18.06.2026 – land und region

Die Diskussion um den Ausbau von Freiflächenphotovoltaik auf landwirtschaftlichen Flächen in Bremen spitzt sich weiter zu.

Der Bremer Bauernverband hat dazu jetzt eine deutliche Stellungnahme veröffentlicht. Im Mittelpunkt der Kritik steht dabei nicht allein die Frage, auf welchen Flächen künftig Photovoltaikanlagen entstehen sollen. Der Verband sieht vor allem das Verfahren kritisch.

Nach Auffassung des Bauernverbandes wurde die Landwirtschaft trotz frühzeitiger Hinweise und Gesprächsangebote nicht ausreichend in die Planungen einbezogen. Gleichzeitig seien die Planungen weiter vorangetrieben und öffentlich vorgestellt worden, ohne dass die betroffenen Flächen vollständig öffentlich zugänglich seien oder die Landwirtschaft an den entscheidenden Stellen beteiligt worden sei.

Der Verband warnt deshalb vor einem Vertrauensverlust zwischen Landwirtschaft, Politik und Verwaltung. Die Stellungnahme macht deutlich, dass die aktuelle Debatte aus Sicht der Landwirtschaft weit über die Frage der Energieerzeugung hinausgeht. Es gehe um die grundsätzliche Frage, welchen Stellenwert Beteiligung, Dialog und Partnerschaft künftig noch haben sollen.

Die nachfolgende Stellungnahme wurde vom Bremischen Landwirtschaftsverband veröffentlicht.

Stellungnahme des Bremer Bauernverbandes
zum weiteren Vorgehen beim Ausbau von Freiflächenphotovoltaik

Die aktuelle Diskussion über Freiflächenphotovoltaik in Bremen hat inzwischen eine Dimension erreicht, die weit über die eigentliche Sachfrage hinausgeht.

Für den Bremer Bauernverband steht längst nicht mehr die Frage im Mittelpunkt, ob und wie die Energiewende umgesetzt werden muss. Die Landwirtschaft hat nie bestritten, dass Klimaschutz und der Ausbau erneuerbarer Energien gesellschaftliche Aufgaben sind.

Die entscheidende Frage lautet vielmehr, wie politische Entscheidungen getroffen werden und welchen Stellenwert die Beteiligung der betroffenen Menschen dabei noch besitzt.

Bereits zu Beginn des Jahres hat der Bremer Bauernverband öffentlich Stellung zu den Überlegungen im Bereich der Freiflächenphotovoltaik bezogen. Bereits damals wurde kritisiert, dass die Landwirtschaft und die Berufsvertretung nicht ausreichend in die laufenden Überlegungen eingebunden war.

Gleichzeitig haben wir ausdrücklich den Dialog gesucht. Wir haben fachliche Fragen formuliert, Zielkonflikte benannt und konkrete Hinweise gegeben, die aus unserer Sicht für einen sachgerechten Abwägungsprozess notwendig gewesen wären. Dabei ging es unter anderem um die Auswirkungen auf landwirtschaftliche Nutzflächen, die Entwicklungsmöglichkeiten der Betriebe, die Zukunftsperspektiven von Hofnachfolgern, die Rolle alternativer erneuerbarer Energien sowie die Frage, wie Klima-, Natur- und Ernährungssicherung gemeinsam gedacht werden können.

Die Landwirtschaft hat damit ihre Bereitschaft gezeigt, sich konstruktiv in den Prozess einzubringen.

Aus heutiger Sicht müssen wir jedoch feststellen, dass keiner dieser Punkte erkennbar zu einer grundlegenden Neubewertung oder zu einem offenen Dialogprozess geführt hat. Stattdessen wurden die Planungen weiter vorangetrieben, öffentlich vorgestellt und politisch kommuniziert.

Besonders kritisch bewerten wir dabei, dass die konkreten Flächenkulissen bis heute nicht öffentlich zugänglich sind. Die Landwirtschaft soll offenbar über ein Konzept diskutieren, dessen praktische Auswirkungen sie nicht einmal vollständig bewerten kann. Weder die betroffenen Betriebe noch ihre berufsständische Vertretung haben derzeit die Möglichkeit, sich ein vollständiges Bild über Umfang, Lage und Folgen der vorgesehenen Flächen zu machen.

