22.10.2026 – land und region

Die Straße muss saniert werden. Daran gibt es nichts zu rütteln. Wer sie täglich benutzt, ist wahrscheinlich froh, wenn endlich etwas passiert.

Aber wenn eine Straße für mehrere Wochen gesperrt wird und an dieser Straße landwirtschaftliche Betriebe liegen, dann reicht es nicht, einen Umleitungsplan aufzustellen. Dann muss man vorher mit den Betrieben reden.

Eigentlich ist das ein ziemlich einfacher Gedanke. Trotzdem scheint er bei vielen Baustellen nicht gedacht zu werden.

Ende Oktober ist auf den Höfen kein beliebiger Termin im Kalender. Der letzte Grasschnitt muss eingefahren werden. Dafür fahren Häcksler und Abfahrer zwischen Feld und Betrieb. Das lässt sich nicht erledigen, indem man den Weg zum Silohaufen mit einem Kugelschreiber auf der Karte verlegt.

Ein Umweg kostet Zeit, Diesel und Geld. Brauchen die Abfahrer länger, kann der Häcksler auf dem Feld warten. Vielleicht wird sogar ein zusätzliches Gespann nötig. Und wenn die Straße erst Ende Oktober wieder frei ist, rücken zugleich Fristen für andere Arbeiten näher. Auf Grünland beginnt die Sperrfrist für die Ausbringung stickstoffhaltiger Dünger am 1. November.

Das Wetter lässt sich nicht verschieben. Gesetzliche Fristen auch nicht. Eine Baustelle kann man dagegen planen. Genau deshalb hätte die Frage nach den betroffenen Betrieben an den Anfang der Planung gehört.

Ich erwarte nicht, dass jede Straße zu jedem Zeitpunkt offen bleiben kann. Bei einer Sanierung gibt es Einschränkungen. Aber wer diese Einschränkungen festlegt, muss wissen, wen sie treffen. Wo liegen die Zufahrten? Welche Fahrten sind in diesen Wochen nötig? Gibt es Zeiten, in denen Maschinen passieren können? Welche Umleitung ist mit einem Häcksler oder Güllefass überhaupt praktikabel?

Vielleicht lässt sich nicht jeder Konflikt lösen. Aber ein Gespräch vor der Sperrung gibt den Betrieben wenigstens die Chance, ihre Arbeit zu organisieren. Wer sie nicht rechtzeitig informiert, nimmt ihnen genau diese Chance.

Und das ist der Punkt, über den ich mich ärgere: Von Landwirten wird erwartet, dass sie vorausschauend planen. Sie sollen Fristen kennen, Verordnungen buchstabengetreu umsetzen und ihre Arbeit zuverlässig erledigen. Wer eine Straße sperrt, sollte denselben Anspruch an die eigene Planung haben.

Ein Anruf bei den Betrieben hätte die Straße nicht saniert. Aber er hätte gezeigt, dass man ihre Arbeit gesehen hat. Und vielleicht wären dadurch Lösungen möglich geworden, die jetzt niemand mehr rechtzeitig suchen kann.

Eine Umleitung auf dem Papier ist schnell gezeichnet. Den Umweg bezahlen andere.

Grüße gehen raus ins Land und die Region.

Autor:

Redaktion Land und Region
Christian Kluge

Fotos: Kluge Kommunikation

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