17.05.2026 – land und region

So, heute fangen wir mal an, über die Tiere auf dem Bauernhof zu reden. Und wir beginnen natürlich mit den Pferden. Denn irgendwas muss an diesen Tieren ja dran sein. Anders kann ich mir nicht erklären, warum so viele Pferdemädchen freiwillig morgens um sechs auf einer Stallgasse stehen mit Thermobecher, Leckerli-Beutel und emotionaler Vollbindung zu diesem Tier, das sie theoretisch jederzeit mit einem kleinen Seitwärtshüpfer bis Mittwoch ins Krankenhaus katapultieren könnte.

Früher waren Pferde übrigens echte Arbeitstiere. Die haben Pflüge gezogen, Kriege gewonnen, Menschen transportiert und komplette Höfe am Laufen gehalten. Ohne Pferde lief früher gar nichts. Heute…tragen sie Glitzerhalfter, bekommen Geburtstagstorten aus Karotten und haben mehr Wellness-Termine als ein Influencer-Paar aus Dubai.

Ein Pferd ist kein majestätisches Wesen. Ein Pferd ist biologisch gesehen erstmal: 600 Kilo Panikpanzer mit Hufeisen und Burnout-Energie. Und der erste Satz eines Pferdemädchens ist immer, während sie noch durch die Luft fliegt wie ein schlecht geworfener Kartoffelsack: „Der meint das nicht so.“ Nee ist richtig. Das Fluchttier auf Steroiden hat gerade nur versucht, dich in eine andere Postleitzahlbereich zu treten.

Pferde erschrecken sich übrigens vor allem. Vor Plastiktüten. Vor Schatten. Vor einem Blatt im Wind, als hätte gerade jemand eine Handgranate geworfen. Technisch gesehen sind Pferde eigentlich ein Ferrari mit Angststörung.

Und schnell sind sie auch noch. Das heißt: Du sitzt freiwillig auf einem Lebewesen mit Rennwagen-Beschleunigung, das gleichzeitig emotional kollabiert wegen eines Gänseblümchens, das sich minimal zu ambitioniert bewegt. Was soll da schon schiefgehen?

Und dann dieses Verdauungssystem. Ein Pferd frisst einmal minimal schief geschnittenes Gras und plötzlich heißt es: „Kolik.“ Und ab da eskaliert alles. Tierarzt. Panik. Finanzieller Totalschaden. Pferde sind nämlich ungefähr so robust wie ein Premium-Smartphone ohne Hülle.

Und trotzdem lieben Menschen diese Tiere komplett kompromisslos. Die stehen morgens freiwillig im Stall bei Regen, Schnee und Wind, nur um einem Tier beim Kauen zuzuschauen das gestern noch versucht hat, sie wegen eines herumliegenden Apfels in die Umlaufbahn zu treten.

Und vielleicht ist genau das das Faszinierende an Pferden. Die schaffen es irgendwie, dass Menschen sie bedingungslos ins Herz schließen. Ich übrigens auch. Sagt das bitte nicht weiter.

Aber wahrscheinlich nicht.

Redaktion Land und Region
Christian Kluge

Fotos: Kluge Kommunikation

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