23.07.2026 – land und region
Ich gebe zu: Als ich das erste Mal Bilder vom Hobby Horsing gesehen habe, musste ich schmunzeln. Wahrscheinlich ging es vielen genauso.
Menschen laufen mit einem Steckenpferd über einen Parcours und springen über Hindernisse. Auf den ersten Blick wirkt das ungewöhnlich. Aber je länger ich darüber nachgedacht habe, desto mehr habe ich mich gefragt:
Warum lachen wir eigentlich darüber?
Hier sind Kinder und Jugendliche, die ein Hobby gefunden haben.
Sie trainieren. Sie bewegen sich. Sie verbringen Zeit draußen. Sie treffen Freunde. Sie üben, werden besser und fahren sogar auf Wettkämpfe.
Viele gestalten oder nähen ihre Hobby Horses selbst. Sie sind kreativ. Sie investieren Zeit, Geduld und Herzblut. Und trotzdem machen sich Erwachsene darüber lustig.
Ich finde das schade. Denn wir reden oft darüber, dass Kinder zu viel Zeit vor Bildschirmen verbringen. Dass sie nur noch TikTok schauen oder vor der Konsole sitzen.
Und wenn Jugendliche dann ein Hobby finden, das sie begeistert, das Bewegung, Kreativität und Gemeinschaft verbindet, dann wird genau darüber gelacht.
Irgendetwas passt da für mich nicht zusammen. Dazu kommt noch etwas, worüber kaum gesprochen wird. Hinter vielen Hobby-Horsern steckt eine große Liebe zu Pferden.
Viele dieser Kinder würden vielleicht unglaublich gerne reiten. Aber richtiger Reitsport ist teuer. Sehr teuer. Nicht jede Familie kann sich Reitstunden, ein Pflegepferd oder gar ein eigenes Pferd leisten.
Hobby Horsing ist deshalb für viele kein Ersatz aus Mangel an Fantasie. Es ist eine Möglichkeit, diese Begeisterung trotzdem auszuleben. Mit viel Kreativität. Mit Bewegung. Mit Freunden.
Und mit ganz viel Herz.
Muss ich deshalb selbst Hobby Horsing betreiben? Natürlich nicht.
Genauso wenig wie ich jedes andere Hobby selbst ausüben muss.
Ich muss weder Modelleisenbahnen sammeln noch Cosplay machen, angeln, tanzen oder Marathon laufen, um den Menschen Respekt entgegenzubringen, die daran Freude haben.
Vielleicht wäre genau das ein guter Maßstab.
Nicht alles verstehen zu müssen.
Aber anzuerkennen, wenn andere mit Leidenschaft etwas tun, das niemandem schadet und sie glücklich macht.
Ich glaube, unsere Gesellschaft hätte ein kleines Problem weniger, wenn wir Menschen nicht ständig danach beurteilen würden, ob ihr Hobby zu unserem eigenen Weltbild passt, sondern danach, wie sie anderen begegnen.
Denn am Ende ist es doch ganz einfach:
Man muss nicht alles verstehen.
Respekt reicht völlig.
Grüße gehen raus ins Land und die Region.
Autor:
Redaktion Land und Region
Christian Kluge
Fotos: Kluge Kommunikation