02.11.2026 – land und region
So, heute reden wir mal über 1,32 Euro. Das ist der aktuelle Erzeugerpreis für ein Kilogramm Schwein. Schlachtgewicht! Laut Experten müssten es mindestens 2,20 Euro sein, damit ein Betrieb wirtschaftlich arbeiten kann. Es fehlen also 88 Cent. Pro Kilogramm!
Und bevor jetzt wieder irgendein Dreimalkluger meint, 88 Cent seien doch nicht viel: Ein Schwein bringt derzeit rund 99 Kilogramm Schlachtgewicht auf die Waage. Macht 87 Euro pro Schwein. Bei 800 Mastplätzen sind das knapp 70.000 Euro!
70.000 Euro, die einem Betrieb in einem einzigen Mastdurchgang fehlen, um wirtschaftlich arbeiten zu können!
Und jetzt mal eine Frage an jeden Einzelnen von euch: Wie viel Geld bringt ihr eigentlich jeden Tag von eurem Ersparten mit ins Büro, auf die Baustelle oder ans Fließband, damit ihr dort arbeiten dürft?
Keinen Cent? Ach guck!
Und während die Schweinehalter jeden Tag Geld verlieren, erklärt ihnen die Politik, wie ihre Ställe in Zukunft auszusehen haben. Mehr Tierwohl! Mehr Platz! Neue Ställe! Höhere Standards! Und natürlich alles möglichst klimafreundlich!
Und damit das auch alles funktioniert, hat die Politik ganze Arbeit geleistet. Die Vorschläge der Borchert-Kommission? Nicht umgesetzt. Das staatliche Förderprogramm für den Umbau der Tierhaltung? Vorzeitig abgewickelt. Gleiche Wettbewerbsbedingungen in Europa? Dafür war offenbar keine Zeit.
Die Betriebe sollen also Europas Zukunftsställe bauen, während sie nicht einmal die Gegenwart bezahlt bekommen. Herzlichen Glückwunsch! So schafft man Planungssicherheit. Und Entwicklung? In Deutschland ist der Schweinebestand innerhalb von zehn Jahren um etwa 20 Prozent geschrumpft.
Aber Hauptsache, wir halten hier immer weniger Schweine. Dann ist die Welt ja offenbar ein besserer Ort. Und woher unser Schweinefleisch künftig kommt und unter welchen Bedingungen es erzeugt wird? Scheißegal. Hauptsache, nicht mehr vor der eigenen Haustür.
Und dann meine Lieblingsbegründung für den Preisverfall: Die Binnennachfrage ist gesunken. Ach was! Wen wundert das denn?
Schweinefleisch war in den letzten Jahren doch an allem schuld. Fett! Ungesund! Umweltschädlich! Passte wunderbar ins ideologische Feindbild. Und weil Schweinefleisch offenbar auch noch ein diskriminierendes Lebensmittel ist, wurde es mancherorts gleich für alle vom Speiseplan gestrichen.
Eines möchte ich hier mal unmissverständlich festhalten: Ein Schwein diskriminiert niemanden.
Und an Schlachtunternehmen, Verarbeiter, Gastronomie und Supermarktketten habe ich auch noch eine Frage: Wie lange wollt ihr eigentlich noch Tierwohl, Regionalität und Nachhaltigkeit predigen, während ihr beim Einkauf zuseht, wie die heimischen Schweinehalter vor eurer Haustür vor die Hunde gehen?
Wisst ihr, was ich glaube? Regionalität ist euch einfach scheißegal. Hauptsache, der Einkaufspreis stimmt.
Und zum Schluss habe ich noch ein paar Fragen an alle:
Glaubt ihr wirklich, dass ihr weiter Landwirte freiwillig für noch mehr Tierwohl- und Umweltprojekte gewinnt, während sie zusehen, wie ihre Kollegen wirtschaftlich vor die Hunde gehen?
Glaubt ihr wirklich, dass unser Essen besser und unsere Versorgung sicherer wird, wenn wir die Erzeugung vor der eigenen Haustür kaputtgehen lassen?
Und glaubt ihr wirklich, dass ganze Regionen, deren Arbeitsplätze, Einkommen und Wirtschaftskraft an der Schweinehaltung hängen, tatenlos zusehen, wie ihre wirtschaftliche Grundlage den Bach runtergeht?
Aber wahrscheinlich nicht.
Autor:
Redaktion Land und Region
Christian Kluge
Fotos: Kluge Kommunikation