30.10.2026 – land und region

Stellt euch vor, ihr geht im Herbst an einem Acker vorbei. Das Getreide ist längst geerntet, der Mähdrescher steht wieder auf dem Hof und eigentlich könnte das Feld jetzt leer sein. Aber dort wächst schon wieder etwas!

Manchmal sind es kleine grüne Pflanzen, manchmal ein dichter grüner Teppich. Auf manchen Feldern blühen sogar noch gelbe, weiße oder violette Blüten. Hat der Bauer etwa vergessen, dass die Ernte schon vorbei ist?

Natürlich nicht!

Er hat ganz bewusst neue Pflanzen ausgesät. Und das Erstaunliche daran ist: Viele dieser Pflanzen möchte er gar nicht ernten. Aber warum macht er sich dann die ganze Arbeit? Die Antwort liegt vor allem dort, wo wir sie gar nicht sehen können: unter der Erde.

Was sind eigentlich Zwischenfrüchte?

Zwischenfrüchte sind Pflanzen, die zwischen zwei Hauptkulturen auf einem Acker angebaut werden. Eine Hauptkultur ist beispielsweise Weizen, Mais, Gerste oder Zuckerrüben. Diese Pflanzen baut der Landwirt an, um später ihre Körner, Knollen oder andere Pflanzenteile zu ernten.

Wenn eine Hauptkultur geerntet ist und bis zur nächsten Aussaat noch Zeit bleibt, kann der Bauer Zwischenfrüchte anbauen.

Ein Beispiel:

Im Sommer wird auf einem Feld Weizen geerntet. Im nächsten Frühjahr soll dort Mais wachsen. Dazwischen liegen mehrere Monate. Statt den Acker in dieser Zeit unbewachsen zu lassen, sät der Bauer Zwischenfrüchte aus.

Diese Pflanzen wachsen im Spätsommer und Herbst und erfüllen dabei wichtige Aufgaben. Sie sind also keine vergessene Ernte, sondern eine bewusst angebaute Kultur mit einem ganz bestimmten Zweck.

Aussehen & Merkmale – Welche Pflanzen werden als Zwischenfrüchte angebaut?

Zwischenfrüchte können ganz unterschiedlich aussehen. Manche haben große Blätter, andere feine Halme oder auffällige Blüten. Häufig werden beispielsweise folgende Pflanzen verwendet:

Gelbsenf: Er wächst schnell und bildet viele Blätter. Seine gelben Blüten erinnern an kleine Rapsblüten.

Ölrettich: Er entwickelt kräftige Wurzeln und wird häufig zur Bodenbedeckung eingesetzt.

Phacelia: Sie wird auch Bienenfreund genannt. Ihre violettblauen Blüten können von vielen Insekten besucht werden.

Alexandrinerklee und andere Kleearten: Sie gehören zu den Leguminosen und können mithilfe von Knöllchenbakterien Stickstoff aus der Luft binden.

Häufig säen Bauern nicht nur eine Pflanzenart aus, sondern gleich mehrere zusammen. Das nennt man eine Zwischenfruchtmischung. Dabei können sich die unterschiedlichen Eigenschaften der Pflanzen ergänzen. Manche wachsen besonders schnell, andere bilden tiefe Wurzeln oder bieten Insekten Nahrung.

Warum ist es gut, wenn ein Acker bewachsen bleibt?

Ein unbewachsener Acker ist Wind und Regen stärker ausgesetzt. Wenn heftiger Regen auf offenen Boden fällt, können die Regentropfen kleine Bodenteilchen lösen. Fließt anschließend Wasser über die Oberfläche, kann es diese Teilchen mitnehmen. Das nennt man Bodenerosion.

Auch starker Wind kann trockene, ungeschützte Erde forttragen. Zwischenfrüchte helfen, den Boden davor zu schützen. Ihre Blätter fangen einen Teil der Regentropfen ab. Die Wurzeln halten Bodenteilchen zusammen und die Pflanzen bedecken die Oberfläche.

