06.11.2026 – land und region

Es ist Herbst. Die Blätter an den Bäumen werden bunt, morgens liegt manchmal schon Frost auf den Wiesen und die Tage werden immer kürzer. Fibi ist draußen unterwegs und entdeckt ein junges Reh. Dabei fällt ihr etwas auf: Das Reh sieht gar nicht mehr so aus wie im Sommer!

Sein Fell ist inzwischen graubraun und wirkt viel dichter. Aber woher weiß das Reh eigentlich, dass es bald Winter wird? Schließlich kann es weder auf einen Kalender schauen noch den Wetterbericht lesen.

Die Antwort ist erstaunlich: Der Körper vieler Tiere besitzt eine Art innere Jahresuhr!

Aussehen & Merkmale – Was ist eigentlich Winterfell?

Viele Säugetiere bekommen im Herbst ein anderes Fell als im Sommer. Das Winterfell ist häufig dichter und besitzt mehr feine Haare, die sogenannte Unterwolle. Zwischen diesen Haaren kann Luft eingeschlossen werden.

Und diese Luft ist wichtig. Sie bildet eine isolierende Schicht, die dafür sorgt, dass der Körper weniger Wärme an die kalte Umgebung verliert. Das funktioniert ein bisschen wie bei einer warmen Winterjacke.

Allerdings sieht Winterfell nicht bei allen Tieren gleich aus.

Beim Reh wird es im Herbst dichter und wechselt seine Farbe von Rotbraun zu Graubraun. Auch Füchse bekommen ein dichteres Winterfell. Bei manchen Tieren verändert sich sogar die Farbe besonders stark. Das Hermelin beispielsweise trägt im Sommer ein braunes Fell und wird in vielen Regionen im Winter fast vollständig weiß.

Winterfell ist also nicht einfach nur mehr Fell. Es kann auch ganz anders aussehen als das Sommerfell.

Woher weiß ein Tier, wann der Winter kommt?

Jetzt kommen wir zu Fibis eigentlicher Frage. Tiere warten nicht einfach darauf, dass es draußen richtig kalt wird. Denn dann wäre es für den Fellwechsel oft schon ziemlich spät. Stattdessen reagiert der Körper vieler Tiere auf etwas, das sich jedes Jahr ganz zuverlässig verändert:

Die Länge der Tage!

Im Sommer ist es morgens früh hell und abends lange hell. Im Herbst geht die Sonne später auf und früher unter. Die Nächte werden länger. Diese Veränderung nehmen die Tiere über ihre Augen und ihr Nervensystem wahr.

Im Körper werden dadurch Signale ausgelöst, die den jahreszeitlichen Rhythmus beeinflussen. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Hormon Melatonin. Es wird vor allem während der Dunkelheit ausgeschüttet.

Wenn die Nächte länger werden, verändert sich auch die Dauer dieses Signals. So erhält der Körper gewissermaßen die Nachricht: Die Jahreszeit verändert sich. Es wird Zeit, sich vorzubereiten.

Wie wächst das Winterfell?

Das neue Fell entsteht nicht über Nacht. In der Haut sitzen winzige Haarwurzeln. Aus ihnen wachsen die Haare. Während des Fellwechsels werden alte Haare abgestoßen und neue gebildet. Bei vielen Tieren beginnt dieser Vorgang bereits im Spätsommer oder frühen Herbst.

Nach und nach wird das Sommerfell durch das Winterfell ersetzt. Dabei wachsen nicht einfach alle Haare gleichzeitig. Der Fellwechsel läuft über mehrere Wochen ab. Wie lange er dauert, hängt von der Tierart, dem Alter, der Gesundheit und den Umweltbedingungen ab.

Wenn es draußen richtig kalt wird, ist das neue Fell bei vielen Tieren bereits weitgehend fertig.

Welche Rolle spielt die Temperatur?

Vielleicht fragt ihr euch jetzt: Wenn die Tageslänge so wichtig ist, spielt die Kälte dann überhaupt keine Rolle? Doch, natürlich. Die Temperatur kann den Fellwechsel und die Eigenschaften des Fells zusätzlich beeinflussen.

