06.11.2026 – land und region

Bis auf den letzten Platz besetzt, klare politische Botschaften und eine lebhafte Diskussion weit über die Bremer Landesgrenzen hinaus: Die Veranstaltung des Bremischen Landwirtschaftsverbandes (BLV) am 5. November 2026 im Dorfgemeinschaftshaus Blockland zeigte eindrucksvoll, wie groß das Interesse an der Zukunft der Landwirtschaft ist. Und vor allem, wie wichtig der offene Austausch zwischen Landwirtschaft, Politik und Gesellschaft bleibt.

Um 19:05 Uhr eröffnete BLV-Präsident Hilmer Garbade die Veranstaltung und begrüßte die zahlreichen Gäste im bis auf den letzten Platz gefüllten Dorfgemeinschaftshaus. Was folgte, war ein Abend mit klaren Positionen, unterschiedlichen Perspektiven und bemerkenswert offenen Gesprächen.

Bereits in seiner Grundsatzrede fand BLV-Präsident Hilmer Garbade deutliche Worte. Er blickte auf das vergangene Jahr zurück und nahm dabei sowohl die Entwicklungen in Bremen als auch die Herausforderungen der gesamten deutschen Landwirtschaft in den Fokus.

Garbade sprach offen über die Themen, die den Berufsstand im vergangenen Jahr besonders beschäftigt hatten. Er benannte die drängenden Probleme, machte deutlich, wo aus Sicht der Landwirtschaft dringender politischer Handlungsbedarf besteht, und zeigte ebenso klar auf, welche Entwicklungen und zusätzlichen Belastungen für die Betriebe nicht hinnehmbar sind.

Dabei sparte der Präsident auch die kritischen Punkte des vergangenen Jahres nicht aus. Er sprach Probleme und Meinungsverschiedenheiten unmissverständlich an und machte deutlich, dass die Landwirtschaft bereit ist, Verantwortung zu übernehmen und konstruktiv an Lösungen mitzuarbeiten. Dazu braucht es allerdings politische Rahmenbedingungen, die den Betrieben eine wirtschaftliche Zukunft ermöglichen.

Seine Grundsatzrede war damit weit mehr als ein Rückblick: Sie war eine klare Standortbestimmung des Bremischen Landwirtschaftsverbandes und zugleich ein deutlicher Appell an die Politik, die Anliegen der Landwirtschaft ernst zu nehmen.

Senatorin Dr. Henrike Müller griff in ihrem anschließenden Grußwort den Gedanken des gemeinsamen Dialogs auf. Ihre Worte waren verbindend, ohne bestehende Probleme auszuklammern. Sie sprach auch schwierige Themen offen an und machte damit deutlich, dass ein konstruktiver Austausch nicht bedeutet, unterschiedliche Positionen zu verschweigen.

Zehn Forderungen für die Zukunft der Bremer Landwirtschaft

Ein zentraler Programmpunkt war die Vorstellung der zehn Forderungen des Bremischen Landwirtschaftsverbandes zur Bürgerschaftswahl 2027 durch Geschäftsführer Christian Kluge.

Das Forderungspapier setzt klare Schwerpunkte: vom dauerhaften Erhalt landwirtschaftlicher Nutzflächen über wirtschaftlich tragfähigen Natur- und Moorschutz bis hin zu weniger Bürokratie, besseren Investitionsbedingungen und verlässlichen Zukunftsperspektiven für die Betriebe.

Kluge betonte dabei ausdrücklich, dass es sich weder um eine Wunschliste noch um die Forderung nach Sonderrechten handele. Vielmehr gehe es darum, dass Landwirtschaft in Bremen als unverzichtbarer Wirtschaftszweig, als Lebensmittelproduzent und als Teil der Zukunft des Landes wahrgenommen und bei politischen Entscheidungen entsprechend berücksichtigt werde.

Der BLV setzt damit im beginnenden Wahlkampf bewusst auf klare eigene Positionen und bietet zugleich den Dialog über konkrete Lösungen an.

Der Blick über Bremen hinaus: Niedersachsen, Berlin und Brüssel

Dass die Herausforderungen der Landwirtschaft nicht an Landesgrenzen enden, wurde in den anschließenden Beiträgen deutlich.

Stefan Ortmann, Geschäftsführer des Landvolk Niedersachsen, richtete den Blick auf die Landwirtschaft in Niedersachsen und darüber hinaus. Mit klaren und unmissverständlichen Worten beschrieb er die Situation der Betriebe und die politischen Herausforderungen. Besonders bemerkenswert war seine Einschätzung zum Bremer Forderungspapier: Die zehn Forderungen des BLV könne man genauso auch für Niedersachsen unterschreiben.

Damit wurde deutlich, dass viele der in Bremen diskutierten Probleme keineswegs regionale Besonderheiten sind, sondern die Landwirtschaft weit über die Landesgrenzen hinaus beschäftigen.

Marco Mohrmann weitete den Blick anschließend auf Berlin und Brüssel. Im Mittelpunkt standen die Herausforderungen der Agrarmärkte, die politischen Rahmenbedingungen und die Frage, welche Verantwortung Politik und Landwirtschaft gleichermaßen tragen. Denn die wirtschaftliche Zukunft landwirtschaftlicher Betriebe wird längst nicht allein vor Ort entschieden. Nationale und europäische Entscheidungen sowie die Entwicklungen auf den internationalen Märkten wirken unmittelbar bis auf die einzelnen Höfe.

Eine Podiumsdiskussion, die ihrem Namen gerecht wurde

Wie groß der Gesprächsbedarf tatsächlich ist, zeigte die anschließende Podiumsdiskussion. Unter reger Beteiligung des Publikums entwickelte sich ein intensiver Austausch, dessen Themen von konkreten Bremer Fragestellungen über die deutsche und europäische Agrarpolitik bis hin zu den globalen Märkten reichten.

Dabei wurde durchaus kontrovers diskutiert. Unterschiedliche Einschätzungen und klare Positionen hatten ihren Platz. Was den Abend jedoch besonders auszeichnete, war der Umgang miteinander: offen, direkt und jederzeit wertschätzend.

Es ging nicht darum, Unterschiede zu überdecken, sondern darum, sie anzusprechen, Argumente auszutauschen und ein besseres Verständnis für die jeweiligen Perspektiven zu entwickeln.

Gerade diese Verbindung aus klarer Haltung und gegenseitigem Respekt machte die Diskussion zu einem besonderen Abschluss des inhaltlichen Programms.

Ein Abend, der Mut macht

Als Vize-Präsident Carsten Schnakenberg die Gäste deutlich nach 22 Uhr verabschiedete, lag ein intensiver und erfolgreicher Veranstaltungsabend hinter allen Beteiligten.

Die deutlichen politischen Botschaften und die engagierte Beteiligung des Publikums machten eines deutlich: Die Zukunft der Landwirtschaft bewegt die Menschen. Und sie verdient eine offene, ernsthafte und sachliche politische Auseinandersetzung.

Diese Veranstaltung war ein starkes Signal: Die Bremer Landwirtschaft hat etwas zu sagen. Sie bringt sich ein. Und sie will ihre Zukunft aktiv mitgestalten.

Autor:

Redaktion Land und Region
Christian Kluge

Fotos: Kluge Kommunikation

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