25.10.2026 – land und region

So, heute reden wir mal über eine Steuererhöhung aus der Rubrik: „Wir erhöhen keine Steuern.“ Die Zuckersteuer. Genauer gesagt: eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke. Für unsere Gesundheit. Ganz großartig.

Und das ist deshalb so großartig, weil ich mir zum Frühstück problemlos eine ganze Tafel Schokolade zwischen zwei Toastscheiben legen kann. Das ist gesundheitspolitisch offenbar völlig unauffällig.

Aber wehe, ich spüle das Ganze mit einer Cola runter. Dann muss der Staat natürlich eingreifen. Und bevor jetzt jemand Schnappatmung bekommt: Nein, Bruno verteidigt keinen übermäßigen Zuckerkonsum. Weniger Zucker kann durchaus sinnvoll sein. Aber könnte es sein, dass wir für unsere Ernährung auch selbst ein bisschen Verantwortung tragen? Ich frage nur für einen Freund.

Jetzt sollen zuckerhaltige Getränke teurer werden. Getränke mit Süßstoffen bleiben ausgenommen. Also könnten Hersteller Zucker durch Süßstoffe ersetzen. Prima. Problem gelöst. Jedenfalls auf der Getränkeflasche.

Aber vielleicht sollten wir uns mal anschauen, was hinter diesem Zucker steckt. Da stehen nämlich Zuckerrüben auf dem Acker. Und dahinter Bauernfamilien, Zuckerfabriken, Fabrikarbeiter, Lkw-Fahrer und jede Menge Arbeitsplätze.

Ach guck. Die Rübe hat ja eine ganze Wirtschaft im Schlepptau!

Also, was passiert mit dem Rübenanbau, wenn weniger Zucker gebraucht wird? Die Betriebe kämpfen ohnehin mit niedrigen Preisen, hohen Kosten, Krankheiten im Rübenbestand und Konkurrenz durch günstige Zuckerimporte. Und was passiert, wenn Zuckerfabriken in ganzen Regionen verschwinden, weil sie nicht mehr wirtschaftlich arbeiten können?

Steht die Antwort auch auf dem Flaschenetikett?

Also, wenn diese Nicht-Steuererhöhung gesellschaftspolitisch so sinnvoll ist, warum denken wir dann nicht auch über ihre gesellschaftlichen Folgen nach? Wir wollen regionale Lebensmittel. Wir wollen Arbeitsplätze im ländlichen Raum. Wir wollen wirtschaftlich starke Betriebe. Wunderbar!

Aber wenn wir mit einer Steuer ganz bewusst die Nachfrage verändern, wäre es dann nicht eine geradezu revolutionäre Idee, auch mal die Menschen zu fragen, die davon leben?  Gesundheitspolitik endet nicht am Flaschenrand. Und politische Verantwortung auch nicht.

Könnte vielleicht einmal ein Gesetz gemacht werden, bei dem nicht nur überlegt wird, was damit erreicht werden soll, sondern auch, wer auf dem Weg dorthin getroffen wird?

Aber wahrscheinlich nicht.

Autor:

Redaktion Land und Region
Christian Kluge

Fotos: Kluge Kommunikation

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