07.10.2026 – land und region
So, heute reden wir über ein Tier, bei dem ich wirklich gerne wissen würde: Wer hat diesem Bastard eigentlich Zugang zur Natur gegeben? Du gehst friedlich durch den Wald. Vielleicht bist du mit dem Pferd unterwegs. Vögel zwitschern. Blätter rascheln. Alles wunderschön. Und dann landet dieses kleine Arschloch auf dir. Die Hirschlausfliege.
Das Ding wird gerne „fliegende Zecke“ genannt. Ist aber gar keine Zecke, sondern eine Fliege. Sechs Beine, Stechrüssel und Greifkrallen. Also praktisch alles, was man für einen sympathischen Erstkontakt braucht. Bruder, mit diesen Skills lässt dich Roland Trettl bei First Dates nicht mal an den Tisch.
Und jetzt wird es richtig bekloppt. Wenn die Hirschlausfliege einen passenden Wirt gefunden hat, kann sie ihre Flügel abwerfen. Ja richtig verstanden, dieses Vieh bucht ein One-way-Ticket zum All-you-can-eat-Buffet und verschrottet nach der Landung das Flugzeug. Also, die kommt nicht zu Besuch. Die zieht ein.
Und danach krabbelt sie mit ihrem flachen Körper durchs Fell und hält sich mit ihren Krallen fest. Schnell. Hartnäckig. Schwer zu greifen. Ein kleines biologisches Klettverschluss-Arschloch mit Stechrüssel.
Bei Pferden hört der Spaß allerdings ziemlich schnell auf. Denn das Krabbeln und die Stiche können die Tiere massiv beunruhigen. Manche Pferde reagieren heftig, im schlimmsten Fall panisch. Und wenn du gerade oben drauf sitzt, ist „Mein Pferd benimmt sich heute aber komisch“ möglicherweise nicht die Analyse, mit der du besonders lange weitermachen solltest.
Wenn ein Pferd plötzlich ungewöhnlich unruhig wird, nach sich schlägt oder offensichtlich etwas loswerden will: Nehmt das ernst. Gerade im Wald. Da wohnt dieser Terrorist nämlich. Denn ein Pferd kann dir schlecht sagen: „Entschuldigung. Da läuft gerade Satan mit sechs Beinen unter meinem Fell herum.“
Also: Erst euch und das Pferd sichern, dann versuchen, das Ding zu finden. Schaut besonders im Schweifbereich und an der Mähne. Aber lasst euch bei der Suche nicht von eurem Pferd in einen anderen Postleitzahlenbereich treten. Die Dinger sind flach, schnell, halten sich hervorragend fest und besitzen offenbar die körperliche Robustheit einer V2A-Schraube mit Beinen.
Und wenn ihr eine Hirschlausfliege findet: Meine persönliche Empfehlung für den weiteren Lebensweg dieses Blutsaugers: Ende. Und bevor jetzt jemand eine Tierwohldiskussion für die Hirschlausfliege eröffnen möchte: Nein. Das Pferd wäre gerne zuerst dran.
Ob man wirklich alles mögen muss, was so in der Natur kreucht und fleucht?
Aber wahrscheinlich nicht.
Autor:
Redaktion Land und Region
Christian Kluge
Fotos: Kluge Kommunikation