Aber bei vielen wild lebenden Säugetieren ist die Tageslänge das besonders zuverlässige Signal für den Beginn der jahreszeitlichen Veränderung. Denn das Wetter kann täuschen. Im Oktober kann es noch einmal richtig warm werden. Und manchmal gibt es schon im September kalte Nächte.

Die Tage werden im Herbst trotzdem immer kürzer. Deshalb ist die Tageslänge für viele Tiere ein besserer Hinweis auf den kommenden Winter als ein einzelner kalter Morgen.

Warum verändert das Reh seine Fellfarbe?

Das Reh auf unserem Comic trägt im Herbst bereits sein graubraunes Winterfell. Im Sommer ist das Fell erwachsener Rehe dagegen meist deutlich rotbraun. Die graubraune Farbe passt gut zu den gedeckten Farben der winterlichen Landschaft.

Wenn Bäume und Sträucher ihre Blätter verloren haben, kann ein Reh zwischen trockenen Gräsern, Ästen und Baumstämmen weniger auffallen. Das ist eine Form der Tarnung.

Das Winterfell hat beim Reh also gleich zwei wichtige Eigenschaften: Es schützt vor Wärmeverlust und seine Farbe hilft dabei, sich in die Umgebung einzufügen. Übrigens: Die weißen Punkte, die junge Rehkitze nach der Geburt tragen, verschwinden normalerweise schon während ihres ersten Sommers.

Welche Tiere bekommen Winterfell?

Nicht nur Rehe wechseln ihr Fell. Viele Säugetiere passen sich auf diese Weise an die Jahreszeiten an.

Füchse bekommen im Herbst ein dichteres Fell. Ihr buschiger Schwanz kann ihnen beim Ruhen zusätzlich helfen, empfindliche Körperteile zu bedecken.

Hasen entwickeln ebenfalls ein dichteres Winterfell. Der Feldhase bleibt dabei überwiegend braun, während der Schneehase in schneereichen Regionen ein weißes Winterkleid trägt.

Eichhörnchen bekommen dichteres Fell. Auch ihre Ohren tragen im Winter häufig auffälligere Haarbüschel.

Pferde können im Herbst ein deutlich längeres und dichteres Fell entwickeln, besonders wenn sie viel Zeit im Freien verbringen.

Und auch Rinder passen ihr Haarkleid an die Jahreszeiten an. Wie ausgeprägt ihr Winterfell ist, hängt unter anderem von der Rasse und den Haltungsbedingungen ab.

Nicht jedes Tier entwickelt also denselben dicken Winterpelz.

Reicht Winterfell aus, um warm zu bleiben?

Winterfell ist ein wichtiger Schutz gegen Kälte. Aber es kann nicht alles. Besonders problematisch kann es werden, wenn das Fell stark durchnässt wird und gleichzeitig Wind weht. Denn Nässe und Wind können die isolierende Wirkung des Fells beeinträchtigen und den Wärmeverlust erhöhen.

Deshalb suchen viele Wildtiere bei schlechtem Wetter geschützte Plätze auf. Rehe halten sich beispielsweise gern in Bereichen auf, in denen Bäume, Sträucher oder andere Landschaftsstrukturen Schutz vor Wind und Niederschlag bieten.

Außerdem brauchen Tiere im Winter ausreichend Nahrung. Denn auch das beste Winterfell kann keine Körperwärme erzeugen, wenn dem Tier langfristig die nötige Energie fehlt.

Warum verlieren Tiere im Frühjahr ihr Winterfell?

Wenn der Winter vorbei ist, beginnt der Vorgang in die andere Richtung. Die Tage werden wieder länger. Der Körper nimmt diese Veränderung wahr und stellt sich auf die wärmere Jahreszeit ein. Das dichte Winterfell wird nach und nach abgestoßen und durch ein leichteres Sommerfell ersetzt.

Wer im Frühjahr schon einmal ein Pferd geputzt hat, kennt das vielleicht.

