16.10.2026 – land und region

Im Frühling und Sommer kann man sie überall entdecken: Hummeln, die von Blüte zu Blüte fliegen. Sie sammeln Nektar und Pollen, verschwinden in kleinen Erdlöchern oder brummen durch den Garten.

Doch wenn der Herbst kommt, werden es immer weniger. Und irgendwann sind sie fast ganz verschwunden.

Aber wo sind die Hummeln geblieben? Haben sie sich in ihrem Nest versteckt? Halten sie vielleicht Winterschlaf?

Die Antwort ist überraschend: Fast alle Hummeln eines Volkes sterben im Laufe des Spätsommers und Herbstes. Nur die jungen, bereits begatteten Königinnen überleben normalerweise den Winter.

Und genau diese Königinnen sorgen dafür, dass es im nächsten Frühjahr wieder neue Hummelvölker gibt.

Aussehen & Merkmale – Was macht eine Hummel besonders?

Hummeln gehören zu den Wildbienen. Sie sind also eng mit den Honigbienen verwandt. Ihr Körper ist meist rundlich und dicht behaart. Viele Arten haben auffällige gelbe, schwarze, weiße oder rötliche Streifen.

Die dichte Behaarung ist besonders praktisch, denn Hummeln können auch bei kühlerem Wetter unterwegs sein. Durch die Arbeit ihrer Flugmuskeln können sie Wärme erzeugen und ihren Körper auf eine geeignete Betriebstemperatur bringen.

Deshalb kann man Hummeln oft schon an kühlen Frühlingstagen beobachten, wenn andere Insekten noch kaum fliegen. In Deutschland gibt es rund 40 Hummelarten. Dazu gehören beispielsweise die Erdhummel, die Gartenhummel, die Wiesenhummel und die Ackerhummel.

Doch obwohl sie unterschiedlich aussehen und verschiedene Lebensräume bevorzugen, haben die meisten heimischen Hummelarten eines gemeinsam:

Ihr Volk lebt nur einen Sommer lang.

Lebensraum & Verbreitung – Wo wohnen Hummeln?

Hummeln leben auf Wiesen, an Waldrändern, in Gärten, Parks und in der offenen Agrarlandschaft. Entscheidend ist, dass sie geeignete Nistplätze und ausreichend Blüten finden.

Manche Hummelarten bauen ihre Nester unter der Erde, beispielsweise in verlassenen Mäusenestern. Andere nutzen Hohlräume zwischen Steinen, dichtes Gras, Moospolster oder andere geschützte Plätze oberhalb des Bodens.

Ein Hummelnest besteht aus kleinen Wachszellen, in denen die Königin ihre Eier ablegt und die Larven heranwachsen. Anders als Honigbienen bauen Hummeln keine großen, regelmäßigen Waben.

Ihre Nester wirken eher wie eine Ansammlung kleiner Wachstöpfchen. Und darin herrscht im Sommer reger Betrieb.

Nahrung & Lebensweise – Was machen die Hummeln den ganzen Sommer?

Hummeln ernähren sich von Nektar und Pollen. Der Nektar liefert ihnen Energie. Pollen enthält wichtige Nährstoffe, insbesondere Eiweiß, das für die Entwicklung der Larven benötigt wird.

Während des Sommers sind die Arbeiterinnen deshalb ständig unterwegs. Sie besuchen Blüten, sammeln Nahrung und bringen sie zurück zum Nest. Dort versorgen sie die Larven, pflegen das Nest und helfen dabei, die nächste Generation großzuziehen.

Die Königin bleibt nach der Gründungsphase überwiegend im Nest und legt Eier. So wächst das Hummelvolk im Laufe des Frühjahrs und Sommers. Je nach Art und Bedingungen kann ein Volk aus einigen Dutzend bis zu mehreren Hundert Tieren bestehen.

Doch gegen Ende des Sommers verändert sich etwas Entscheidendes.

Lebenszyklus & Nachwuchs – Was passiert mit dem Hummelvolk im Herbst?

