23.09.2026 – land und region

So, heute reden wir über den Spritpreis. Und ich sage es gleich: Das Maß ist voll. Landwirte müssen tanken. Lohnunternehmer müssen tanken. Speditionen müssen tanken. Handwerker müssen tanken. Und wer auf dem Land wohnt und zur Arbeit muss oder die Kinder zum Reiten bringen muss, muss meistens auch tanken.

Ja. Muss.

Und die alle wollen keine Tankstelle kaufen. Die wollen auch keine Beteiligung an einem Ölfeld. Die wollen einfach nur tanken, ohne vorher einen Kleinkredit aufzunehmen.

Und was macht die Politik? Da fällt einem nur der alte Schlager ein: Und es geht schon wieder los. Richtig. Das kann doch wohl nicht wahr sein. Da hört man wieder die alten Verdächtigen: Preisdeckel. Energiesteuer. Mehrwertsteuer. Gegenfinanzierung.

Und das Zeitfenster ist wieder flexibler als Wackelpudding. Oktober. Januar. Vielleicht dies. Vielleicht das. Und während Politik offenbar gerade versucht, aus einer Zapfsäule höhere Mathematik zu machen, gibt es da draußen ein erstaunlich einfaches Problem: Die Leute müssen tanken. Heute.

Jetzt gehen wir mal kurz zurück in der Zeit. Keine Sorge. Wir bemühen auf keinen Fall das politische Langzeitgedächtnis. Das scheint häufiger durch Abwesenheit zu glänzen. Wir gehen nur 14 Tage zurück. Nach der Wahl in Sachsen-Anhalt hörte man aus der Bundespolitik wieder diesen wunderschönen Satz: „Wir müssen unsere Politik besser erklären.“ Und die Menschen emotionaler erreichen.

Ich sag mal so: Hat nicht so ganz geklappt. Denn einen Tankzettel muss mir niemand besser erklären. Und emotionaler bitte schon gar nicht. Der ist emotional genug.

Auf dem Land ist Tanken nun mal keine Lifestyleentscheidung. Der Lohnunternehmer kann statt des Häckslers ziemlich schlecht die private Nagelschere nehmen. Der Handwerker kann seinen Werkzeugkoffer auch nicht mit der Straßenbahn zur Baustelle schicken. Und der Landwirt wird seinen Trecker eher schlecht durch ein Deutschlandticket ersetzen können.

Ja, ich weiß. Vollkommen verrückt. Nennt man aber Lebenswirklichkeit.

Und jetzt kommen wir mal zum Kern: Wer ist eigentlich dafür verantwortlich, dass Sprit gerade so teuer ist? Der Weltmarkt? Ja. Die Straße von Hormus ist Krisengebiet. Die Mineralölwirtschaft? Ja. Die müssen sich aber Leute angucken, die schlauer sind als ich. Und der Staat? Ja. Der erhebt auf jeden Liter Steuern. Und genau über diesen Teil reden wir jetzt.

Denn der Staat kann Gesetze machen. Er kann Steuern erheben. Er kann Abgaben beschließen. Und wenn es sein muss, geht das manchmal in einer Geschwindigkeit, bei der einem schwindelig wird. Aber wenn die Menschen an der Zapfsäule gerade richtig bluten, wird aus derselben Maschine plötzlich ein gemütlicher Behördenausflug.

Entschuldigung, aber das hat mir noch keiner so erklärt, dass selbst ich es verstehe: Wenn der Staat die Steuer festlegt, wer genau hindert ihn dann daran, sie in einer Krise schneller zu senken? Gollum? Darth Vader?

Und dann kommt eines meiner politischen Lieblingswörter: Gegenfinanzierung. Herrlich. Kaum wird über Entlastungen gesprochen, wird gleichzeitig darüber geredet, wo das Geld dafür wieder herkommen soll. Ich will ja nicht klugscheißen, aber: Das ist auch unser Geld. Rechte Tasche. Linke Tasche. Macht für die Menschen, die steuern zahlen müssen, nur leider einen ziemlich überschaubaren Unterschied.

Und aus dieser Logik heraus habe ich zum Schluss noch einen konstruktiven Vorschlag. Den Bürokratieabbau denke ich gleich mit: Würde es nicht viel mehr Sinn machen, wenn die Leute beim nächsten Tanken die Steuerentlastung einfach selbst an der Kasse abziehen? Einfach. Schnell. Unbürokratisch.

Aber wahrscheinlich nicht.

 

Autor:

Redaktion Land und Region
Christian Kluge

Fotos: Kluge Kommunikation

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