25.08.2026 – land und region
Wenn es trocken wird, beginnt in Deutschland inzwischen ein ziemlich verlässliches Ritual. Wir schauen auf vertrocknete Felder. Wir sprechen über Ertragseinbußen. Wir rechnen Schäden zusammen. Und irgendwann kommt die Frage, ob und welche Hilfen die betroffenen landwirtschaftlichen Betriebe bekommen sollen.
Diese Diskussion ist notwendig. Wer durch außergewöhnliche Wetterbedingungen erhebliche wirtschaftliche Schäden erleidet, dem hilft keine langfristige Strategie bei der Rechnung, die nächsten Monat bezahlt werden muss.
Aber genau deshalb sollten wir zwei Dinge endlich voneinander trennen:
Krisenhilfe für heute und eine Strategie für morgen.
Denn Trockenperioden, Hitze und regionaler Wassermangel sind keine vollkommen überraschenden Ereignisse mehr. Landwirtschaft muss sich auf veränderte klimatische Bedingungen einstellen. Und damit stellt sich eine viel größere Frage als die nach der nächsten Soforthilfe:
Wie wollen wir unter diesen Bedingungen künftig in Deutschland Lebensmittel produzieren?
Dabei geht es zunächst um Wasser.
Wo steht Wasser künftig zur Verfügung? Wie können wir Niederschläge besser in der Landschaft halten? Wo brauchen wir Speicher? Wo kann und muss bewässert werden? Welche Infrastruktur wäre dafür notwendig? Wie werden unterschiedliche Ansprüche an Wasser priorisiert, wenn es knapp wird?
Das sind keine Fragen, die man sinnvoll beantworten kann, wenn der Mais bereits vertrocknet auf dem Acker steht.
Wir müssen genauso über Pflanzen sprechen.
Welche Kulturen und Sorten kommen künftig besser mit Hitze und Trockenheit zurecht? Wie schnell können neue Sorten gezüchtet und zugelassen werden? Welche Rolle können moderne Züchtungsverfahren und neue genomische Techniken dabei spielen?
Auch hier reicht es nicht, festzustellen, dass sich das Klima verändert. Wenn sich die Bedingungen verändern, müssen wir den Pflanzenbau verändern können.
Und dann kommt die vielleicht unbequemste Frage:
Welche Bedeutung soll eine heimische, bäuerliche und wertschöpfende Lebensmittelproduktion in Deutschland künftig überhaupt haben?
Denn davon hängt am Ende vieles andere ab.
Wenn wir sagen, dass die Versorgung mit Lebensmitteln eine strategische Aufgabe ist, dann müssen wir auch die Voraussetzungen schaffen, unter denen Landwirtschaft hier künftig produzieren kann.
Wir sollten uns jedenfalls nicht darauf verlassen, dass im Zweifel einfach irgendwo anders auf der Welt genügend Lebensmittel für uns produziert werden.
Der Klimawandel endet schließlich nicht an der deutschen Grenze. Viele wichtige Agrarregionen der Welt stehen selbst vor erheblichen Herausforderungen durch Hitze, Trockenheit und Wasserknappheit. Und wenn Lebensmittel international knapp werden, wird jedes Land zunächst darauf achten, die eigene Bevölkerung zu versorgen.
Globaler Handel bleibt wichtig. Aber Importe ersetzen keine eigene Versorgungssicherheit. Deshalb halte ich auch nichts davon, Soforthilfen gegen langfristige Anpassung auszuspielen. Wir brauchen möglicherweise beides.
Wer heute unverschuldet in einer existenziellen Situation steckt, braucht unter Umständen heute Unterstützung. Aber wer weiß, dass bestimmte Risiken morgen wiederkommen können, braucht zusätzlich einen Plan.
Einen Plan für Wasser.
Einen Plan für Forschung und Pflanzenzüchtung.
Einen Plan für Infrastruktur.
Einen Plan dafür, welche Landwirtschaft wir unter veränderten klimatischen Bedingungen überhaupt noch ermöglichen wollen.
Und vor allem eine politische Antwort auf die Frage, welchen Wert es für dieses Land hat, einen erheblichen Teil seiner Lebensmittel weiterhin selbst produzieren zu können.
Vielleicht wäre genau jetzt der richtige Zeitpunkt, darüber zu sprechen.
Nicht nach der nächsten Dürre.
Sondern vorher.
Grüße gehen raus ins Land und die Region.
Autor:
Redaktion Land und Region
Christian Kluge
Fotos: Kluge Kommunikation