19.07.2026 – land und region
So, heute möchte ich mich einmal ganz offiziell bei allen entschuldigen, die nachts um halb elf von einem Mähdrescher oder einem Trecker geweckt wurden. Wirklich. Das war so nicht geplant.
Und glaubt mir: Das liegt nicht daran, dass Landwirte grundsätzlich hobbylos sind und sich abends um zehn denken: „Mensch, was könnten wir jetzt noch Schönes machen?“ Nein. Landwirte würden wirklich gerne morgen weitermachen. Aber das Wetter hat den Termin leider nicht bestätigt.
Landwirtschaft hat nämlich nur einen echten Chef. Der heißt Wetter. Und dieser Chef hat von kooperativem Führungsstil und empathischer Mitarbeiterführung ungefähr so viel Ahnung wie eine Kuh vom Onlinebanking.
Außerdem ist er ungefähr so planbar wie eine Katze auf drei Espressi. Morgens sagt er: „Heute habt ihr frei.“ Und mittags: „Kleine Planänderung. Heute arbeiten wir bis Mitternacht.“ Und Beschwerden? Klar, kannst du einreichen unter der E-Mail Adresse beschwerde@juckt_keinen.de.
Aber ganz ehrlich: Wenn es läuft, macht es den Landwirten natürlich auch Spaß. Die Ernte ist eine tolle Zeit. Andere Menschen planen ihren Feierabend. Landwirte planen… NIX. Also schon. Nur ungefähr mit der Verbindlichkeit eines Sitzplatzes in der Deutschen Bahn ohne Reservierung.
Und natürlich gibt es während der Ernte noch das Familienleben. Also theoretisch. Du bist bei deinem eigenen Grillabend nicht dabei, obwohl du die Idee hattest. Deine Frau wirkt wochenlang wie eine alleinerziehende Mutter. Nur dass im Dorf keiner mitbekommen hat, dass du die Familie verlassen hast.
Deine Tochter hat Geburtstag? Kein Problem. Das Geburtstagsküsschen gibt’s
direkt auf dem Mähdrescher. Und „Happy Birthday“ wird über Funk gesungen. Romantik können wir.
Also, wenn nachts Trecker durchs Dorf fahren oder Mähdrescher, Überladewagen und Ballenpressen hinter eurem Haus auftauchen, dann nicht, weil die Landwirte beschlossen haben, euch persönlich den Schlaf zu rauben.
Sondern weil Getreide erstaunlicherweise nicht alleine nach Hause läuft. Es aber genau jetzt nach Hause muss. Wir hätten es auch gerne bis morgen früh auf dem Feld stehen lassen. Der Regen fand die Idee aber scheiße.
Deshalb, wenn ihr in den nächsten Wochen abends noch einen Trecker oder einen Mähdrescher hört denkt vielleicht nicht zuerst: „Muss das jetzt sein?“ Sondern: „Hoffentlich bekommen sie ihre Ernte noch trocken nach Hause.“
Aber wahrscheinlich nicht.
Autor:
Redaktion Land und Region
Christian Kluge
Fotos: Kluge Kommunikation