05.10.2026 – land und region
Erntedank ist ein guter Anlass, Danke zu sagen. Aber mir reicht es nicht, am Sonntag eine Erntekrone zu bewundern und am Montag wieder so zu tun, als kämen unsere Lebensmittel einfach aus dem Supermarkt.
Wir haben uns an volle Regale gewöhnt. Brot, Kartoffeln, Milch, Fleisch, Obst und Gemüse sind jederzeit verfügbar. Das ist ein großes Stück Sicherheit im Alltag. Und gerade weil es so selbstverständlich wirkt, gerät leicht aus dem Blick, was dafür nötig ist.
Lebensmittel brauchen Boden, Wasser und Wetter. Sie brauchen Wissen, Technik und Arbeit. Und sie brauchen Menschen, die Entscheidungen treffen, investieren und das Risiko tragen, wenn das Wetter, die Erträge oder die Preise anders ausfallen als geplant.
Der Supermarkt zeigt uns das fertige Produkt. Was vorher passiert, sehen die meisten Menschen kaum noch. Aber unsichtbare Arbeit wird dadurch nicht weniger wichtig. Und sie wird auch nicht billiger, nur weil wir sie an der Kasse nicht sehen wollen.
Deshalb habe ich mit Erntedank eine ziemlich konkrete Frage: Was ist uns die Erzeugung unserer Lebensmittel im eigenen Land tatsächlich wert?
An Feiertagen ist die Antwort leicht. Da sprechen alle gern über regionale Produkte, kurze Wege und den Wert der Landwirtschaft. Schwieriger wird es, wenn aus diesen Worten Entscheidungen werden müssen. Wenn ein landwirtschaftlicher Betrieb Bedingungen braucht, unter denen er arbeiten und Geld verdienen kann. Oder wenn das regionale Produkt im Laden mehr kostet als die Alternative.
Ich verlange nicht, dass jeder Mensch bei jedem Einkauf nur nach Herkunft entscheidet. Viele müssen genau aufs Geld schauen. Das weiß ich. Aber dann sollten wir ehrlich darüber reden, was wir von heimischer Landwirtschaft erwarten und was wir selbst bereit sind, dafür zu tun. Hohe Anforderungen stellen und gleichzeitig immer nur den niedrigsten Preis bezahlen wollen: Das geht auf Dauer nicht zusammen.
Dasselbe gilt für die Politik. Wer heimische Erzeugung wichtig nennt, muss sich bei jeder neuen Entscheidung fragen, ob Betriebe unter den gesetzten Bedingungen noch eine Zukunft haben. Ein freundliches Grußwort zum Erntedank ersetzt diese Frage nicht.
Und genau deshalb ist eine Erntekrone, die der Politik übergeben wird, mehr als festlicher Schmuck. In ihr steckt die Arbeit eines ganzen Jahres. Aber auch die Sorge, ob diese Arbeit künftig noch möglich ist. Wer sie entgegennimmt, sollte beides sehen.
Ich freue mich über geschmückte Altäre und Erntekronen. Nur darf Erntedank nicht dort enden. Dankbarkeit zeigt sich auch daran, wie wir über Landwirtschaft sprechen, was wir im Laden kaufen und welche Bedingungen wir politisch schaffen.
Eine Erntekrone ist schön. Entscheidend ist, ob die Menschen, die sie gebunden haben, auch im nächsten Jahr noch eine Ernte einbringen können.
Grüße gehen raus ins Land und die Region.
Autor:
Redaktion Land und Region
Christian Kluge
Fotos: Kluge Kommunikation