20.09.2026 – land und region
So, heute reden wir über Dachdeckerinnen. Und wenn ihr euch jetzt denkt: „Hä? Was hat das denn mit Landwirtschaft zu tun?“ Eine ganze Menge. Erstens sind Handwerk und Landwirtschaft auf dem Land sowieso ungefähr so eng miteinander verwachsen wie Gummistiefel und schlechte Wettervorhersagen.
Und zweitens braucht Landwirtschaft verdammt viele andere Berufe. Fun Fact: Genauso wie verdammt viele andere Berufe die Landwirtschaft brauchen. Landwirtschaft ist nämlich ganz nebenbei auch ein ziemlich ordentlicher Jobmotor auf dem Land. Oder glaubt ihr, so eine Halle spawnt morgens einfach auf dem Hof? Wir sind hier nicht bei Minecraft.
Denn wenn am Stall oder an der Maschinenhalle das Dach gemacht werden muss, muss da irgendjemand hoch. Und immer öfter ist das eine Frau. Feier ich sehr. Aber dann steht die bei 30 Grad auf dem Stalldach und da frage ich mich: „Und ich dachte, Landwirte hätten bei der Berufswahl nicht richtig aufgepasst.“
Mal ehrlich: Was stimmt mit diesen Menschen nicht? Andere hören „30 Grad im Schatten“ und suchen einen Schatten. Dachdecker hören „30 Grad im Schatten“ und sagen: „Perfekt. Dann gehe ich acht Meter höher und stelle mich auf eine schwarze Fläche.“ Das ist keine Berufswahl. Das ist ein persönlicher Rachefeldzug gegen den eigenen Kreislauf.
Apropos Höhe. Der normale Mensch steht auf einer Leiter auf der dritten Sprosse, merkt ein leichtes Wackeln und denkt: „So. Bis hierhin hat Gott mich vorgesehen.“ Dachdeckerinnen dagegen laufen über ein Stalldach wie Bergziegen mit Augenbinde. Werkzeug am Gürtel. Material unterm Arm. Und in der freien Hand wahrscheinlich noch einen Kaffee.
Irgendwas ist doch immer. Platte kaputt. Rinne undicht. Oder der Sturm hat beschlossen, dass das Hallendach ab sofort dem Nachbarn gehört. Dann kommt die Dachdeckerin. Guckt hoch. „Ja. Machen wir.“ Zwei Worte, die zeigen: Diese Menschen haben ein vollkommen anderes Verhältnis zu Höhe als der Rest der Bevölkerung.
Und geht euch das auch so? Man steht unten, guckt denen zu und stelltst vorsichtshalber schon mal beide Füße etwas breiter auseinander.
Und irgendwann fällt der Satz: „Ja. Das machen wir noch eben.“ Und spätestens da merkst du: Dachdecker und Landwirte sind sich verdächtig ähnlich. Arbeiten bei Wetter, bei dem andere ihre Freizeit absagen. Haben ein gestörtes Verhältnis zu Arbeitszeiten. Und benutzen „Das machen wir noch eben“ als präzise Zeitangabe.
Und dafür gibt’s jetzt meine ganz große Respektkelle. Ob ich deshalb morgen mit aufs Dach komme?
Aber wahrscheinlich nicht.
Autor:
Redaktion Land und Region
Christian Kluge
Fotos: Kluge Kommunikation