28.08.2026 – land und region
Ein abgeknickter Maisstängel sieht zunächst vielleicht so aus, als hätte ihn einfach der Wind erwischt. Doch manchmal steckt etwas ganz anderes dahinter.
Mitten im Stängel kann eine kleine Raupe leben. Sie gehört zum Maiszünsler und verbringt einen großen Teil ihres Lebens an einem Ort, an dem wir sie beim Vorbeigehen überhaupt nicht sehen können.
Aussehen & Merkmale
Der ausgewachsene Maiszünsler ist ein eher unscheinbarer Schmetterling. Sein wissenschaftlicher Name lautet Ostrinia nubilalis.
Die Falter sind bräunlich bis gelblich gefärbt und tragen feine dunklere Zeichnungen auf ihren Flügeln. Viel wichtiger für den Mais sind allerdings ihre Raupen.
Nach dem Schlüpfen sind sie zunächst winzig. Später werden sie deutlich größer und besitzen einen hellen, gelblich bis graubraunen Körper mit dunkleren Punkten. Und diese Raupen haben eine besondere Fähigkeit: Sie können sich in die Maispflanze hineinbohren.
Lebensraum & Verbreitung
Der Maiszünsler kommt in vielen Teilen Europas vor und ist auch in Deutschland verbreitet. Wie stark er auftritt, kann von Jahr zu Jahr und von Region zu Region sehr unterschiedlich sein.
Sein Name verrät bereits, wo wir ihn besonders häufig finden: in Gebieten, in denen Mais angebaut wird. Die erwachsenen Falter fliegen im Sommer. Die Weibchen suchen Maispflanzen auf und legen ihre Eier meist in kleinen Gruppen an den Blättern ab.
Nahrung & Lebensweise
Nach dem Schlüpfen beginnen die jungen Raupen zunächst an verschiedenen Teilen der Maispflanze zu fressen. Später wird es besonders spannend: Die Raupen bohren sich in den Stängel hinein.
Dort fressen sie im Inneren weiter und legen richtige Fraßgänge an. Sie können auch bis in andere Pflanzenteile und in den Maiskolben gelangen.
Von außen sieht man deshalb manchmal zunächst gar nicht, was in der Pflanze passiert. Hinweise können kleine Bohrlöcher, Bohrmehl oder abgeknickte Pflanzenteile sein.
Lebenszyklus & Nachwuchs
Die erwachsenen Maiszünsler legen im Sommer ihre Eier an den Maispflanzen ab. Daraus schlüpfen die Raupen, die sich später in die Pflanze hineinbohren. Gegen Ende des Sommers wandern viele Raupen immer weiter nach unten in den Maisstängel.
Das hat einen wichtigen Grund: Dort können sie überwintern.
Nach der Maisernte bleiben Teile der Stängel und Stoppeln auf dem Feld zurück. Darin können sich noch immer Maiszünslerraupen befinden. Im folgenden Jahr verpuppen sie sich. Aus den Puppen schlüpfen schließlich die neuen Falter und der Kreislauf beginnt von vorne.
Warum kann eine kleine Raupe zum Problem werden?
Ein Maisstängel muss einiges aushalten. Er trägt die Blätter und den schweren Maiskolben und muss gleichzeitig Wind und Wetter standhalten.
Frisst eine Maiszünslerraupe Gänge durch das Innere, wird der Stängel geschwächt. Dadurch können die Fahne oder sogar der ganze Stängel abknicken. Liegt eine Pflanze am Boden oder bricht unterhalb des Kolbens, kann sie außerdem schwieriger geerntet werden.
Doch es gibt noch ein weiteres Problem: Die Fraßstellen können Eintrittspforten für Pilze wie Fusarium sein. Ein Maiszünslerbefall kann deshalb nicht nur den Ertrag, sondern auch die Qualität des Erntegutes beeinträchtigen.
Landwirtschaft & Maiszünsler
Bauern haben verschiedene Möglichkeiten, den Maiszünsler einzudämmen. Zwei davon sind besonders spannend, weil sie ganz unterschiedlich funktionieren.
Winzige Schlupfwespen helfen dem Bauern
Gegen den Maiszünsler werden sogenannte Trichogramma-Schlupfwespen eingesetzt. Sie sind winzig klein. Die Schlupfwespen suchen die Eier des Maiszünslers und legen ihre eigenen Eier hinein. Dadurch entwickelt sich aus dem befallenen Ei keine Maiszünslerraupe.
Die kleinen Helfer können gezielt auf Maisfeldern ausgebracht werden. Dafür gibt es beispielsweise Kärtchen oder kleine Kugeln. Solche Kugeln können sogar mit Multikoptern über dem Maisfeld verteilt werden.
Das ist biologischer Pflanzenschutz: Ein Nützling hilft dabei, einen Schädling zu kontrollieren. Das Verfahren wird in Deutschland seit Jahrzehnten erfolgreich eingesetzt.
Die Bekämpfung geht nach der Ernte weiter
Mindestens genauso wichtig ist das, was nach der Maisernte passiert.
Weil die Raupen in den unteren Teilen der Maisstängel und in den Stoppeln überwintern können, werden die Erntereste möglichst gründlich zerkleinert. Die Stoppeln werden beispielsweise gemulcht oder mit anderen Geräten zerfasert und anschließend in den Boden eingearbeitet.
Dadurch werden die Überwinterungsquartiere der Raupen zerstört. Wo es möglich und fachlich sinnvoll ist, kann anschließendes Pflügen die Wirkung zusätzlich verbessern.
Die Bekämpfung des Maiszünslers beginnt deshalb nicht erst, wenn im nächsten Sommer wieder Falter fliegen. Sie beginnt bereits nach der Maisernte auf dem Stoppelfeld.
Schon gewusst?
Der Falter ist nicht das eigentliche Problem: Die Schäden an der Maispflanze verursachen die Raupen des Maiszünslers.
Gut versteckt: Ein großer Teil des Raupenlebens findet im Inneren der Maispflanze statt.
Winterquartier im Maisstängel: Die Raupen können in den Ernteresten auf dem Feld überwintern. Deshalb ist eine gründliche Stoppelbearbeitung eine wichtige Pflanzenschutzmaßnahme.
Hilfe aus der Natur: Trichogramma-Schlupfwespen bekämpfen den Maiszünsler bereits im Ei, bevor seine Raupen sich in die Pflanze bohren können.
Drohne trifft Schlupfwespe: Kleine Trichogramma-Kugeln können mit Multikoptern im Maisbestand verteilt werden. Moderne Technik und biologischer Pflanzenschutz arbeiten dabei zusammen.
Fibis Entdeckertipp
Wenn ihr im Spätsommer an einem Maisfeld vorbeikommt, schaut vom Feldrand einmal genau auf die Pflanzen. Vielleicht entdeckt ihr einen abgeknickten Stängel.
Das muss nicht automatisch ein Maiszünsler gewesen sein. Aber jetzt wisst ihr, dass sich im Inneren eines Maisstängels eine ganze Geschichte abspielen kann, von der wir von außen fast nichts sehen.
Bitte geht nicht einfach in das Feld hinein und brecht auch keine Pflanzen auf. Der Mais gehört einem Bauern und ist seine Ernte. Manchmal reicht ein genauer Blick vom Feldrand, um zu entdecken, dass auf einem Acker viel mehr passiert, als wir sehen können.
Und denkt dran: Fragen stellen ist schlau und rausgehen sowieso!
Autor:
Redaktion Land und Region
Christian Kluge
Fotos: Kluge Kommunikation