26.02.2026 – land und region

Der Ausbau erneuerbarer Energien gehört zu den zentralen politischen und gesellschaftlichen Aufgaben der kommenden Jahrzehnte. Strom aus Sonne und Wind soll fossile Energieträger ersetzen, Emissionen reduzieren und langfristig Versorgungssicherheit schaffen. Neben Dächern, Gewerbeflächen und Infrastruktur rücken dabei zunehmend Freiflächen in den Fokus, darunter auch landwirtschaftliche Nutzflächen.

Gerade in dicht besiedelten Regionen stellt sich damit eine grundlegende Frage: Wo kann Energie erzeugt werden, ohne andere notwendige Funktionen dauerhaft zu verdrängen?

Landwirtschaftliche Fläche ist keine beliebig verfügbare Ressource

Landwirtschaftliche Nutzflächen erfüllen mehrere Aufgaben gleichzeitig. Sie sichern die Produktion von Lebensmitteln, bilden wirtschaftliche Grundlage landwirtschaftlicher Betriebe und prägen zugleich Kulturlandschaft sowie regionale Wertschöpfung. Anders als technische Infrastruktur lassen sie sich nicht einfach verlagern oder ersetzen.

Insbesondere in Stadtstaaten oder stark verdichteten Regionen ist Ackerfläche ohnehin knapp. Wird sie dauerhaft für Energieerzeugung genutzt, verändert sich ihre Funktion grundlegend aus Produktionsfläche wird Energiefläche. Diese Entscheidung wirkt langfristig, oft über Generationen hinweg.

Der Zielkonflikt: Strom oder Nahrung

Photovoltaikanlagen auf Freiflächen sind effizient, planbar und vergleichsweise schnell umsetzbar. Genau deshalb geraten ertragreiche Standorte in den Fokus. Gleichzeitig sind gerade diese Flächen für die landwirtschaftliche Produktion besonders wichtig.

Hier entsteht ein klassischer Zielkonflikt der Transformation: Klimaschutz durch Energieproduktion steht neben Ernährungssicherung und landwirtschaftlicher Entwicklung. Beide Ziele sind gesellschaftlich gewünscht, konkurrieren jedoch um dieselbe Fläche.

Reihenfolge der Nutzung: erst versiegelte Flächen?

In der öffentlichen Diskussion wird häufig gefordert, zunächst bereits versiegelte Bereiche zu nutzen – Dächer, Parkplätze, Gewerbe- oder Verkehrsflächen. Dort entsteht kein Nutzungskonflikt mit Nahrungsmittelproduktion.

Die praktische Umsetzung zeigt jedoch, dass diese Flächen technisch, wirtschaftlich oder rechtlich nicht immer sofort verfügbar sind. Freiflächenanlagen sind oft einfacher zu realisieren. Genau daraus entsteht die politische Spannung: Die effizienteste Lösung ist nicht zwangsläufig die konfliktärmste.

Beteiligung als entscheidender Faktor

Neben der Flächenfrage spielt das Verfahren eine zentrale Rolle. Landwirtschaftliche Betriebe planen in langen Zeiträumen. Investitionen, Pachtverhältnisse und Hofnachfolge orientieren sich an verlässlichen Rahmenbedingungen. Werden mögliche Nutzungsänderungen frühzeitig transparent diskutiert, lassen sich Lösungen entwickeln. Erfolgen Planungen dagegen ohne umfassende Einbindung, entsteht Unsicherheit, unabhängig vom eigentlichen Ergebnis.

Die Frage nach Beteiligung entscheidet daher häufig stärker über Akzeptanz als die Technik selbst.

Wertschöpfung im ländlichen Raum

Energieprojekte werden auch danach bewertet, wo wirtschaftliche Effekte entstehen. Während einige Formen erneuerbarer Energien Einnahmen direkt an Flächeneigentümer und Gemeinden koppeln, hängt dies bei großflächiger Photovoltaik stark von Projektstruktur und Eigentumsmodell ab.

Für landwirtschaftliche Betriebe geht es daher nicht nur um Fläche, sondern um Zukunftsperspektiven: Bleibt die Nutzung Teil landwirtschaftlicher Entwicklung oder ersetzt sie diese dauerhaft?

Neue Ansätze: Kombination statt Verdrängung

Neben klassischen Freiflächenanlagen werden zunehmend kombinierte Nutzungsformen diskutiert. Unter bestimmten Bedingungen kann etwa Agri-Photovoltaik Energieerzeugung und landwirtschaftliche Nutzung verbinden. Auch auf wiedervernässten Moorstandorten werden solche Modelle geprüft.

Diese Ansätze zeigen, dass die Frage nicht ausschließlich „entweder oder“ lautet, sondern zunehmend „wie gemeinsam“. Allerdings befinden sich viele dieser Lösungen noch in Entwicklung und erfordern angepasste rechtliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen.

Vertrauen als Grundlage regionaler Projekte

Große Veränderungen im ländlichen Raum funktionieren selten allein über technische Machbarkeit. Entscheidend ist, ob sich Betroffene als Teil der Planung verstehen. Landwirtschaft arbeitet traditionell eng mit Verwaltung, Naturschutz und Kommunen zusammen. Wird diese Zusammenarbeit fortgeführt, entstehen tragfähige Lösungen. Wird sie als einseitig empfunden, entstehen langfristige Konflikte, unabhängig vom einzelnen Projekt.

Photovoltaik auf landwirtschaftlichen Flächen ist kein rein technisches Thema, sondern eine Abwägung zwischen Klimaschutz, Ernährungssicherung, regionaler Entwicklung und Flächenverfügbarkeit. Der Konflikt entsteht nicht aus Gegensätzen zwischen Energie und Landwirtschaft, sondern aus der Konkurrenz um begrenzten Raum.

Eine nachhaltige Lösung verlangt daher mehr als Standortsuche. Sie braucht klare Prioritäten, transparente Verfahren und Nutzungsformen, die langfristige Perspektiven für alle Beteiligten ermöglichen. Die Energiewende gelingt nicht gegen einzelne Nutzungen, sondern nur in einem System, das ihre Funktionen gemeinsam denkt.

Grüße gehen raus ins Land und die Region.

Autor:

Redaktion Land und Region
Christian Kluge

Fotos: Kluge Kommunikation

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