03.06.2026 – land und region

So, kurze Frage: Wann haben wir eigentlich aufgehört, auf Arbeit Rücksicht zu nehmen? Auslöser heute: Ein Wirtschaftsweg. Mit Parkverbot. Mit Schildern. Mitten zwischen Feldern. Und trotzdem stehen die Autos dort, wie zur Mittagszeit im Drive-in einer Burgerbude.

Und bevor jetzt einer fragt: „Warum steht denn ausgerechnet dort ein Parkverbot?“ Wahrscheinlich nicht, weil die Gemeinde gedacht hat: „Komm, wir fahren mal raus ins komplette Niemandsland und verbieten dort aus Spaß das Parken.“ Nein. Das Schild steht da, weil dort gearbeitet wird. Seit Jahren. Und weil dort seit Jahren Menschen stehen, die denken: „Gilt bestimmt für die anderen.“

Was ich nicht begreife: Ein Wirtschaftsweg erklärt sich doch eigentlich von selbst. Da steckt das Wort Wirtschaft schon drin. Da wird gearbeitet. Das ist ungefähr so überraschend wie Wasser im Schwimmbad. Oder Sand am Strand. Und trotzdem schaffen wir es regelmäßig, völlig überrascht zu sein, wenn dort tatsächlich jemand arbeiten möchte. Frei nach dem Motto: „Wie jetzt? Hier fährt ein Landwirt?“

Und damit sind wir beim eigentlichen Thema.

Denn ich glaube, viele Menschen stören sich gar nicht an den Ergebnissen von Arbeit. Sie stören sich an der Arbeit selbst. Der Müllwagen nervt. Aber komischerweise immer nur bei den Tonnen der anderen. Die eigene leere Mülltonne ist natürlich ein gesellschaftlicher Meilenstein.

Der Paketdienst nervt. Vor allem wenn er in zweiter Reihe steht. Das eigene Paket soll aber bitte trotzdem morgen da sein. Schließlich muss noch dringend ein Unboxing-Video für TikTok gedreht werden. Mit den neuesten Errungenschaften der internationalen Containerschifffahrt.

Der Landwirt auf dem Wirtschaftsweg nervt. Das volle Supermarktregal gilt als Naturgesetz. Merkt ihr das Muster? Wir lieben die Ergebnisse von Arbeit. Aber die Arbeit selbst soll bitte so stattfinden, dass wir sie weder sehen, noch hören, noch bemerken. Und vor allem soll sie niemals unsere Komfortzone tangieren oder unser persönliches Freizeiterlebnis beeinträchtigen.

Und genau deshalb finde ich diese Wirtschaftswege inzwischen fast schon symbolisch. Da steht ein Schild. Da steht sogar ein Parkverbot. Da steht praktisch: „Bitte freihalten. Hier wird gearbeitet.“ Und trotzdem lautet die Antwort mancher Menschen: „Ja, aber ich doch nicht.“

Spoileralarm: Doch. Freizeit fällt nämlich nicht morgens vom Himmel wie Manna in der Wüste. Die existiert nur, weil irgendwo gerade jemand arbeitet. Verrücktes Konzept, ich weiß. Muss man erstmal drauf kommen.

Aber wahrscheinlich nicht

Autor:

Redaktion Land und Region
Christian Kluge

Fotos: Kluge Kommunikation

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