01.03.2026 – land und region

So, wir müssen noch einmal über Pferdemädchen reden. Weil ich nach dem ersten Teil gemerkt habe, ich hab euch da nicht alles erzählt. Du dachtest nämlich bestimmt auch: Pferdemädchen sind so ein Sommer-Ding. Staub fliegt. Sonnenuntergang orange. Alles sieht nach Freiheit aus.

Dann kam Winter.

Und Winter ist der Moment, wo man merkt: Das ist keine Freizeitaktivität. Das ist eine Parallelgesellschaft. Normale Menschen haben Jahreszeiten. Winterjacke, Sommerjacke, Übergangsjacke und die Jacke, die im November plötzlich weg ist.

Pferdemädchen haben Zustände. Funktionsunterhose. Darüber Reithose. Darüber Matschhose. Darüber Jacke. Die sind die einzigen Menschen, die sich für ihr Hobby anziehen wie ein Mehrfamilienhaus mit Dämmung.

Sie haben im Winter kein Wetter sondern nur Kategorien: Schnee von oben, Schnee von vorne, Schnee von der Seite und die Temperaturstufen sind „kalt“, „eiskalt“ und „warum zur Hölle…“.  Und während der pokalte Ostwind draußen Lebensentscheidungen trifft, stehen sie auf und sagen: „Ich fahr nur kurz zum Stall.“

Du sagst: „Heute echt ungemütlich.“ Sie sagt: „Der Boden trägt.“ Du prüfst morgens die Temperatur. Sie prüft, ob der Wassereimer schon Werkzeug braucht. Du lässt bei Schneeregen das Fitnessstudio ausfallen. Sie schlägt gefrorene Pferdeäpfel auf wie andere ihre Crème brûlée.

Du gehst nur kurz raus und glaubst danach, dass the day after tomorrow gar kein film ist sondern einen reportage. Sie steht 2 Stunden im angefrorenen Schlamm und diskutiert mit 600 Kilo Fluchttier über Beziehungsprobleme.

Im Winter merkst du: Das ist kein Hobby sondern eher eine Ehe ohne Kündigungsfrist. Da wird nur gefragt, ob das Tier sich heute eher wie ein dressierter Tänzer oder wie ein enttäuschter Türsteher verhält.

Und wenn du wissen willst: „Warum tust du dir das an?“ kommt keine Antwort. Sie streicht dem Tier nur über den Hals, steht noch fünf Minuten einfach da und fährt dann nach Hause.

Ich glaub, das ist der Moment, wo man merkt: Die sind nicht im Stall, weil sie Zeit haben. Die haben Zeit, weil sie im Stall sind.

Aber ich glaub, sie müssen es auch nicht erklären. Verstehen tu ich’s trotzdem nicht ganz. Und ob es sie stört, wenn du sie aus dem warmen Auto belächelst?

Aber wahrscheinlich nicht.

Autor:

Redaktion Land und Region
Christian Kluge

Fotos: Kluge Kommunikation

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