26.10.2025 – land und region

So, heute reden wir über ein Virus, das sich heimlich einschleicht wie ein ungebetener Partygast – kommt einfach rein, nimmt dir die Bude auseinander und haut wieder ab, bevor einer merkt, dass er wirklich da war. Die Geflügelpest.

Eingeschleppt über Wildvögel – Kraniche. Die ziehen majestätisch über unsere Felder hinweg, während in den Ställen längst das rote Krisenlicht flackert. Ja, Kraniche. Diese eleganten Gestalten, die gerade tot vom Himmel fallen und mit ihnen der nächste Seuchenzug.

Und jedes Mal erwischt es diejenigen, die morgens nicht erst den Wecker fragen, ob es ihnen heute gut geht. Die den Stall aufschließen, wenn die Stadt noch schläft. Die Federn, Staub und Verantwortung an den Klamotten tragen, während andere über Tierwohl philosophieren, ohne jemals ein Tier gesehen zu haben, das nicht im Kinderbuch vorkommt. Unsere Geflügelhalter. Unsere Bauern.

Geflügelpest bedeutet nicht „Oh je, vielleicht wird der Sonntagsbrunch teurer“. Geflügelpest bedeutet Angst im Stall. Stille. Und Entscheidungen, die keiner treffen will, aber treffen muss, weil es hier um eine Tierseuche geht und nicht um Instagram-Content.

Wir reden hier nicht über ein bisschen Kopfschmerzen und einen Tag im Homeoffice. Wir reden über ganze Bestände, die gekeult werden müssen. Über Höfe, die funktionieren wie Herzschrittmacher für unsere Lebensmittelversorgung. Und jedes Mal, wenn dieser Mist wieder aufpoppt, heißt es: „Ja, da müssen die Bauern jetzt durch.“ Ja klar. Danke für nix. Hauptsache, es gibt genug Kommentare im Internet über „Massentierhaltung ist selbst schuld“. Ganz großes Kino, wirklich.

Es steht plötzlich unsere Versorgung auf dem Prüfstand: Eier-Regale, Fleischtheken, die Martins-Gans im November, die Weihnachtsgans im Dezember – alles potentielle Schwachstellen, wenn die Seuche weiterzieht. Und genau hier wird’s für uns alle ernst: Es geht nicht um Bauernhilfen, sondern darum, dass unser Teller kein Luxus wird, sondern Alltag bleibt.

Für Menschen ist die Geflügelpest nicht gefährlich, wichtig zu wissen. Keine Panikattacke im Wohnzimmer. Der Virus bleibt unter Geflügel. Wenn du dein Hühnerfrikasse, deinen Gänsebraten oder dein Hähnchen-Gyros ordentlich durchkochst oder brätst, bleibt von dem unsichtbaren Killer nichts übrig. Also: Entwarnung, nur nicht fürs Geflügel. Das wird gekeult, auch wenn nur ein Nachbarbetrieb betroffen ist.

Also, wenn du morgen über „zu teure Eier“ klagst, dann begreif bitte: Hinter jedem Ei steckt Verantwortung, steckt harte Arbeit, die nicht bei Feierabend aufhört, steckt Liebe zu den Tieren und die Kraft, Entscheidungen zu tragen, wenn die Seuche zuschlägt. Das ist die Realität auf unseren Höfen.

Aber wahrscheinlich nicht.

Autor:

Redaktion Land und Region
Christian Kluge

Fotos: Kluge Kommunikation

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