08.01.2026 – land und region
Auf den ersten Blick wirken Felder im Winter oft leer. Keine sichtbaren Pflanzen, keine Maschinen, keine Menschen. Schnee, Matsch oder gefrorener Boden vermitteln schnell den Eindruck, hier sei gerade „nichts los“. Doch dieser Eindruck täuscht. Landwirtschaftliche Flächen sind keine ungenutzten Freiräume, sondern ganzjährig Teil eines bewirtschafteten Systems. Auch außerhalb der Vegetationsperiode erfüllen sie eine klare Funktion und werden gezielt vorbereitet, geschützt und erhalten.
Beim Driften werden Fahrzeuge bewusst in Schleuderbewegungen versetzt. Auf nassen oder gefrorenen Böden greifen Reifen dabei besonders aggressiv in den Untergrund ein. Die oberste Bodenschicht wird aufgerissen, Bodenpartikel werden verdrängt oder verdichtet. Anders als auf befestigten Flächen fehlt hier jede Form von Schutzschicht. Die Schäden entstehen nicht punktuell, sondern flächig und oft tiefreichend.
Der Boden ist mehr als Dreck unter den Reifen
Boden ist ein komplexes Gefüge aus Mineralien, organischer Substanz, Luft und Wasser. Seine Struktur entscheidet darüber, wie gut Wasser versickern kann, wie Wurzeln wachsen und wie Nährstoffe gespeichert werden. Wird diese Struktur durch wiederholtes Befahren zerstört, verliert der Boden langfristig an Leistungsfähigkeit. Verdichtungen verhindern das Eindringen von Wasser und Sauerstoff, was sich negativ auf Pflanzenentwicklung und Bodenleben auswirkt.
Viele Schäden zeigen sich nicht sofort. Winterkulturen, Zwischenfrüchte oder frisch vorbereitete Saatflächen werden beschädigt oder vollständig zerstört. Pflanzen werden abgeschert, Wurzeln herausgerissen oder so geschädigt, dass sie später nicht mehr austreiben. Häufig wird der Schaden erst im Frühjahr sichtbar, wenn Flächen ungleichmäßig auflaufen oder Erträge ausbleiben. Zu diesem Zeitpunkt ist eine Korrektur, wenn überhaupt, meist nur mit erheblichem Aufwand möglich.
Zusätzliche Arbeit, zusätzliche Kosten
Neben den ökologischen Folgen entstehen ganz konkrete betriebliche Belastungen. Flächen müssen nachgearbeitet, eingeebnet oder neu eingesät werden. Maschinen und Arbeitszeit werden gebunden, ohne dass ein Mehrwert entsteht. In vielen Fällen bleiben Landwirte auf den Kosten sitzen, weil Verursacher nicht ermittelt werden können. Was von außen wie ein kurzer Spaßmoment wirkt, führt auf der anderen Seite zu messbaren wirtschaftlichen Schäden.
Warum das Problem oft unterschätzt wird
Ein zentrales Missverständnis liegt in der Wahrnehmung von Landschaft. Landwirtschaftliche Flächen werden häufig als „öffentliches Draußen“ wahrgenommen, nicht als Arbeitsplatz. Die Tatsache, dass Felder nicht eingezäunt sind, verstärkt diesen Eindruck. Dass es sich um privates Eigentum handelt, das aktiv bewirtschaftet wird, tritt dabei in den Hintergrund. Sichtbare Schäden werden zudem oft als oberflächlich abgetan, obwohl ihre Auswirkungen tiefer reichen.
Ein verantwortungsvoller Umgang mit der Landschaft setzt voraus, Flächen nicht nach ihrem äußeren Erscheinungsbild zu bewerten, sondern nach ihrer Funktion. Landwirtschaftlicher Boden ist kein Abenteuerspielplatz und kein Übungsraum für Fahrzeuge. Respekt bedeutet hier vor allem Zurückhaltung. Wer Flächen meidet, auf denen er nichts zu suchen hat, verhindert Schäden, bevor sie entstehen.
Respekt vor Arbeit, nicht nur vor Regeln
Illegales Driften auf landwirtschaftlichen Flächen ist kein Kavaliersdelikt. Es beschädigt Boden, Pflanzen und die Grundlage landwirtschaftlicher Arbeit. Die Folgen sind real, auch wenn sie nicht sofort sichtbar sind. Ein bewussterer Blick auf die Funktion von Feldern und Wiesen kann helfen, solche Schäden zu vermeiden. Landwirtschaft beginnt nicht erst mit der Ernte, sondern beim Schutz dessen, was sie möglich macht.
Autor:
Redaktion Land und Region
Christian Kluge
Fotos: Kluge Kommunikation