Man bürstet und bürstet und trotzdem kommen immer neue Haare zum Vorschein! Bei wild lebenden Tieren passiert dieser Fellwechsel ganz ohne Bürste. Sie verlieren die alten Haare nach und nach. Manche reiben sich auch an Bäumen oder anderen geeigneten Gegenständen.

Landwirtschaft & Winterfell – Warum ist das für Bauern wichtig?

Auf Bauernhöfen leben viele Tiere, die sich ebenfalls auf die kalte Jahreszeit einstellen. Besonders gut lässt sich das bei Pferden und Rindern beobachten. Pferde, die regelmäßig draußen gehalten werden, entwickeln häufig ein ausgeprägtes Winterfell.

Auch viele Rinderrassen können sich gut an niedrige Temperaturen anpassen, wenn sie daran gewöhnt sind und geeignete Bedingungen vorfinden. Doch Winterfell allein bedeutet nicht, dass ein Tier bei jedem Wetter problemlos draußen bleiben kann.

Bauern müssen darauf achten, dass ihre Tiere ausreichend Futter und Wasser bekommen und dass ihre Haltungsbedingungen zum Wetter und zu den Bedürfnissen der Tiere passen.

Besonders wichtig sind Schutzmöglichkeiten vor ungünstiger Witterung, etwa vor starkem Wind in Verbindung mit Nässe. Dabei gibt es große Unterschiede zwischen den Tierarten und Rassen.

Ein robustes Highland-Rind besitzt beispielsweise ein ganz anderes Haarkleid als manche hochleistende Milchkuh. Und ein Pferd mit dichtem Winterfell braucht unter Umständen andere Bedingungen als ein geschorenes Pferd.

Für den Bauern bedeutet das: Er muss seine Tiere genau beobachten und wissen, was sie brauchen. Denn ein dickes Fell ist eine erstaunliche Anpassung an den Winter, ersetzt aber keine gute Tierhaltung.

Schon gewusst?

Der Kalender steckt im Körper: Viele Säugetiere orientieren ihren Fellwechsel vor allem an der Länge der Tage.

Melatonin hilft bei der Zeitmessung: Dieses Hormon liefert dem Körper Informationen über die Dauer der Dunkelheit.

Winterfell hält Luft fest: Zwischen den Haaren eingeschlossene Luft hilft dabei, den Wärmeverlust zu verringern.

Rehe wechseln die Farbe: Ihr rotbraunes Sommerfell wird im Winter graubraun.

Nicht jedes Winterfell ist weiß: Nur bestimmte Tierarten wechseln in schneereichen Regionen zu einem weißen Winterkleid.

Fellwechsel braucht Zeit: Der neue Pelz entsteht über Wochen und nicht erst in der ersten Frostnacht.

Auch Bauernhoftiere wechseln ihr Fell: Besonders bei Pferden und vielen Rindern kann man die jahreszeitlichen Veränderungen gut erkennen.

Fibis Entdeckertipp

Wenn ihr im Herbst draußen unterwegs seid, schaut euch die Tiere einmal besonders aufmerksam an. Vielleicht entdeckt ihr auf einer Wiese ein Reh, dessen Fell schon graubraun geworden ist.

Oder ihr besucht einen Pferdehof und seht, wie dicht das Fell der Pferde inzwischen geworden ist. Vergleicht einmal, wie die Tiere im Sommer und im Winter aussehen. Vielleicht habt ihr sogar Fotos vom selben Tier aus unterschiedlichen Jahreszeiten.

Dann könnt ihr den Unterschied besonders gut erkennen.

Aber denkt daran: Wildtiere brauchen Ruhe. Beobachtet Rehe und andere Tiere deshalb immer mit ausreichend Abstand. Und fremde Pferde oder Rinder solltet ihr nur mit Erlaubnis ihrer Besitzer berühren.

Und denkt dran: Fragen stellen ist schlau und rausgehen sowieso!

Autor:

Redaktion Land und Region
Christian Kluge

Fotos: Kluge Kommunikation

DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner