27.09.2026 – land und region
So, heute reden wir mal wieder über Pferdemädchen. Eigene Feldstudien nötigen mir das quasi auf. Denn Pferdemädchen sprechen grundsätzlich Deutsch. Allerdings haben einige alltägliche Wörter im Stall eine Bedeutung, bei der selbst der Duden irgendwann sagt: „Wisst ihr was? Macht euren Scheiß alleine.“
Deshalb gibt es heute eine kleine Übersetzungshilfe für alle, die mit einem Pferdemädchen zusammenleben, eines zur Tochter haben oder sich seit Stunden fragen, ob dieser Mensch heute noch einmal nach Hause kommt.
Also los. Die zehn größten Übersetzungsfehler zwischen Pferdemädchen und dem Rest der Menschheit.
Nummer eins: „Ich fahre nur kurz zum Stall.“ Kurz bedeutet im normalen Sprachgebrauch vielleicht 20 Minuten. Beim Pferdemädchen bezeichnet „kurz“ den Zeitraum zwischen Nachmittagskaffee und Sonnenaufgang.
Nummer zwei: „Ich bin gleich fertig.“ Natürlich ist sie gleich fertig. Genau dann, wenn das Pferd geputzt, gefüttert, eingedeckt und bewegt wurde und die Trense blitzend am Haken hängt. Dein Abendessen übrigens nicht.
Nummer drei: „Ich bin heute sauber geblieben.“ Absolut. Denn ein Pferdemädchen gilt als sauber, wenn an zwei Stellen der Jacke die ursprüngliche Farbe noch zu erkennen ist. Pferdesabber gilt übrigens nicht als Dreck.
Nummer vier: „Das war nicht teuer.“ Überhaupt nicht. Pferdemädchen haben ein eigenes Währungssystem. Der Wechselkurs wird in Schabracken berechnet. Da sind 49,90 Euro für ein Halfter natürlich ein Schnapper.
Nummer fünf: „Ich habe ein neues Foto.“ Selbstverständlich hat sie das. 46 nahezu identische neue Aufnahmen. 45 davon löschen? Wo denke ich hin. Denn auf Bild 17 guckt das Pferd doch „irgendwie süßer“. Sieht man doch sofort.
Und falls jetzt jemand mitgezählt hat: Ja. Das waren nur fünf. Richtig erkannt. Wir haben heute aber nicht mehr Zeit. Die anderen kommen später. Ganz sicher. Aber jetzt mal ganz ehrlich: Genau deshalb lieben wir Pferdemädchen doch.
Weil sie sich kümmern. Weil ihnen kein Handgriff zu viel ist. Und weil sie ihr Pferd am Geräusch des Hufschlags erkennen, während der Rest von uns noch versucht herauszufinden, welches von den braunen Pferden eigentlich ihres ist.
Und wenn ihr jetzt mal ganz genau hinguckt, erinnert euch das alles nicht auch erschreckend stark an Landwirte? Und habt ihr nicht auch das Gefühl, dass wir bei denen mit zehn Mythen nicht auskommen?
Ob wir darauf verzichten, uns das irgendwann genauer anzuschauen?
Aber wahrscheinlich nicht.
Autor:
Redaktion Land und Region
Christian Kluge
Fotos: Kluge Kommunikation