11.01.2026 – land und region
So, heute reden wir über „hinzunehmenden Kollateralschaden“. Ein Begriff, der klingt wie aus einem Militärhandbuch, aber gerade benutzt wird, um etwas ganz anderes zu beschreiben: Landwirtschaft. Ja, es geht wieder um das Mercosur-Abkommen. In Brüssel beschlossen, in Politik und Presse gefeiert.
Erst mal grundsätzlich. Mercosur wird überall bejubelt. Wirtschaft, Wachstum, neue Märkte, große Chancen. Alles richtig. Aber seit wann ist Landwirtschaft eigentlich keine Wirtschaft mehr? Seit wann kann man einen ganzen Sektor einfach aus der Gleichung streichen, ohne Diskussion, ohne Abwägung, ohne Schutz? Oder ist Landwirtschaft für Berlin und Brüssel inzwischen nur noch Kulisse? So eine Art Greenkeeper-Service für Bienchen, Blümchen und Wahlprogramme.
Dann lese ich bei der CDU auf Instagram, unter den Vorteilen vom Mercosur, den Punkt: Zitat „Mehr Auswahl für Verbraucher durch günstigere Produkte aus Südamerika.“ Aha. Vielleicht hätte man dazuschreiben sollen: Bei Lebensmitteln günstiger, weil andere Standards. Weil dort Antibiotika, Hormone und Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, die hier verboten sind.
Der Satz klingt so, als wären europäische Landwirte einfach zu doof, effizient und günstig zu produzieren. Oder ist es nicht vielmehr so, dass genau diese Politik dafür gesorgt hat, dass hier niemand mehr günstig und vielfältig produzieren darf?
Und dann kam der Satz, der alles toppt. Eine Wirtschaftsjournalistin schrieb, Zitat:
Dass Landwirte unter dem Mercosur-Abkommen leiden könnten, … ,sei ein hinzunehmender Kollateralschaden. Kollateralschaden. Also nicht etwa ein Problem. Ein Risiko. Ein politischer Fehler.
Der mögliche Verlust unserer Ernährungssicherheit? Kollateralschaden. Der Rückzug tausender bäuerlicher Betriebe? Kollateralschaden. Die Abhängigkeit von Importen mit niedrigeren Standards? Kollateralschaden. Das ist nicht naiv. Das ist ignorant. Und gefährlich.
Denn wenn wir morgen deutlich weniger Landwirte haben, wer produziert dann unsere sicheren Lebensmittel? Wer steht dann bei Hochwasser mit Traktoren im Einsatz? Wer pflegt Landschaft, engagiert sich ehrenamtlich, macht Biodiversität freiwillig, schützt Veranstaltungen, wenn der Staat es nicht mehr kann?
Wenn das alles wegfällt, wenn man die Landwirtschaft auf dem Altar des Freihandels geopfert hat, nennt man die gravierenden Konsequenzen daraus dann auch hinzunehmenden Kollateralschaden?
Aber wahrscheinlich nicht.
Autor:
Redaktion Land und Region
Christian Kluge
Fotos: Kluge Kommunikation