16.02.2026 – land und region
Viele Tätigkeiten in der Landwirtschaft sind für Außenstehende gut erkennbar: Melken, Füttern oder Ernten. Andere bleiben weitgehend im Hintergrund, obwohl sie entscheidend für die Tiergesundheit sind. Dazu gehört die professionelle Klauenpflege bei Rindern. Klauenpfleger arbeiten regelmäßig in Milchvieh- und Mutterkuhbetrieben und schafhaltenden Betrieben und sorgen dafür, dass Tiere schmerzfrei laufen können. Ihre Arbeit findet meist routinemäßig statt und fällt deshalb kaum auf, ihre Wirkung dagegen sehr wohl.
Warum Klauenpflege notwendig ist
Rinder tragen ihr gesamtes Körpergewicht auf zwei Klauen je Fuß. Diese wachsen kontinuierlich nach, ähnlich wie menschliche Fingernägel. In freier Bewegung auf abwechslungsreichem Untergrund würden sie sich gleichmäßig abnutzen. In der Nutztierhaltung geschieht das jedoch nicht immer ausreichend. Unebenheiten, Belastungen und Haltungsbedingungen können dazu führen, dass Klauen ungleich wachsen oder sich Fehlstellungen entwickeln.
Bleiben diese Veränderungen unbehandelt, entstehen Druckstellen, Entzündungen oder Lahmheiten. Diese sind nicht nur ein Gesundheitsproblem, sondern vor allem ein Schmerzproblem für das Tier. Ziel der Klauenpflege ist es daher, Fehlbelastungen zu korrigieren und Erkrankungen vorzubeugen.
Was ein Klauenpfleger konkret macht
Der Klauenpfleger kontrolliert jede einzelne Klaue systematisch. Zunächst wird das Tier sicher fixiert, damit ruhig und präzise gearbeitet werden kann. Anschließend werden überstehende Hornanteile gekürzt und die Klaue so geformt, dass das Gewicht gleichmäßig verteilt wird. Auffälligkeiten wie Druckstellen, Verletzungen oder Entzündungen werden erkannt und behandelt oder an den Tierarzt weitergegeben.
Die Arbeit erfordert Erfahrung, anatomisches Wissen und ruhiges Arbeiten. Jede Kuh ist unterschiedlich belastet, jede Klaue zeigt individuelle Abnutzung. Klauenpflege ist daher kein mechanischer Vorgang, sondern eine fachliche Beurteilung mit handwerklicher Umsetzung.
Tierwohl beginnt beim Gehen
Lahmheiten gehören zu den bedeutendsten Gesundheitsproblemen in der Rinderhaltung. Ein Tier, das Schmerzen beim Laufen hat, frisst schlechter, bewegt sich weniger und zeigt geringeres Wohlbefinden. Früherkennung und regelmäßige Pflege verhindern, dass kleine Veränderungen zu schweren Erkrankungen werden.
Aus diesem Grund erfolgt Klauenpflege nicht erst bei Problemen, sondern planmäßig in festen Abständen. Sie ist eine vorbeugende Maßnahme, vergleichbar mit Vorsorgeuntersuchungen in der Humanmedizin. Ziel ist nicht Behandlung, sondern Gesunderhaltung.
Bedeutung für den landwirtschaftlichen Betrieb
Gesunde Tiere sind nicht nur aus ethischen Gründen wichtig, sondern auch für die Funktionsfähigkeit eines Betriebes. Lahmheiten beeinflussen Futteraufnahme, Milchleistung und Fruchtbarkeit. Vorbeugende Pflege reduziert Behandlungen und Ausfallzeiten. Klauenpflege ist damit Teil eines umfassenden Gesundheitsmanagements im Stall.
Der Klauenpfleger arbeitet dabei eng mit Landwirten und Tierärzten zusammen. Beobachtungen aus der Klauenpflege geben Hinweise auf Haltungsbedingungen, Fütterung oder Laufwege und helfen, Ursachen dauerhaft zu verbessern.
Fachwissen zwischen Handwerk und Tiermedizin
Klauenpflege ist ein eigenständiges Fachgebiet. Es verbindet handwerkliche Arbeit mit veterinärmedizinischem Verständnis. Neben der praktischen Tätigkeit gehört auch die Beurteilung von Gangbild und Belastung dazu. Viele Klauenpfleger sind spezialisiert und regelmäßig auf denselben Betrieben tätig. Dadurch kennen sie Tiere und Entwicklung über längere Zeiträume und können Veränderungen früh erkennen.
Tierwohl wird häufig an Stallgröße oder Haltungsform festgemacht. Tatsächlich entscheidet sich Wohlbefinden oft an Details der täglichen Betreuung. Regelmäßige Klauenpflege gehört zu diesen Grundlagen. Sie verhindert Schmerzen, erhält Beweglichkeit und trägt dazu bei, dass Tiere ihr normales Verhalten zeigen können.
Klauenpflege ist eine unscheinbare, aber zentrale Aufgabe in der Rinderhaltung. Sie verbindet Tiergesundheit, Vorsorge und Fachwissen. Ein Rind kann nur dann gesund sein, wenn es sich schmerzfrei bewegen kann. Die Arbeit des Klauenpflegers sorgt genau dafür, regelmäßig, routinemäßig und meist unbeachtet, aber mit großer Wirkung für Tierwohl und Betrieb.
Grüße gehen raus ins Land und die Region.
Autor:
Redaktion Land und Region
Christian Kluge
Fotos: Kluge Kommunikation