So kann weniger Boden durch Wasser und Wind verloren gehen. Zwischenfrüchte sind deshalb wie eine lebendige Schutzdecke für den Acker.

Was machen Zwischenfrüchte unter der Erde?

Jetzt wird es besonders spannend. Denn während wir über der Erde Blätter und Blüten sehen, passiert unter unseren Füßen noch viel mehr. Zwischenfrüchte bilden Wurzeln. Diese wachsen durch den Boden, nehmen Wasser und Nährstoffe auf und erschließen dabei unterschiedliche Bodenschichten.

Manche Pflanzen besitzen kräftige Pfahlwurzeln. Andere bilden ein dichtes Netz aus feinen Wurzeln. Wenn die Pflanzen später absterben, bleiben ihre Wurzeln zunächst im Boden zurück. Sie werden nach und nach von Bodenlebewesen zersetzt.

Dabei können kleine Hohlräume und Wurzelkanäle entstehen, durch die später Wasser und Luft in den Boden gelangen. Die Bodenstruktur kann also davon profitieren. Deshalb sind Zwischenfrüchte nicht nur für das wichtig, was auf dem Acker wächst. Sie leisten einen großen Teil ihrer Arbeit unsichtbar unter der Erde.

Warum nehmen Zwischenfrüchte Nährstoffe auf?

Pflanzen brauchen Nährstoffe, um wachsen zu können. Einer davon ist Stickstoff. Nach der Ernte einer Hauptkultur können noch pflanzenverfügbare Nährstoffe im Boden vorhanden sein.

Bleibt der Acker unbewachsen, können insbesondere Nitratverbindungen bei starken Niederschlägen mit dem Sickerwasser in tiefere Bodenschichten gelangen.

Diesen Vorgang nennt man Auswaschung.

Zwischenfrüchte können einen Teil des noch verfügbaren Stickstoffs aufnehmen und in ihren Blättern, Stängeln und Wurzeln speichern. Dadurch wird das Risiko verringert, dass dieser Stickstoff während der Wachstumszeit der Zwischenfrucht ausgewaschen wird.

Wenn die Pflanzen später absterben und ihre Reste zersetzt werden, können die gespeicherten Nährstoffe nach und nach wieder freigesetzt werden. Ein Teil davon kann anschließend der nächsten Hauptkultur zur Verfügung stehen.

Wie gut das funktioniert, hängt unter anderem von der Pflanzenart, dem Wachstum, dem Boden und dem Zeitpunkt der Zersetzung ab.

Können Zwischenfrüchte sogar neuen Stickstoff sammeln?

Ja, bestimmte Zwischenfrüchte können das. Dazu gehören beispielsweise Kleearten, Wicken und andere Leguminosen. Diese Pflanzen leben mit besonderen Bakterien zusammen, die sich in kleinen Knöllchen an ihren Wurzeln befinden.

Die Bakterien können Stickstoff aus der Luft binden und in eine Form umwandeln, die von Pflanzen genutzt werden kann. Dafür erhalten die Bakterien von der Pflanze Energie und andere Stoffe. Beide profitieren also voneinander.

Diese Zusammenarbeit nennt man Symbiose.

Warum freuen sich Regenwürmer über Zwischenfrüchte?

Regenwürmer gehören zu den wichtigsten Bewohnern unserer Ackerböden. Sie fressen abgestorbene Pflanzenteile und anderes organisches Material. Dabei ziehen manche Regenwurmarten Pflanzenreste in ihre Gänge und helfen, organische Substanz im Boden zu verteilen.

Durch ihre Bewegung entstehen Gänge, durch die Wasser und Luft in den Boden gelangen können. Zwischenfrüchte können den Regenwürmern und anderen Bodenlebewesen helfen.

Denn sie liefern Wurzeln, abgestorbene Blätter und später weitere Pflanzenreste. Auch die lebenden Wurzeln beeinflussen das Bodenleben, indem sie Stoffe an ihre Umgebung abgeben. Bakterien, Pilze und viele andere winzige Lebewesen profitieren von diesen Stoffen und den Pflanzenresten.