Um zu verstehen, was im Herbst geschieht, schauen wir uns einmal das ganze Hummeljahr an. Frühling: Eine Königin gründet ein neues Volk

Im Frühjahr erwacht eine junge Hummelkönigin aus ihrer Winterruhe. Sie hat den Winter allein überstanden und macht sich nun auf die Suche nach Nahrung und einem geeigneten Nistplatz.

Hat sie einen Platz gefunden, beginnt sie mit dem Nestbau. Sie legt die ersten Eier und versorgt die daraus schlüpfenden Larven zunächst ganz allein. Aus diesen ersten Eiern entwickeln sich Arbeiterinnen. Sobald sie erwachsen sind, übernehmen sie einen großen Teil der Arbeit.

Die Königin kann sich nun stärker auf das Eierlegen konzentrieren.

Im Sommer wächst das Hummelvolk. Immer mehr Arbeiterinnen schlüpfen und fliegen auf Nahrungssuche. Sie versorgen die Larven und halten den Nestbetrieb aufrecht. Doch irgendwann kommt eine besondere Phase.

Das Volk beginnt, neben Arbeiterinnen auch Männchen und junge Königinnen hervorzubringen. Diese jungen Königinnen sind für die Zukunft der Hummeln besonders wichtig.

Denn sie werden im nächsten Jahr neue Völker gründen.

Spätsommer und Herbst: Wenn das Hummelvolk seinen jährlichen Entwicklungszyklus abgeschlossen hat, endet das Leben der alten Königin. Auch die Arbeiterinnen und die Männchen sterben nach und nach.

Das Nest wird schließlich verlassen. Die jungen Königinnen haben das Nest zuvor verlassen und sich mit Männchen gepaart. Nun müssen sie sich auf den Winter vorbereiten. Sie sammeln noch einmal Nahrung und legen Energiereserven an.

Anschließend suchen sie sich einen geschützten Platz, an dem sie die kalte Jahreszeit überstehen können. Das alte Hummelvolk überwintert also nicht gemeinsam. Nur die jungen, begatteten Königinnen tragen das nächste Hummeljahr in sich.

Der genaue Zeitpunkt hängt von der Hummelart und vom Wetter ab. Manche Völker sind bereits im Hochsommer verschwunden, andere bleiben bis weit in den Herbst aktiv.

Wie überlebt eine Hummelkönigin den Winter?

Die jungen Königinnen suchen sich einen geschützten Überwinterungsplatz. Häufig graben sie sich in lockere Erde ein oder nutzen bereits vorhandene kleine Hohlräume im Boden. Dort verbringen sie den Winter in einer Ruhephase, die man als Diapause bezeichnet.

Während dieser Zeit ist ihr Stoffwechsel stark heruntergefahren. Sie verbrauchen nur wenig Energie und leben von ihren angelegten Reserven. Sie fressen nicht regelmäßig und fliegen auch nicht zur Nahrungssuche aus.

Im Frühjahr, wenn die Temperaturen steigen und die Bedingungen geeignet sind, werden die Königinnen wieder aktiv. Dann beginnt alles von vorn. Eine Königin sucht Blüten, findet einen Nistplatz und gründet ein neues Volk.

Das alte Nest wird normalerweise nicht wiederverwendet.

Warum sind Hummeln für die Natur so wichtig?

Hummeln gehören zu den wichtigen Bestäubern unserer Landschaft. Wenn sie Blüten besuchen, bleibt Pollen an ihrem Körper hängen. Beim Besuch der nächsten Blüte können sie diesen Pollen übertragen. Dadurch ermöglichen sie die Fortpflanzung zahlreicher Blütenpflanzen.

Besonders bemerkenswert ist, dass viele Hummeln auch bei vergleichsweise niedrigen Temperaturen fliegen können. Außerdem beherrschen sie eine besondere Bestäubungstechnik: die Vibrationsbestäubung.

Dabei versetzen sie eine Blüte mit ihren Flugmuskeln in Schwingung, sodass Pollen freigesetzt wird. Diese Fähigkeit ist beispielsweise bei Tomaten besonders nützlich. Ohne Hummeln und andere bestäubende Insekten könnten sich viele Wildpflanzen und Kulturpflanzen nicht so erfolgreich vermehren.

