18.09.2026 – land und region
Im Spätsommer und Herbst kann man auf den Feldern riesige Maschinen beobachten. Sie fahren durch meterhohe Maispflanzen, schneiden ganze Reihen ab und kurze Zeit später fliegen kleine Maisstückchen durch ein langes Rohr in einen Wagen neben dem Häcksler.
Aber warum macht sich der Bauer eigentlich die Mühe, den ganzen Mais in kleine Stücke zu schneiden? Warum wird er nicht einfach wie Gras gemäht? Die Antwort hat damit zu tun, wofür der Mais später gebraucht wird.
Mais ist nicht gleich Mais
Wenn wir an Mais denken, stellen wir uns meistens zuerst die gelben Körner an einem Maiskolben vor. Eine Maispflanze besteht aber aus viel mehr: aus einem kräftigen Stängel, großen Blättern und den Maiskolben mit ihren Körnern.
In der Landwirtschaft kann Mais deshalb unterschiedlich genutzt werden.
Beim Körnermais interessieren vor allem die Körner. Die Pflanzen bleiben länger auf dem Feld und werden schließlich gedroschen. Beim Silomais wird dagegen fast die gesamte oberirdische Maispflanze geerntet. Stängel, Blätter, Kolben und Körner werden gemeinsam zerkleinert.
Was macht ein Maishäcksler?
Vorne am Feldhäcksler befindet sich das sogenannte Maisgebiss. Es nimmt die Maispflanzen auf und schneidet sie ab. Im Inneren der Maschine werden die langen Pflanzen anschließend in viele kleine Stücke zerkleinert.
Doch damit ist die Arbeit noch nicht beendet. Auch die Maiskörner müssen möglichst gut aufgebrochen werden. Dafür besitzt ein moderner Feldhäcksler einen Kornaufbereiter, der häufig auch Corncracker genannt wird.
Das ist wichtig, weil die harte Schale eines unbeschädigten Maiskorns die Verdauung erschweren kann. Durch das Aufbrechen kann die Stärke im Korn vom Tier besser genutzt werden. Am Ende schleudert der Häcksler das zerkleinerte Erntegut durch seinen Auswurfkrümmer in einen Anhänger, der neben ihm über das Feld fährt.
Warum werden die Pflanzen so klein gehäckselt?
Silomais soll nach der Ernte haltbar gemacht werden. Dafür wird das Häckselgut zum Hof oder zu einer Siloanlage gebracht. Dort wird es in dünnen Schichten verteilt und mit schweren Fahrzeugen immer wieder festgefahren. Das nennt man Verdichten.
Je besser das zerkleinerte Pflanzenmaterial zusammengepresst werden kann, desto weniger Luft bleibt zwischen den Pflanzenteilen. Und genau das ist entscheidend für das, was anschließend im Silo passiert.
Was passiert im Silo?
Wenn der Mais gut verdichtet ist, wird das Silo sorgfältig luftdicht abgedeckt. Nun beginnen winzige Helfer mit ihrer Arbeit: Milchsäurebakterien. Sie nutzen Zucker aus den Pflanzen und bilden daraus unter anderem Milchsäure. Dadurch sinkt der pH-Wert und das Pflanzenmaterial wird konserviert.
Diesen Vorgang nennt man Silierung.
Am Ende ist aus den frischen Maispflanzen Maissilage geworden. Sie kann über viele Monate gelagert und beispielsweise an Rinder verfüttert werden. Silomais wird außerdem als Substrat in Biogasanlagen genutzt.
Warum würde einfaches Mähen nicht reichen?
Stellt euch vor, der Bauer würde die zwei oder drei Meter langen Maispflanzen lediglich unten abschneiden und anschließend als ganze Pflanzen in ein Silo legen. Zwischen Stängeln, Blättern und Kolben würden sehr große Zwischenräume bleiben. Das Material ließe sich nur schlecht gleichmäßig verteilen und verdichten.
Genau das wäre für eine gute Silierung ungünstig.
Durch das Häckseln entsteht dagegen ein gleichmäßigeres Erntegut, das sich wesentlich besser verteilen und verdichten lässt.
Der Mais wird also nicht einfach deshalb kleingeschnitten, damit er leichter transportiert werden kann. Das Häckseln ist ein wichtiger Teil der späteren Konservierung.
Wie klein wird der Mais gehäckselt?