Gleichzeitig werden die Planungen bereits öffentlich als notwendiger Schritt zur Erreichung politischer Ziele dargestellt. Damit entsteht der Eindruck, dass die politische Bewertung abgeschlossen ist, bevor überhaupt eine offene Diskussion über die tatsächlichen Auswirkungen stattfinden konnte.

Ein Dialog auf Augenhöhe setzt Transparenz voraus. Wer Beteiligung einfordert, muss auch bereit sein, die Grundlagen dieser Beteiligung offenzulegen. Ohne diese Grundlagen bleibt die Landwirtschaft faktisch in der Rolle des Zuschauers eines Verfahrens, das ihre eigenen Produktionsgrundlagen betrifft.

Damit ist aus unserer Sicht eine Grenze überschritten.

Wer Beteiligung zusagt und anschließend Fakten schafft, beschädigt das Vertrauen in politische Prozesse. Wer Dialog ankündigt und Entscheidungen anschließend ohne die Betroffenen kommuniziert, darf sich nicht wundern, wenn die Glaubwürdigkeit solcher Zusagen künftig hinterfragt wird.

Besonders problematisch ist dabei die öffentliche Botschaft, man wisse um die Konflikte mit der Landwirtschaft, müsse diesen Weg aber dennoch gehen. Eine solche Haltung macht deutlich, dass Konflikte offenbar nicht gelöst, sondern lediglich verwaltet werden sollen.

Genau das kann nicht die Grundlage einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit sein.

Die Landwirtschaft in Bremen hat in den vergangenen Jahren bei zahlreichen Projekten Verantwortung übernommen. Sie hat sich in Natur-, Klima- und Gewässerschutzprojekten eingebracht, an Entwicklungsprozessen mitgewirkt und immer wieder den Dialog gesucht.

Diese Bereitschaft beruhte auf der Annahme, dass Beteiligung ernst gemeint ist. Die aktuelle Entwicklung wirft jedoch die grundsätzliche Frage auf, welchen Stellenwert die Mitwirkung der Landwirtschaft in Bremen tatsächlich noch besitzt.

Denn eines muss klar sein: Die Landwirtschaft wird nicht um des lieben Friedens willen Konzepte mittragen, an deren Entstehung sie wissentlich nicht beteiligt wurde. Die Landwirtschaft wird auch nicht die Folgen politischer Versäumnisse tragen, wenn notwendige Entscheidungen über Jahre nicht getroffen wurden und nun unter Zeitdruck zulasten des ländlichen Raumes nachgeholt werden sollen.

  • Wer Zusammenarbeit möchte, muss Beteiligung ermöglichen.
  • Wer Akzeptanz erwartet, muss Vertrauen schaffen.
  • Wer Partnerschaft fordert, darf nicht über die Partner hinweg entscheiden.

Vertrauen entsteht nicht dadurch, dass Beteiligung angekündigt wird. Vertrauen entsteht dadurch, dass Beteiligung aus Überzeugung gelebt wird. Genau dieser Unterschied ist im vorliegenden Verfahren für uns nicht erkennbar.

Es geht hier längst nicht mehr nur um Freiflächenphotovoltaik. Es geht um die grundsätzliche Frage:

Ist die Landwirtschaft in Bremen tatsächlich Partner bei den entscheidenden Zukunftsfragen dieses Landes oder wird sie nur dann eingebunden, wenn Entscheidungen bereits getroffen wurden?

Partnerschaft beweist sich nicht bei Hoffesten, Fototerminen, Betriebsbesuchen oder wohlklingenden Gesprächsrunden. Partnerschaft beweist sich dort, wo Konflikte entstehen, wo unterschiedliche Interessen aufeinandertreffen und wo Entscheidungen getroffen werden, die unmittelbare Auswirkungen auf die Betriebe haben.

Die Landwirtschaft darf nicht einerseits für Dialogformate, Projektvorstellungen und öffentliche Termine als wichtiger Partner hervorgehoben werden, um andererseits bei zentralen Zukunftsfragen vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden.

Genau an diesem Punkt entscheidet sich die Glaubwürdigkeit von Beteiligung.

Die Antwort auf diese Frage wird weit über das aktuelle Verfahren hinaus Auswirkungen auf die zukünftige Zusammenarbeit haben.

Grüße gehen raus ins Land und die Region.

Autor:

Redaktion Land und Region
Christian Kluge

Fotos: Kluge Kommunikation

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