Landwirtschaft & Hummeln – Warum sind Blüten bis in den Herbst wichtig?

Für Hummeln ist es wichtig, dass sie während ihrer gesamten aktiven Zeit ausreichend Nahrung finden. Im Frühjahr brauchen die Königinnen Nektar und Pollen, um ein neues Volk gründen zu können.

Im Sommer benötigen die Arbeiterinnen große Mengen Nahrung, um die Larven zu versorgen. Und im Spätsommer und Herbst sind besonders die jungen Königinnen auf Blüten angewiesen.

Denn bevor sie sich zur Winterruhe zurückziehen, müssen sie genügend Energiereserven anlegen. Deshalb sind spät blühende Pflanzen wichtig. Auf landwirtschaftlichen Flächen können beispielsweise blütenreiche Feldränder, Klee, Luzerne und geeignete Blühmischungen Nahrung bieten.

Auch artenreiche Wiesen, Wegränder, Hecken und Gärten tragen dazu bei, dass Hummeln über einen möglichst langen Zeitraum Blüten finden. Dabei ist nicht nur die Menge der Blüten entscheidend, sondern auch ihre zeitliche Verteilung.

Ein großes Blütenangebot im Mai hilft einer Hummelkönigin im September nicht mehr, wenn dann nichts mehr blüht. Genauso wichtig sind geeignete Nistplätze und ungestörte Bereiche, in denen junge Königinnen überwintern können.

Wer Hummeln schützen möchte, muss deshalb das ganze Hummeljahr im Blick behalten.

Schon gewusst?

Hummeln sind Wildbienen: Sie gehören zur Familie der Echten Bienen und sind mit unseren Honigbienen verwandt.

Ein Volk lebt meistens nur eine Saison: Anders als Honigbienen überwintern die meisten heimischen Hummelarten nicht als ganzes Volk.

Die alte Königin stirbt: Am Ende des jährlichen Entwicklungszyklus sterben die alte Königin, die Arbeiterinnen und die Männchen.

Junge Königinnen sind die Zukunft: Sie paaren sich, legen Energiereserven an und überwintern anschließend allein.

Das Nest bleibt leer zurück: Im nächsten Frühjahr gründen die überlebenden Königinnen neue Völker an anderen geeigneten Plätzen.

Hummeln können bei Kälte fliegen: Sie können ihre Flugmuskeln zur Wärmeerzeugung nutzen und deshalb oft früher am Tag oder bei kühlerem Wetter unterwegs sein als viele andere Insekten.

Manche Hummeln fliegen sogar im Winter: Bei der Dunklen Erdhummel sind unter geeigneten Bedingungen auch Winteraktivität und Wintervölker möglich.

Fibis Entdeckertipp

Wenn ihr im Herbst draußen unterwegs seid, schaut einmal nach den letzten blühenden Pflanzen. Vielleicht entdeckt ihr noch eine Hummel, die Nektar sammelt.

Beobachtet sie aus etwas Abstand.

Ist sie besonders groß? Dann könnte es eine junge Königin sein, die sich auf den Winter vorbereitet. Allein an der Größe lässt sich das allerdings nicht immer sicher erkennen. Und wenn ihr im Garten arbeitet, denkt daran, dass unter der Erde vielleicht schon eine Hummelkönigin auf das nächste Frühjahr wartet.

Nicht jede Ecke muss aufgeräumt werden. Ungestörte Bodenbereiche, Laub und natürliche Verstecke können vielen kleinen Tieren helfen, den Winter zu überstehen. Vielleicht liegt dort irgendwo eine junge Königin, ganz still und gut geschützt.

Und wenn im nächsten Frühjahr wieder eine Hummel durch den Garten brummt, könnte sie gerade auf der Suche nach einem Platz für ihr eigenes Volk sein.

Denn auch wenn ein Hummelvolk im Herbst endet, ist die Geschichte der Hummeln noch lange nicht vorbei.

Und denkt dran: Fragen stellen ist schlau und rausgehen sowieso!

Autor:

Redaktion Land und Region
Christian Kluge

Fotos: Kluge Kommunikation

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