04.06.2026 – land und region
Am 2. Juni war Staatsrat Jan Fries gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern des Bremischen Landwirtschaftsverbandes, der Landwirtschaftskammer Bremen sowie der Landwirtschaftsbehörde auf Sommertour durch die Bremer Landwirtschaft. Ziel der Tour war es, konkrete Einblicke in die Arbeit der Betriebe zu geben, aktuelle Herausforderungen direkt vor Ort zu besprechen und den Dialog zwischen Landwirtschaft, Verwaltung und Politik weiter zu stärken.
Besucht wurden zwei sehr unterschiedliche Betriebe im Land Bremen, die auf ihre Weise zeigen, wie vielfältig, engagiert und zukunftsorientiert Landwirtschaft im Stadtstaat ist.
Die erste Station führte auf einen familiengeführten Milchviehbetrieb in Bremen-Timmersloh. Im Mittelpunkt standen die Betriebsentwicklung, die tägliche Arbeit mit der Milchviehherde und das Zuchtkonzept des Betriebes. Besonders deutlich wurde dabei, wie wichtig robuste, gesunde und langlebige Tiere für eine zukunftsfähige Milchviehhaltung sind. Der Betrieb setzt bewusst auf eine Herde, die zu den eigenen Standortbedingungen passt und sowohl Leistungsfähigkeit als auch Tiergesundheit im Blick behält.
Neben der Tierhaltung beeindruckte besonders das Engagement im Bereich Kinderbildung. Der Betrieb zeigt jungen Menschen, woher Lebensmittel kommen, wie Landwirtschaft funktioniert und welche Verantwortung hinter der Erzeugung von Milch steht. Gerade in einer zunehmend urban geprägten Gesellschaft ist diese Bildungsarbeit von großer Bedeutung. Sie schafft Verständnis, baut Vorurteile ab und bringt Landwirtschaft wieder näher an die Menschen.
Die zweite Station war ein Biobetrieb in Bremen-Oberneuland mit Mutterkuhhaltung, Direktvermarktung und Pensionspferdehaltung. Auch hier wurde deutlich, wie breit die Aufgaben landwirtschaftlicher Betriebe heute sind. Neben der Erzeugung hochwertiger Lebensmittel spielen Landschaftspflege, Tierhaltung, regionale Vermarktung und Dienstleistungen für den ländlichen Raum eine wichtige Rolle.
Besonders intensiv diskutiert wurden auf diesem Betrieb die Themen Grünlandnutzung, regionale Schlachthofinfrastruktur und Hitzeschutz bei Weidetieren. Gerade der Hitzeschutz ist derzeit ein sehr sensibles und angespanntes Thema. Klar wurde: Tierschutz ist für die Betriebe selbstverständlich. Gleichzeitig müssen mögliche Anforderungen so gestaltet werden, dass sie in der Praxis umsetzbar bleiben, Weidehaltung nicht verhindern und keine zusätzlichen bürokratischen oder wirtschaftlichen Belastungen schaffen, die Betriebe überfordern.
Auch die Frage der Schlachthofinfrastruktur wurde deutlich angesprochen. Für Betriebe mit Mutterkuhhaltung und Direktvermarktung sind regionale, erreichbare und verlässliche Strukturen entscheidend. Ohne passende Verarbeitung und Vermarktung vor Ort wird es schwierig, regionale Wertschöpfung dauerhaft zu sichern.
Für den Bremischen Landwirtschaftsverband ist die Sommertour ein wichtiger Baustein der politischen Arbeit. Viele Fragen lassen sich am besten dort erklären, wo sie entstehen: auf den Höfen, auf den Flächen und im direkten Gespräch mit den Menschen, die täglich Verantwortung tragen. Landwirtschaft ist komplex. Sie lässt sich nicht allein aus Akten, Verordnungen oder Konzeptpapieren verstehen.
Umso wichtiger ist es, dass Politik und Verwaltung bereit sind, genau hinzusehen und zuzuhören. Die Tour hat gezeigt, wie wertvoll der direkte Austausch ist. Probleme können konkret benannt, Zusammenhänge besser verstanden und mögliche Lösungen gemeinsam diskutiert werden.
Der Bremische Landwirtschaftsverband bedankt sich ausdrücklich bei beiden Betrieben, die sich die Zeit genommen haben, ihre Arbeit, ihre Perspektiven und ihre Herausforderungen offen darzustellen. Solche Gespräche sind nicht selbstverständlich, aber sie sind unverzichtbar, wenn Landwirtschaft in Bremen auch künftig eine verlässliche Perspektive haben soll.
Unser Dank gilt ebenso Staatsrat Jan Fries, der Landwirtschaft nicht nur am Schreibtisch betrachtet, sondern den Dialog vor Ort sucht. Genau diesen Austausch braucht es: sachlich, direkt und auf Augenhöhe.
Denn eines ist klar: Die Zukunft der Landwirtschaft in Bremen kann nur gemeinsam gestaltet werden – mit den Betrieben, mit der Verwaltung und mit der Politik.
Grüße gehen raus ins Land und die Region.
Autor:
Redaktion Land und Region
Christian Kluge
Fotos: Kluge Kommunikation