29.01.2026 – land und region
Die Ausrufung des Jahres der Landwirtin durch die Vereinten Nationen setzt ein wichtiges Zeichen. Sie lenkt Aufmerksamkeit auf die Rolle von Frauen in der Landwirtschaft und würdigt ihren Beitrag zur Ernährungssicherung, zur Entwicklung ländlicher Räume und zur Stabilität landwirtschaftlicher Betriebe weltweit. Diese Anerkennung ist überfällig und inhaltlich berechtigt.
In der öffentlichen Wahrnehmung werden Frauen in der Landwirtschaft häufig noch immer als unterstützende Kraft oder als Ausnahme dargestellt. Tatsächlich sind sie längst ein fester und tragender Bestandteil des Sektors. Frauen arbeiten in allen Bereichen der Landwirtschaft, sie leiten Betriebe, treffen wirtschaftliche Entscheidungen, bilden aus, forschen, beraten und übernehmen Verantwortung in Verbänden, Verwaltung und Bildung. Ohne ihren Beitrag würde Landwirtschaft in ihrer heutigen Form nicht funktionieren.
Verantwortung im Betrieb
In vielen landwirtschaftlichen Betrieben tragen Frauen zentrale Verantwortung. Sie sind Mitunternehmerinnen, Betriebsleiterinnen oder gleichberechtigte Partnerinnen in komplexen Entscheidungsprozessen. Ihre Aufgaben reichen von Tierhaltung und Pflanzenbau über Organisation und Personalführung bis hin zu Buchhaltung, Vermarktung und strategischer Weiterentwicklung. Diese Verantwortung ist oft unsichtbar, weil sie nicht immer nach außen kommuniziert wird.
Frauen prägen zunehmend die strukturelle Entwicklung der Landwirtschaft. Sie bringen neue Perspektiven in Betriebsführung, Kommunikation und Innovation ein. Themen wie Direktvermarktung, Diversifizierung, Bildungsarbeit oder soziale Angebote werden häufig von Frauen angestoßen und getragen. Dabei geht es nicht um Zuschreibungen, sondern um nachweisbare Entwicklungen in vielen Betrieben.
Ausbildung, Wissenschaft und Beratung
Ein wachsender Anteil der Auszubildenden und Studierenden im Agrarbereich ist weiblich. Frauen sind in Forschung, Beratung und Ausbildung präsent und prägen fachliche Diskussionen. Sie wirken an der Weiterentwicklung landwirtschaftlicher Praxis ebenso mit wie an der Vermittlung zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft. Diese Entwicklung verändert langfristig die Kultur und die Entscheidungsprozesse im Sektor.
Trotz ihrer zentralen Rolle sind Frauen in der Landwirtschaft nach wie vor nicht in allen Bereichen gleich sichtbar. Führungspositionen in Verbänden, Gremien und Organisationen sind weiterhin überwiegend männlich geprägt. Die Anerkennung weiblicher Leistung erfolgt häufig indirekt oder bleibt im betrieblichen Kontext. Das Jahr der Landwirtin bietet die Chance, diese Diskrepanz sichtbar zu machen und strukturell zu hinterfragen.
Mehr als ein Symboljahr
Die Ausrufung eines Themenjahres allein verändert keine Strukturen. Entscheidend ist, ob daraus konkrete Verbesserungen entstehen. Dazu gehören verlässliche Rahmenbedingungen für Vereinbarkeit von Familie und Betrieb, gleiche Zugänge zu Bildung, Beratung und Netzwerken sowie die Anerkennung von Frauen als selbstverständliche Entscheidungsträgerinnen in der Landwirtschaft.
Eine zukunftsfähige Landwirtschaft braucht Vielfalt in Perspektiven und Kompetenzen. Frauen leisten hierzu einen unverzichtbaren Beitrag. Ihre Rolle geht weit über Ergänzung oder Unterstützung hinaus. Sie gestalten Betriebe, Regionen und landwirtschaftliche Entwicklungen aktiv mit. Das ist keine Frage von Gleichstellungspolitik, sondern von Realitätsbeschreibung.
Frauen sind kein Zusatz zur Landwirtschaft, sie sind Teil ihres Kerns. Das Jahr der Landwirtin macht sichtbar, was längst Realität ist. Entscheidend ist, diese Realität dauerhaft anzuerkennen und in Strukturen abzubilden. Landwirtschaft der Zukunft ist ohne Frauen nicht denkbar und nicht als Ausnahme, sondern als Selbstverständlichkeit.
Grüße gehen raus ins Land und die Region.
Autor:
Redaktion Land und Region
Christian Kluge
Fotos: Kluge Kommunikation