Ein grüner Acker kann deshalb auch unter der Erde voller Leben sein.

Was passiert mit den Zwischenfrüchten im Winter?

Das hängt davon ab, welche Pflanzen der Bauer ausgesät hat. Manche Zwischenfrüchte sind nicht winterhart. Wenn es im Winter ausreichend stark friert, sterben sie ab. Man sagt auch: Sie frieren ab.

Die abgestorbenen Pflanzen bleiben häufig zunächst auf dem Acker liegen. Sie bedecken weiterhin den Boden und werden nach und nach zersetzt.

Andere Zwischenfrüchte sind winterhart. Sie können Frost überstehen und im Frühjahr weiterwachsen. Diese Pflanzen müssen vor der Aussaat der nächsten Hauptkultur auf geeignete Weise beseitigt werden, wenn sie nicht weiterwachsen sollen.

Welche Methode der Bauer dafür wählt, hängt von der Zwischenfrucht, dem Boden, der geplanten Hauptkultur und dem Anbauverfahren ab. Er kann die Pflanzen beispielsweise mechanisch bearbeiten oder in bestimmten Anbausystemen andere zugelassene Verfahren einsetzen.

Zwischenfrüchte verschwinden also nicht immer von allein. Auch ihr Anbau muss sorgfältig geplant werden.

Werden Zwischenfrüchte wirklich niemals geerntet?

Doch, manchmal schon! Das ist ein wichtiger Unterschied. Viele Zwischenfrüchte werden ausschließlich angebaut, um den Boden zu schützen, Nährstoffe aufzunehmen oder die Bodenstruktur zu verbessern.

Sie werden dann nicht als Erntegut vom Feld gefahren. Andere Zwischenfrüchte können dagegen als Futter für Nutztiere verwendet werden. Unter geeigneten Bedingungen können sie beispielsweise gemäht, siliert oder beweidet werden.

Auch eine Nutzung als Substrat für Biogasanlagen ist möglich.

Es kommt also immer darauf an, welches Ziel der Bauer mit dem Zwischenfruchtanbau verfolgt. Die Frage lautet deshalb eigentlich nicht: Warum säen Bauern Pflanzen aus, die sie niemals ernten?

Sondern:

Warum bauen Bauern Pflanzen an, deren wichtigste Aufgabe manchmal gar nicht die Ernte ist?

Warum sind blühende Zwischenfrüchte für Insekten interessant?

Manche Zwischenfrüchte bilden Blüten. Besonders Phacelia, Senf und verschiedene Kleearten können von Bienen, Hummeln, Schwebfliegen und anderen Insekten besucht werden. Dort finden sie je nach Pflanzenart Nektar und Pollen.

Gerade im Spätsommer und Herbst können solche Blüten eine zusätzliche Nahrungsquelle sein. Allerdings blüht nicht jede Zwischenfrucht. Manche Mischungen werden so spät ausgesät, dass sie vor dem Winter gar keine Blüten mehr entwickeln.

Und auch nicht jede blühende Pflanze bietet allen Insekten gleichermaßen geeignete Nahrung. Trotzdem können blühende Zwischenfrüchte das Nahrungsangebot ergänzen.

Landwirtschaft & Zwischenfrüchte – Warum lohnt sich die zusätzliche Arbeit?

Zwischenfrüchte kosten den Bauern zunächst einmal Geld und Arbeit. Er muss Saatgut kaufen, den richtigen Aussaatzeitpunkt wählen und die Pflanzen auf dem Acker etablieren. Außerdem muss er berücksichtigen, welche Zwischenfrüchte zu seiner Fruchtfolge passen.

Denn nicht jede Pflanzenart ist für jeden Acker geeignet. Wer beispielsweise Raps anbaut, muss bei der Auswahl bestimmter Zwischenfrüchte auf gemeinsame Pflanzenkrankheiten und Schädlinge achten.

Auch die Wasserversorgung spielt eine Rolle.

