sich: Unser eigener Alltag ist selbst Teil der Quelle. Also wir alle. Täter!
Warum ist das jetzt so wichtig? Weil Glyphosat seit Jahren ein Symbolthema ist. Umstritten. Emotional. Politisch aufgeladen. Studien sagen dies. Behörden bewerten das anders. Und mitten drin: eine Debatte, die selten leise geführt wird. Und irgendwann wurde Glyphosat zum Totschlagargument jeder Diskussion.
Heißt das jetzt, Landwirtschaft hat keinen Einfluss? Natürlich nicht. Glyphosat ist ein Werkzeug im Ackerbau. Streng geregelt. An klare Auflagen gebunden. Und Landwirte setzen das nicht aus Spaß ein sondern fachlich begründet: Bodenschonung. Erosionsschutz. Weniger Überfahrten. Das ist Praxis. Realistisch. Fachlich. Ehrlich. Denn Landwirtschaft ist kein Wunschdenken. Sie ist Realität.
Und vielleicht ist genau das die eigentliche Pointe: Wir reden gern über Landwirtschaft, wenn es um Umwelt geht. Seltener über unseren eigenen Konsum. Dabei hängen beide Seiten im selben System. Wer ernsthaft Lösungen will, muss bereit sein, genauer hinzuschauen, auch dann, wenn die Zusammenhänge unbequem sind.
Ob das allen gefällt, die die Glyphosat-Geschichte so gern erzählt haben?
Aber wahrscheinlich nicht.
Autor:
Redaktion Land und Region
Christian Kluge
Fotos: Kluge Kommunikation