19.08.2026 – land und region

Die Getreide- und Rapsernte ist in Bremen weitgehend abgeschlossen. Die Bilanz fällt insgesamt ordentlich aus, vor allem im Vergleich zu vielen anderen Regionen Deutschlands, in denen Trockenheit und Hitze deutlich größere Schäden verursacht haben.

„Wir dürfen uns in Bremen und der Region in diesem Jahr sicherlich nicht beklagen. Wenn wir sehen, mit welchen Ertragseinbußen Landwirte in anderen Teilen Deutschlands zu kämpfen haben, sind wir vergleichsweise gut durch die Saison gekommen“, bilanziert der Bremer Bauernverband.

Dabei hatte das Jahr zunächst durchaus vielversprechend begonnen. Nach einem langen Winter mit Frost und Schnee startete die Frühjahrsentwicklung etwas später. Anschließend sorgte ein guter Wechsel aus trockenen Phasen und Niederschlägen für wüchsige Bedingungen. Noch zur Jahresmitte waren die Erwartungen an die Ernte deshalb insgesamt gut.

Die Hitze im Juni hat diese Erwartungen allerdings bei einigen Kulturen deutlich korrigiert.

Gerste überzeugt bei Ertrag und Qualität

Besonders zufriedenstellend fällt die Bilanz bei der Wintergerste aus. Mit Erträgen um 10 Tonnen je Hektar und guten Qualitäten konnte eine sehr ordentliche Ernte eingefahren werden.

Der entscheidende Vorteil: Die Gerste war in ihrer Entwicklung bereits weitgehend abgeschlossen, als die große Hitze im Juni einsetzte. Dadurch konnte sie die extreme Witterungsphase wesentlich besser verkraften als später abreifende Kulturen.

Weizen bleibt deutlich hinter den Erwartungen

Anders sieht es beim Weizen aus. Mit Erträgen um 8 Tonnen je Hektar ist das Ergebnis zwar keineswegs schlecht, bleibt aber deutlich hinter den Erwartungen zurück.

Vor allem die Hitze im Juni traf die Bestände in einer entscheidenden Entwicklungsphase. Die Auswirkungen zeigen sich nicht nur beim Ertrag, sondern auch bei den Qualitäten, die insgesamt eher mäßig ausfallen.

Gerade der Weizen macht damit deutlich, wie entscheidend wenige Wochen im Verlauf eines gesamten Anbaujahres sein können. Die Bestände sahen lange sehr vielversprechend aus. Die Juni-Hitze hat einen Teil dieses Ertragspotenzials innerhalb kurzer Zeit genommen.

Raps unter schwierigen Bedingungen noch ordentlich

Auch der Raps musste in diesem Jahr gleich mehrere schwierige Witterungsphasen verkraften. Spätfröste im April belasteten die Bestände zunächst während der empfindlichen Entwicklungsphase. Im Juni folgte die Hitze.

Mit Erträgen von knapp 4 Tonnen je Hektar und gerade noch akzeptablen Qualitäten fällt die Bilanz dennoch ordentlich aus. Insbesondere im Vergleich mit den teilweise deutlich schwächeren Rapsernten anderer Regionen kann man mit dem Ergebnis in Bremen zufrieden sein.

Grünland bisher sehr erfreulich

Sehr positiv verlief die Saison bislang auf dem Grünland. Die ersten drei Grasschnitte brachten sowohl bei der Menge als auch bei der Qualität gute bis sehr gute Ergebnisse.

Auch die Heuernte konnte während der trockenen und heißen Wetterphase unter hervorragenden Bedingungen eingefahren werden. Entsprechend gut sind die erreichten Qualitäten.

Damit wurde auf vielen Betrieben bereits eine gute Grundlage für die Futterversorgung im kommenden Winter geschaffen.

Allerdings verändert sich die Situation inzwischen. Nach den trockenen und heißen Phasen braucht insbesondere das Grünland jetzt wieder Niederschläge, damit sich die Bestände regenerieren und weitere Aufwüchse entwickeln können.

Beim Mais entscheidet jetzt der weitere Wetterverlauf

Auch beim Mais zeigt sich, wie stark Standort und Boden über die Auswirkungen trockener Wetterphasen entscheiden.

Auf den schwereren Standorten präsentieren sich die Bestände in Bremen derzeit noch vergleichsweise gut. Auch hier wird für die weitere Entwicklung jedoch Regen benötigt. Wie die Maisernte am Ende tatsächlich ausfallen wird, hängt deshalb wesentlich von der Witterung der kommenden Wochen ab.

Gute Ernte bedeutet nicht automatisch gutes Wirtschaftsjahr

Bei aller vergleichsweise positiven Erntebilanz darf ein entscheidender Punkt nicht übersehen werden: Ertrag und wirtschaftlicher Erfolg sind zwei unterschiedliche Dinge.

Auch die Bremer Betriebe stehen unter demselben wirtschaftlichen Druck wie ihre Berufskollegen in anderen Regionen. Hohe Produktionskosten treffen auf Erlöse, die bei vielen Kulturen nicht ausreichen, um eine zufriedenstellende Wirtschaftlichkeit zu erreichen.

Ein guter Hektarertrag hilft einem Betrieb nur dann wirklich, wenn am Ende auch die Rechnung aufgeht.

Deshalb fällt die Erntebilanz des Bremer Bauernverbandes zweigeteilt aus: Landwirtschaftlich können wir mit dem bisherigen Jahr in Bremen insgesamt zufrieden sein. Wirtschaftlich bleibt die Situation angespannt.

Und gerade mit Blick auf Regionen, die in diesem Jahr wesentlich stärker unter Trockenheit und Hitze gelitten haben, gehört zu einer ehrlichen Bremer Erntebilanz auch die Feststellung:

Wir sind in diesem Jahr vergleichsweise gut davongekommen. Das wissen wir.

Grüße gehen raus ins Land und die Region.

Autor:

Redaktion Land und Region
Christian Kluge

Fotos: Kluge Kommunikation

DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner