02.11.2026 – land und region
1,32 Euro bekommt ein Schweinehalter derzeit für ein Kilogramm Schlachtgewicht. Das ist der Preis, zu dem seine Tiere den Hof verlassen. Davon muss er das Ferkel, das Futter, den Stall, die Energie und seine Arbeit bezahlen. Und genau das gelingt bei diesem Preis nicht mehr.
Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter rechnet vor: Um sämtliche Kosten für Ferkelerzeugung und Mast zu decken, wären derzeit im Durchschnitt rund 2,05 Euro je Kilogramm nötig. Bei einem Schwein fehlen damit rechnerisch gut 70 Euro. Nicht einmalig. Bei jedem Tier. Wer so verkauft, lebt nicht von seiner Arbeit. Er bezahlt dafür, dass er sie weiter machen kann. Und er arbeitet gegen die Substanz seines Betriebs.
Gleichzeitig erwarten wir von diesen Betrieben mehr Tierwohl, mehr Platz, bessere Ställe und hohe Umweltstandards. Ich bin für bessere Bedingungen in der Tierhaltung. Aber wer sie fordert, muss auch sagen, wie die Betriebe sie bezahlen sollen. Einen Stall baut niemand mit Applaus. Und einen Kredit bedient niemand mit dem Versprechen, dass die Verbraucher irgendwann vielleicht mehr bezahlen.
Genau hier hat die Politik eine Verantwortung. Über Jahre wurde über den Umbau der Tierhaltung gesprochen. Die Borchert-Kommission hat dafür Vorschläge erarbeitet. Sie wurden aber nie umgesetzt. Dann wurde auch noch das staatliche Förderprogramm für den Umbau der Tierhaltung vorzeitig beendet. Den Betrieben wird eine Zukunft beschrieben, für die ihnen die verlässliche Finanzierung fehlt.
Und während über die Zukunft gesprochen wird, geben Betriebe auf. In Deutschland werden heute rund 22 Prozent weniger Schweine gehalten als vor zehn Jahren. Die Zahl der schweinehaltenden Betriebe ist in dieser Zeit sogar um 40 Prozent gesunken. Hinter diesen Zahlen stehen Familien, Ställe, Arbeitsplätze und ganze Regionen, in denen die Schweinehaltung zur wirtschaftlichen Grundlage gehört.
Dann heißt es, die Nachfrage nach Schweinefleisch sei gesunken. Das kann man feststellen. Man sollte aber auch darüber sprechen, welches Bild von der Schweinehaltung und ihrem Produkt über Jahre gezeichnet wurde. Wer Schweinefleisch nur noch als Problem beschreibt, darf sich über weniger Käufer nicht wundern. Jeder kann entscheiden, ob und wie viel Fleisch er isst. Aber aus dieser Entscheidung folgt keine Erlaubnis, die Menschen verächtlich zu machen, die es erzeugen.
Und die Marktpartner? Schlachtunternehmen, Verarbeiter, Gastronomie und Supermärkte reden gern über Tierwohl, Nachhaltigkeit und regionale Herkunft. Dann erwarte ich, dass diese Worte beim Einkauf noch etwas gelten. Was ist ein Bekenntnis zur heimischen Landwirtschaft wert, wenn der Preis für ihre Erzeugnisse nicht einmal die Kosten deckt?
Natürlich kann kein Supermarkt allein den Schweinemarkt reparieren. Aber alle zusammen prägen, was für Fleisch angeboten wird und welchen Wert regionale Erzeugung im Alltag tatsächlich hat. Wer höhere Standards verkaufen will, muss sie auch bezahlen. Sonst bleibt Regionalität ein Satz auf der Verpackung.
Ich will nicht, dass Schweinehalter auf Dauer von Hilfsprogrammen leben. Ich will, dass sie von ihrer Arbeit leben können. Dafür brauchen sie faire Erlöse, verlässliche Regeln und die Aussicht, dass sich Investitionen in bessere Haltung überhaupt noch tragen.
Denn wenn der letzte Betrieb seine Stalltür geschlossen hat, kann niemand mehr regionales Schweinefleisch kaufen.
Grüße gehen raus ins Land und die Region.
Autor:
Redaktion Land und Region
Christian Kluge
Fotos: Kluge Kommunikation