Zwischenfrüchte benötigen Wasser zum Wachsen. In trockenen Regionen oder nach sehr trockenen Sommern kann das zum Problem werden, besonders wenn auch die folgende Hauptkultur Wasser benötigt.

Und nicht immer gelingt die Aussaat.

Ist der Boden zu trocken, keimen die Samen schlecht. Wird es früh kalt, bleibt den Pflanzen möglicherweise zu wenig Zeit, um ausreichend zu wachsen. Trotzdem können Zwischenfrüchte für viele landwirtschaftliche Betriebe ein wertvoller Bestandteil der Fruchtfolge sein.

Sie können helfen, den Boden zu schützen, Nährstoffe zu erhalten, die Bodenstruktur zu verbessern und das Bodenleben zu fördern. Der Bauer investiert also heute Arbeit in Pflanzen, die seinem Acker und den folgenden Kulturen zugutekommen sollen.

Das zeigt etwas Wichtiges:

In der Landwirtschaft geht es nicht immer nur darum, möglichst viel zu ernten. Manchmal geht es auch darum, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass auf einem Acker noch viele Jahre gute Ernten wachsen können.

Schon gewusst?

Zwischen zwei Ernten: Zwischenfrüchte werden zwischen den Hauptkulturen einer Fruchtfolge angebaut.

Lebendige Schutzdecke: Ihre Blätter und Wurzeln können den Boden vor Wind- und Wassererosion schützen.

Nährstoffe festhalten: Zwischenfrüchte nehmen unter anderem Stickstoff aus dem Boden auf und können dadurch die Nitratauswaschung verringern.

Kleine Helfer an den Wurzeln: Klee und andere Leguminosen können mithilfe von Knöllchenbakterien Stickstoff aus der Luft binden.

Nicht alle überstehen den Winter: Manche Zwischenfrüchte frieren bei ausreichend starkem Frost ab, andere wachsen im Frühjahr weiter.

Auch Insekten profitieren: Blühende Zwischenfrüchte können Bienen, Hummeln und anderen Insekten Nahrung bieten.

Manche werden doch geerntet: Zwischenfrüchte können unter bestimmten Bedingungen auch als Tierfutter oder für Biogasanlagen genutzt werden.

Die richtige Mischung ist entscheidend: Welche Zwischenfrüchte geeignet sind, hängt unter anderem von Boden, Klima und Fruchtfolge ab.

Fibis Entdeckertipp

Wenn ihr im Herbst draußen unterwegs seid, schaut euch einmal die Äcker an. Vielleicht entdeckt ihr ein Feld, auf dem das Getreide schon geerntet wurde und trotzdem wieder viele grüne Pflanzen wachsen.

Schaut genau hin!

Sind die Pflanzen alle gleich groß? Haben sie unterschiedliche Blätter? Vielleicht entdeckt ihr sogar mehrere Pflanzenarten auf demselben Feld. Dann könnte der Bauer eine Zwischenfruchtmischung ausgesät haben.

Vielleicht findet ihr auch einen Acker mit violetten Phacelia-Blüten oder gelb blühendem Senf. Beobachtet einmal, ob dort noch Bienen oder Hummeln unterwegs sind. Aber bleibt bitte auf den Wegen und am Feldrand. Die Pflanzen gehören zum Acker des Bauern und sollen ungestört wachsen können.

Und wenn ihr im Winter wieder an demselben Feld vorbeikommt, schaut noch einmal nach. Sind die Pflanzen noch grün? Oder sind sie durch den Frost abgestorben? Vielleicht könnt ihr so beobachten, wie sich ein Zwischenfruchtbestand im Laufe der Jahreszeiten verändert.

Denn manchmal ist eine Pflanze gerade dann besonders wertvoll, wenn der Bauer sie gar nicht ernten möchte.

Und denkt dran: Fragen stellen ist schlau und rausgehen sowieso!

Autor:

Redaktion Land und Region
Christian Kluge

Fotos: Kluge Kommunikation

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