25.02.2026 – land und region

So, heute reden wir mal darüber, warum plötzlich Solarmodule auf Ackerflächen so im Trend sind. Und bevor jetzt jemand denkt: „Der Bauer hat was gegen Strom“ – nein. Strom finden wir super. Ohne Strom gäb’s weder Melkroboter noch Kühlung noch den Morgenkaffee. Es geht nicht um Solar. Es geht darum, wo.

Im Moment läuft die Diskussion nämlich ungefähr so: Wir brauchen Energie, also nehmen wir Fläche. Und die Fläche, die frei aussieht, ist grün. Also Landwirtschaft. Problem gelöst. Klingt logisch, ist aber ungefähr so, als würde man sagen: Wir brauchen Wohnraum, also bauen wir einfach in deinem Wohnzimmer. Platz ist ja da.

Ackerland ist keine Deko. Das ist Produktionsfläche. Da wachsen Lebensmittel, Futtermittel, Einkommen, Existenzen und am Ende auch Hofnachfolger. Wenn diese Fläche einmal aus der Nutzung raus ist, kommt sie nicht zurück. Ein Betrieb kann ja schlecht sagen: Nächstes Jahr schrauben wir die Energieversorgung wieder runter, dann bauen wir Weizen an.

Besonders absurd wird’s, wenn ausgerechnet gute Böden im Fokus stehen, während andere Flächen von vornherein raus sind. Naturschutzflächen, Moore tabu, urbaner Raum kompliziert, Acker – einfach. Für die Planung bequem. Für die Landwirtschaft ein schleichender Rückbau. Stück für Stück weniger Fläche, Stück für Stück weniger Perspektive.

Dabei geht’s nicht darum, Fortschritt zu verhindern. Landwirtschaft hat sich schon immer verändert. Wir bauen Blühflächen an, machen Gewässerschutz, reduzieren Emissionen, beteiligen uns an Natur- und Klimaschutzprojekten. Aber Klimaschutz funktioniert nicht, wenn man Lebensmittelproduktion einfach verschiebt, bis sie irgendwann woanders passiert. Meist dort, wo keiner mehr hinschaut.

Und ja, Energie und Landwirtschaft lassen sich verbinden, ohne dass Fläche verloren geht. Auf Stalldächern, Hallen oder auf Standorten, die landwirtschaftlich kaum noch wirtschaftlich nutzbar sind. Und es gehört die ehrliche Debatte dazu: über Windkraft, über Biogas, über regionale Wertschöpfung im ländlichen Raum. Wenn man alles ausklammert, was diskutiert werden müsste, bleibt am Ende nur noch der Acker übrig. Und das nennt man dann Lösung.

Die eigentliche Frage ist doch: Wird die Energiewende mit der Landwirtschaft gemacht oder gegen sie? Klingt banal, ist aber erstaunlich selten der erste Gedanke. Vertrauen wächst nicht per Beschlussvorlage. Und Flächen kann man nicht importieren. Wir müssen von Anfang an miteinander reden und vernünftig priorisieren.

Machen wir – aber wahrscheinlich nicht.

Autor:

Redaktion Land und Region
Christian Kluge

Fotos: Kluge Kommunikation

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