04.02.2026 – land und region

So, heute reden wir über etwas, das in Brüssel erstaunlich leise beschlossen wurde – obwohl es unsere Felder ziemlich laut verändern könnte. Neue genomische Techniken. Klingt wie ein Passwort fürs WLAN. Ist aber Pflanzenzüchtung.

Das EU-Parlament hat einem Kompromiss zugestimmt, der es erlaubt, Pflanzen aus modernen Verfahren wie Genom-Editierung schneller auf den Acker zu bringen.
Weniger Bürokratie. Kürzere Wege. Mehr Praxis. Und jetzt wird’s interessant.

Konkret reden wir hier über Verfahren wie CRISPR-Cas. Das ist kein Frankenstein-Labor, sondern eher eine präzise Schere im Erbgut. Nichts Fremdes rein, nichts Wildes dran nur gezielt korrigieren, was die Natur oft selbst auch macht. Nur langsamer.

Es geht hier nicht um leuchtende Maiskolben oder Tomaten mit USB-Anschluss. Es geht um gezielte, kleine Veränderungen, die auch durch klassische Züchtung oder die Natur selbst entstehen könnten. Nur viel schneller.

Natürlich gibt es Kritik. Kennzeichnung. Rückverfolgbarkeit. Patente. Die Angst, dass am Ende wieder ein paar Konzerne den Daumen draufhalten. Alles valide Punkte. Und ja, die muss man klären. Sauber. Transparent. Ohne Nebelkerzen. Aber was nicht hilft, ist so zu tun, als könnten wir die Herausforderungen von morgen mit dem Werkzeugkasten von gestern lösen.

Denn ganz ehrlich: Wir verlangen von Landwirten weniger Dünger, weniger Pflanzenschutz, mehr Biodiversität, mehr Klimaresilienz, mehr Ertragssicherheit und am besten noch bei jedem Wetter gute Laune. Aber wenn es um Innovation geht, heißt es plötzlich: Nein, bitte nur mit Handkurbel und Pferdegeschirr.

Das Absurde ist doch: Dieselben Leute, die jede neue Technik in der Landwirtschaft verteufeln, vertrauen blind auf Hightech in Medizin, Mobilität und Kommunikation. Da ist Fortschritt super.

Neue genomische Techniken sind kein Allheilmittel. Sie ersetzen keine guten Fruchtfolgen, keine Bodenpflege und keinen gesunden Menschenverstand. Aber sie können ein Werkzeug sein. Eins von mehreren. Und wer Landwirtschaft wirklich zukunftsfähig machen will, sollte Werkzeuge nicht aus ideologischen Gründen wegwerfen.

Die eigentliche Frage ist also nicht, ob diese Technik kommt. Die Frage ist, ob wir sie gestalten, begleiten und kontrollieren. Oder ob wir wieder zuschauen, wie andere Regionen der Welt wieder vorangehen.

Ob wir in Deutschland bereit sind, moderne Pflanzenzüchtung mit Verantwortung, Augenmaß und ohne ideologische Scheuklappen zuzulassen?

Aber wahrscheinlich nicht.

Autor:

Redaktion Land und Region
Christian Kluge

Fotos: Kluge Kommunikation

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