Das lässt sich nicht mit einer einzigen Zahl beantworten. Wie lang die einzelnen Pflanzenstücke sein sollen, hängt unter anderem vom Trockenmassegehalt des Maises, der späteren Verwendung und dem gewählten Ernteverfahren ab.
Bei klassischer Maissilage liegen typische Häcksellängen im Bereich unter einem Zentimeter. Es gibt aber auch Verfahren mit deutlich längeren Pflanzenstücken. Grundsätzlich gilt bei der Silierung: Je trockener das Erntegut wird, desto schwieriger lässt es sich verdichten. Dann kann eine kürzere Häcksellänge helfen.
Der Fahrer stellt seinen Feldhäcksler deshalb nicht einfach jedes Jahr gleich ein. Die Häcksellänge muss zum Mais und zum Betrieb passen.
Landwirtschaft & Maisernte
Für den Bauern ist deshalb nicht nur wichtig, wie er den Mais erntet, sondern auch wann.
Wird Silomais zu früh geerntet, ist er noch sehr feucht und hat sein Ertragspotenzial noch nicht ausgeschöpft. Wartet man dagegen zu lange, kann die Pflanze zu trocken werden. Dann lässt sich das Häckselgut schlechter verdichten und die Gefahr von Problemen bei der Silierung und späteren Nacherwärmung steigt.
Deshalb wird vor der Ernte regelmäßig kontrolliert, wie weit die Pflanzen entwickelt sind und wie hoch ihr Trockenmassegehalt ist. Als Orientierung für gut entwickelte Bestände werden für die gesamte Pflanze häufig Trockenmassegehalte um etwa 32 bis 35 Prozent angestrebt.
Der richtige Erntezeitpunkt ist also ein Kompromiss: Die Maispflanze soll weit genug entwickelt sein und gleichzeitig noch so viel Feuchtigkeit besitzen, dass sich daraus eine gute Silage herstellen lässt.
Schon gewusst?
Fast die ganze Pflanze kommt mit: Bei Silomais werden nicht nur die Maiskolben geerntet. Stängel, Blätter, Kolben und Körner werden gemeinsam gehäckselt.
Die Körner werden extra geknackt: Ein Kornaufbereiter im Häcksler sorgt dafür, dass möglichst viele Maiskörner aufgebrochen werden.
Klein hilft beim Verdichten: Zerkleinerter Mais lässt sich im Silo besser verdichten. Wenig Luft im Erntegut ist eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Silierung.
Bakterien helfen mit: Milchsäurebakterien sorgen dafür, dass aus dem gehäckselten Mais haltbare Maissilage werden kann.
Nicht jeder Mais wird gehäckselt: Soll hauptsächlich das Korn genutzt werden, kann Mais als Körnermais angebaut und gedroschen werden.
Der Häcksler kann sich anpassen: Moderne Feldhäcksler können unter anderem Informationen über den Ertrag und die Feuchtigkeit des Erntegutes erfassen. Die Schnittlänge kann an die Bedingungen angepasst werden.
Fibis Entdeckertipp
Wenn ihr während der Maisernte einen Feldhäcksler beobachten könnt, schaut euch das Zusammenspiel der Maschinen einmal aus sicherer Entfernung an.
Vorne verschwinden ganze Maispflanzen im Häcksler. Nur wenige Augenblicke später fliegen hinten Tausende kleine Pflanzenstücke durch den Auswurfkrümmer in den Anhänger des danebenfahrenden Traktors.
Und jetzt wisst ihr auch: Das Kleinschneiden ist kein Zufall.
Schon auf dem Feld wird der Mais so vorbereitet, dass er anschließend gut verdichtet und im Silo haltbar gemacht werden kann.
Aber bleibt unbedingt am Feldrand und haltet großen Abstand zu den Maschinen. Während der Ernte arbeiten dort schwere Fahrzeuge, deren Fahrer nicht jeden Bereich rund um ihre Maschinen einsehen können.
Manchmal muss man eben nur einer Erntemaschine bei der Arbeit zuschauen, um zu entdecken, wie viele Schritte nötig sind, bevor aus einer Pflanze Futter wird.
Und denkt dran: Fragen stellen ist schlau und rausgehen sowieso!
Autor:
Redaktion Land und Region
Christian Kluge
Fotos: Kluge Kommunikation