14.10.2026 – land und region
So, heute gibt’s wieder was aus dem Bürokratentollhaus. Genauer gesagt aus der Abteilung: „Das kannst du dir nicht ausdenken.“ Es geht um eine Frau, die eine wirklich vollkommen verrückte Idee hat. Sie möchte einen eigenen landwirtschaftlichen Betrieb gründen. Ja. Freiwillig.
Ja, ihr Mann hat bereits einen landwirtschaftlichen Betrieb. Ja, sie kennt die Landwirtschaft. Und nein, sie fängt nicht bei null an. Aber sie hat eigene Ideen, will Verantwortung übernehmen und mit voller Unterstützung ihrer Familie etwas Eigenes aufbauen. Verrückt, oder? Eine Frau, die nicht nur mitarbeiten, sondern selbst Unternehmerin sein will.
In einer Zeit, in der alle über fehlende Hofnachfolger, unternehmerischen Mut und die Zukunft der Landwirtschaft reden, kommt tatsächlich eine Frau und sagt: „Ich mach das. Ich gründe meinen eigenen Betrieb.“ Da müssten doch eigentlich die Sektkorken knallen.
Stattdessen kommt Post von der Behörde. Und ich sage mal so: Die Glückwunschkarte hat offenbar jemand vergessen. Das Formular zur Prüfung des Förderantrags aber nicht. Und das ist wirklich ein kleines Meisterwerk behördlicher Willkommenskultur.
Da kann man nämlich ankreuzen, warum der Betrieb entstanden ist. Erste Möglichkeit: Betriebsteilung ausschließlich zum Erhalt der Umverteilungsprämie. Ja, wirklich. Das erste Kästchen ist praktisch: „Sie haben beschissen. Bitte hier ankreuzen.“ Sehr serviceorientiert.
Alternativ gibt es noch: steuerliche Gründe. Hofnachfolge. Interne Streitigkeiten. Tod. Insolvenz. Also praktisch die komplette Bandbreite zwischen Familienkrieg, wirtschaftlichem Zusammenbruch und Beerdigung. Was fehlt? Unternehmerischer Gestaltungswille. Dafür gibt es nur ein Kästchen: „Sonstiges.“
Und wo ist eigentlich das zweite Formular? Das mit den Fragen: „Was möchten Sie aufbauen? Wo brauchen Sie Unterstützung? Und was können wir für Sie tun?“ Ich kann das alles nicht mehr.
Und bevor jetzt jemand meint, Bruno wolle die Förderkontrolle abschaffen: Nein. Wer öffentliche Gelder bekommt, muss die Voraussetzungen erfüllen. Keine Frage. Aber man kann Menschen auch prüfen, ohne sie gleich ans Kreuz zu schlagen.
Vielleicht könnte man Menschen, die etwas aufbauen wollen, auch einmal das Gefühl geben, dass ihr Vorhaben willkommen ist. Und nicht, dass sie zuerst ihre Unschuld erklären müssen. Ob wir es irgendwann schaffen, unternehmerischen Mut zu fördern, ohne ihn gleich unter Generalverdacht zu stellen?
Aber wahrscheinlich nicht.
Autor:
Redaktion Land und Region
Christian Kluge
Fotos: Kluge Kommunikation